Mittwoch, 12.09.2012

Homosexualität in der Bundesliga

"Normalität gibt es nicht"

Die große Unbekannte: Ein homosexueller Profi hat inkognito ein Interview gegeben und dabei über seine Situation in Deutschlands höchster Spielklasse gesprochen.
 

Homosexualität gilt im Fußball weiter als Tabuthema
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Homosexualität gilt im Fußball weiter als Tabuthema

Es bleibt ein heißes Eisen in der Bundesliga: Homosexualität ist nach wie vor Tabuthema Nummer eins in der höchsten deutschen Spielklasse. Nun hat der "Fluter", das Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, ein Aufsehen erregendes Interview veröffentlicht, in dem ein deutscher Kicker aus der Eliteliga sehr offen über seine Situation spricht.

Allerdings anonym - noch immer sei der Punkt fern, an dem er sich namentlich zu seiner Orientierung bekennen könne, wie es in der Medienwelt und Politik inzwischen gang und gäbe zu sein scheint, so der Spieler.

"Fußballer dagegen sind das männliche Stereotyp schlechthin. Sie müssen Sport lieben, aggressiv kämpfen und gleichzeitig das große Vorbild sein. Schwule sind das alles einfach nicht. Punkt. Oder soll jemand eine aufgebrachte Menge von Fans vor dem Spiel aufklären, dass 'die Schwulen' eigentlich auch nur ganz normale Männer sind und gleich mitspielen? Unvorstellbar."

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Platz 10: Manuel Neuer: Der "Königstransfer" des FC Bayern im Sommer 2011 kostete stolze 22 Millionen Euro
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Platz 9: Arjen Robben kam 2009 kurz vor Transferschluss für 24 Mio. Euro von Real Madrid zum FC Bayern
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Gleichauf mit Ribery auf Platz 7: Thiago Alcantara (l.) kostete Bayern 25 Millionen Euro: 20 Mio. Ablöse + Extras
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Platz 7: Das Bayern-Schnäppchen 2007: Franck Ribery kam für 25 Millionen Euro aus Marseille
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Platz 3: Mario Gomez: 30 Millionen Euro überwies der FC Bayern 2009 nach Stuttgart
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Platz 1: Javi Martinez wechselte 2012 für 40 Millionen Euro von Athletic Bilbao zum FC Bayern München
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"Ich würde leugnen"

Er berichtet über ein Leben, das zwangsläufig immer auch ein Versteckspiel ist, inklusive scheinbarer Partnerin für die Öffentlichkeit und dem Verzicht auf eine feste Beziehung - und natürlich dem steten Wahren der Hetero-Maske, auch wenn ihn jemand outen sollte: "Ich würde leugnen, ganz klar. Versuchen, das Thema komplett aus der Öffentlichkeit zu halten. Je mehr geredet wird, desto höher ist auch der Druck auf mich. Die große Diskussion um meine Person kann ich mir einfach nicht erlauben."

Und später: "Normalität gibt es nicht. Zumindest wäre es für mich nicht normal, eine ganze Nation mein Intimleben diskutieren zu lassen. Das hat nur mich und die Person neben mir zu interessieren."

Zur Entscheidung für die sportliche Karriere gehöre in seinem Fall zudem der Verzicht auf eine feste Beziehung, denn beides sei schlicht unvereinbar: "Ich hatte sogar einmal eine Beziehung. Aber du kannst dir vorstellen, dass ein monatelanges Versteckspiel pures Gift für eine Partnerschaft ist. Ich musste mich entscheiden. Klar, der Erfolg im Fußball danach war schön. Der Preis war entsprechend."

Die Kollegen wissen Bescheid - "Alles total normal"

Innerhalb des eigenen Teams ist die Homosexualität des Spielers nicht nur bekannt, sondern gleichermaßen normal. "Gesprochen wird kaum darüber, aber eigentlich müsste jeder Bescheid wissen", so die Aussage des Profis.

"Ich kenne keinen Spieler in der ganzen Liga, der damit ein Problem hat. Es gibt sogar manche, die mit großem Interesse nachfragen - aber das ist wirklich die absolute Ausnahme. Natürlich sind einige Situationen wie das Duschen am Anfang für beide Seiten unangenehm. Ich habe aber kein Interesse an den Mitspielern und irgendwann ist es für alle Seiten egal. Schließlich sind die Kollegen trotz des schlechten Rufs nicht ignorant."

In der angeblich so Macho-dominierten Bundesliga ist ein schwuler Spieler völlig normal integriert: "Aber auch nach dem Freund wird gefragt. Schließlich kenne ich die Geschichten der Kollegen schon aus der Zeitung und bei mir muss erst gefragt werden. Alles total normal."

Outing - schwer vorstellbar

Ein Outing kommt für den Spieler trotz aller jüngsten Bekenntnisse des DFB zu einem offenen Umgang mit dem Thema kaum infrage: "Nicht wirklich. Das ist alles gut gesagt, wenn man nicht am nächsten Spieltag ins Stadion muss. Vielleicht wäre es zu verschmerzen, wenn sich mehrere Spieler outen würden, aber selbst da sehe ich momentan wenig Hoffnung. Schließlich wäre es dann immer noch eine Minderheit, auf der man vorzüglich herumreiten könnte."

Mit dem Interview wolle er auch einen kleinen Schritt in Richtung Öffentlichkeit gehen und hofft, irgendwann völlig aus dem Dunkeln hervortreten zu können: "Privat wird sich an der Situation nichts ändern. Ich würde mich natürlich sehr freuen, falls auf einmal die Lawine der Outings losbricht und ich auch einmal staunen könnte, wen ich doch noch nicht kenne. Ein Stück Normalität würde mich schon freuen. Einfach mit einem zukünftigen Partner in aller.

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John C. Brandi

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