Der Nerv des Trainers

Von Andreas Lehner
Mittwoch, 03.10.2012 | 20:10 Uhr
Passt zwischen Jupp Heynckes und Matthias Sammer wirklich kein Blatt?
© Getty
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Heynckes gegen Sammer: Aber warum? Die Kritik des Sportvorstands war weder populistisch noch überzogen. Die Retourkutsche dagegen schon. Die SPOX-Meinung von Andreas Lehner.

Der Vorwurf des Populismus hat beim FC Bayern seit 2007 nicht mehr die Runde gemacht, als Uli Hoeneß damals auf der Jahreshauptversammlung seine bekannte Wutrede hielt und von "populistischer Scheiße" sprach.

Am Dienstag benutzte Trainer Jupp Heynckes den Begriff, um erneut über die Kritik von Matthias Sammer an der Einstellung seiner Spieler beim 2:0-Sieg in Bremen am vergangenen Samstag zu sprechen.

Sammer stand im Moment des Heynckes'schen Angriffs in der Abflughalle am Flughafen Minsk nur drei, vier Meter entfernt und unterhielt sich mit Kapitän Philipp Lahm. Der Sportvorstand dürfte doch arg irritiert darüber gewesen sein, dass der Trainer vier Tage nach den Aussagen von Bremen und einen Tag nach einer dürftigen Leistung bei BATE Borissow (1:3) derart drastische Worte wählte - und damit auch übers Ziel hinausschoss.

Schließlich hatte Sammer nur Fakten benannt und keineswegs überzogene oder populistische Kritik geäußert. Zu Recht bewertete er seine Wortwahl am Dienstag als "völlig harmlos". Umso erstaunlicher, wie heftig Heynckes' Reaktion ausfiel.

Auch Klub-Boss Uli Hoeneß wollte Heynckes' Replik nicht ganz verstehen. "Wir sind gut beraten, gelassener an die Dinge ranzugehen. Da wurde ein ziemlicher Ballon aufgebläht. Wir sind aber auch gut beraten, kleine Meinungsverschiedenheiten intern und nicht über die Medien zu regeln." Ganz verstehen konnte Hoeneß die überdrehte Reaktion seines alten Freundes Heynckes aber auch nicht.

Natürlich musste sich Heynckes als Trainer vor die Mannschaft stellen und versuchen, sich als Teil einer verschworenen Einheit zu geben. Doch weder litt die Mannschaft unter den sanften Warnungen Sammers vor zu viel Selbstverständlichkeit noch wurde ein Einzelner an den Pranger gestellt.

Fühlt sich Heynckes in seiner Souveränität als Trainer verletzt? Die Präsenz Sammers auf dem Trainingsplatz und sein Agieren an der Seitenlinie haben schon mehrfach für Debatten in der Öffentlichkeit gesorgt. Auf jeden Fall hat Sammer den Nerv seines Trainers getroffen. Heynckes ist seit mehr als 30 Jahren erfolgreich im Trainergeschäft, seine Methoden wird er in seinem vermutlich letzten Jahr auf der Bank auch trotz Sammer nicht mehr ändern. Mögliche Reibungspunkte gibt es also durchaus.

Die interne Kommunikation zwischen Sportvorstand und Trainer lässt weiter Fragen offen. Wieso spricht Sammer davon, die öffentliche Kritik sei abgesprochen gewesen, während Heynckes davon nichts gewusst haben will? Und wieso reagiert Heynckes vier Tage später in dieser Form?

Zu Beginn von Sammers Amtszeit meinte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, zwischen Sammer und Heynckes passe kein Blatt Papier. Heynckes ergänzte: "Niemand wird uns auseinanderdividieren, das wird niemand schaffen."

Trotzdem sah sich Rummenigge berufen, bei der Aussprache am Mittwoch an der Säbener Straße als Beisitzer und Moderator zu fungieren. "In der Sache hat zwischen uns nie Uneinigkeit geherrscht. Wir arbeiten beide mit vollem Herzen und vollem Engagement für Bayern München", sagte Heynckes.

Alle würden gemeinsam an einem Strang ziehen, fügte Rummenigge hinzu. Und Sammer sagte: "Ich arbeite mit Jupp Heynckes jetzt seit Saisonbeginn täglich und sehr intensiv zusammen. Nicht unerfolgreich, wie die Leistungen zeigen. Ich wiederhole mich: Zwischen und passt kein Blatt. Mögliche Unstimmigkeiten haben wir heute ganz schnell beigelegt."

Uli Hoeneß ist sich sicher, dass sich "in ein, zwei Tagen alles wieder beruhigt haben wird." In diesem speziellen Fall sehr wahrscheinlich. Es dürften aber noch schwierigere Phasen kommen als ein Saisonstart mit neun Siegen aus neun Spielen.

Die Termine des FC Bayern 2012/13

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