100-Tage-Bilanz von Matthias Sammer

Der neue Vordenker

Von SPOX
Mittwoch, 10.10.2012 | 08:48 Uhr
Matthias Sammer beobachtet jedes Training beim FC Bayern
© Getty
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Am 3. Juli wurde Matthias Sammer als Sportvorstand beim FC Bayern München vorgestellt. 100 Tage später ist es Zeit für eine erste Bilanz. Ein Rückblick auf die sieben wichtigsten Momente seiner Anfangszeit.

Die Idee Sammer: Omnipräsenz erwünscht

Nach und nach sollte Christian Nerlinger als Nachfolger von Uli Hoeneß aufgebaut werden. Nerlinger hatte als Ex-Spieler des FC Bayern "Stallgeruch" und war damit legitimiert, die Aufgaben des allmächtigen Managers zu übernehmen. Doch Nerlinger konnte sich nie zur Zufriedenheit der Bosse emanzipieren. Nerlinger habe "gewisse Schwächen" in der Außendarstellung offenbart, erklärte Hoeneß zuletzt im "Spiegel"-Interview.

Nerlinger hätte auch der Gewinn der Champions League nicht vor einem Rauswurf bewahrt. "Dann hätten wir das Arbeitsverhältnis am 1. Januar 2013 beendet", so Hoeneß. Der Präsident war die treibende Kraft hinter dem Sammer-Coup. Hoeneß wollte einen omnipräsenten Mann, der motiviert und auch mal dazwischenhaut. "Es hat sich gezeigt, dass wir für diese Position einen Mann brauchen von der Ausstrahlung und von der Stärke nach außen, wie sie Matthias hat", sagte Hoeneß rückblickend.

Im Gegensatz zu Nerlinger fehlt Sammer der "Stallgeruch", umso bemerkenswerter war die Aussage von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge anlässlich Sammers Vorstellung am 3. Juli, Sammer sei das "Herzstück" des FC Bayern. Und der neue Sportvorstand traf sofort den Nerv der Bosse. "Es ist nicht gut, sich zu bedauern und darauf zu hoffen, dass die anderen einen bedauern. Das geht woanders, aber nicht beim FC Bayern. Die schlimmste Situation wäre jetzt Selbstmitleid."

Sammers 1. Neuzugang: Zu mir erst später

Der Transfer von Mario Mandzukic wurde zwar schon vor der Verpflichtung Sammers perfekt gemacht, die offizielle Vorstellung des Kroaten war aber die erste öffentliche Aufgabe des neuen Sportvorstands. Dementsprechend groß war auch das Interesse an Sammer. Der verriet zwar, dass er den Transfer zwar nicht selbst eingefädelt hatte, aber "natürlich über die Vorgänge informiert" gewesen sei.

Fragen zu seiner Person und seinen Vorstellung wiegelte er vornehmlich ab, er werde sich "in gewohnter Deutlichkeit zu gewissen Dingen äußern". Der 13 Millionen Euro schwere Neuzugang Mandzukic sollte im Fokus stehen. Kein leichtes Unterfangen, denn immer wieder richteten sich die Fragen an ihn.

Sammer ließ sich dann ein paar Sätze über die geforderte Demut der Spieler, Egoismen aller Art und Härtefälle entlocken. Am Ende ging er mit dem Satz: "Ich habe schon viel mehr gesagt als ich eigentlich wollte."

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Sammers 1. PK: Die Regierungserklärung

Schon bei der Vorstellung Mario Mandzukics war Matthias Sammer die gefragte Person, aber der neue Sportvorstand verwies auf "demnächst", um seine Regierungserklärung abzugeben, die dann wenige Tage später im Trainingslager am Gardasee erfolgte.

Sammer erklärte fast eine Stunde lang wort- und gestenreich, wie er sich den FC Bayern unter seiner Führung vorstelle. Sammer hatte sich trotz anfänglichem "Schleudertrauma" schnell einen Überblick schaffen können, hatte klare Vorstellungen. Das Sammer'sche Credo formulierte er klar und deutlich: "Wir brauchen unsere eigene Identität und unsere eigene Stärke. Wir brauchen Nirgendwo hinschauen. Die wahre Stärke liegt in der eigenen Denkweise und in der eigenen Orientierung. Nicht nur, weil es Bayern München ist."

Sammer war bestimmt, klar in der Aussage, hatte aber auch die nötige Portion Bescheidenheit im Gepäck. "Diese gebietet sich", sagte Sammer damals.

Sammers 1. Zwischenfazit: "Ich bin nicht der perfekte Mann"

Der FC Bayern hatte noch kein Pflichtspiel absolviert, als Matthias Sammer am 15. August zum Interview-Marathon antratund ein erstes Zwischenfazit zog. Ähnlich wie am Gardasee nahm sich Sammer wieder viel Zeit, um seine Denkweise zu erläutern.

Sammer hatte das "Schleudertrauma" längst überwunden, war in der Analyse des Ist-Zustands weit fortgeschritten, dass er ein für sich beruhigendes Zwischenfazit ziehen konnte: "Die Frage ist immer: Liegt das Problem an der Basis oder im Detail? Wenn es an der Basis liegen würde, dann müssten wir uns grundsätzliche Sorgen um den Klub machen. Aber an der Basis liegt es nicht, Bayern ist ein Riesen-Klub."

Auffällig blieb Sammers Bescheidenheit in Bezug auf die eigene Rolle ("Ich bin nicht der perfekte Mann"). Sammer sprach mutig davon, dass er seine Konsequenzen ziehen würde, wenn er langfristig nicht zum FCB passen würde: "Jetzt sagt man: Jetzt kommt der Sammer dazu, geht das denn gut? Ja wenn es nicht gut geht, muss ich wieder gehen. Es geht um Bayern München. Wenn ich nicht in der Lage bin, mich in diesen Klub, trotz einer eigenen Denkweise, zu integrieren und anzuerkennen, was hier organisch über Jahre hinweg gewachsen ist, dann habe ich auch keine Berechtigung, hier zu sein."

Seite 2: Sammer kontert Hoeneß und streitet mit Heynckes

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