Dortmunds Robert Lewandowski

Nie mehr wie Nelson Valdez sein

Von Daniel Börlein
Dienstag, 29.11.2011 | 18:09 Uhr
Robert Lewandowski (r.) erzielte in dieser Saison bereits neun Tore
© Getty
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Lange Zeit stand Robert Lewandowski in der Kritik. Mittlerweile gibt es von allen Seiten nur noch Lob. Der Pole hat sich harte Worte seines Trainers Jürgen Klopp zu Herzen genommen und ist inzwischen Dortmunds Stürmer Nummer eins.

Robert Lewandowski weiß, wie man sich beliebt macht. Als der Pole im Sommer 2010 als Neuzugang des BVB vorgestellt wurde, erzählte er ein bisschen über sich und seine Ziele. Vor allem aber schwärmte der damals 21-Jährige von seinem neuen Klub.

Das Stadion und die Fans würden ihn mächtig beeindrucken, sagte er, und die Borussia habe er schon als Kind verehrt. Besonders Matthias Sammer und Lars Ricken hätten ihn früher begeistert, und er sei stolz, seinen Idolen nun nacheifern zu dürfen. Worte, die man gerne hörte in Dortmund.

Kritik von den Fans

Und tatsächlich fühlten sich die Borussia-Fans schon nach einigen Monaten an einen ehemaligen BVB-Profi erinnert, wenn sie Lewandowski auf dem Spielfeld beobachteten. Allerdings nicht an Sammer oder Ricken - sondern an Nelson Valdez.

Der Paraguayer spielte immerhin vier Jahre lang in Dortmund, wirklich warm wurden die Anhänger mit ihm allerdings nie. Der Grund: In 113 Bundesliga-Spielen für die Schwarz-Gelben erzielte Valdez gerade mal 16 Treffer. Als Stürmer. Für die BVB-Fans war Valdez der klassische Chancentod.

Und genau den sahen einige nun auch in Lewandowski. Dabei erzielte der polnische Nationalstürmer in seiner ersten Saison immerhin acht Treffer und das, obwohl er vor allem in der Vorrunde meistens nur eingewechselt worden war.

Doch weil er auch die eine oder andere Chance liegen ließ, während Sturm-Konkurrent Lucas Barrios eiskalt knipste und wichtige Tore erzielte, wurde Lewandowski unverhältnismäßig hart kritisiert.

Neun Tore in 14 Spielen

Inzwischen hat sich das geändert. Statt Kritik gibt's seit Wochen von allen Seiten nur Lob für den Angreifer. "Er ist im Moment in einer riesigen Verfassung", sagt Sportdirektor Michael Zorc. "Ich spiele jetzt besser als vergangene Saison", sagt Lewandowski selbst.

Neun Treffer hat er in den ersten 14 Spielen bereits erzielt, dazu noch fünf weitere vorbereitet. Spätestens seit Anfang Oktober scheint sich Lewandowski endgültig etabliert zu haben. Damals erzielte er beim 4:0-Erfolg gegen Augsburg seinen ersten Dreierpack in der Bundesliga. "Seitdem", sagt Teamkollege Sven Bender, "läuft es bei ihm richtig gut."

Ungewohnte Worte von Klopp

Zuvor hatten allerdings nicht nur Fans und Beobachter etwas auszusetzen an Lewandowski, sondern auch der eigene Coach. "Er hat das Problem, dass er aufgrund von Körpersprache und Gesichtsausdruck ab und zu teilnahmslos wirkt. Definitiv", kritisierte Jürgen Klopp Ende September im "Kicker". "Ich erwarte mehr im Spiel gegen den Ball, mehr Spielanteile, mehr Tore und dass er mehr Freistöße rausholt. Ich finde nicht, dass er sein Potenzial perfekt abruft."

Selten zuvor hatte Klopp einen eigenen Spieler in der Öffentlichkeit derart an den Pranger gestellt. Weil der BVB-Coach allerdings weiter an seinem Angreifer festhielt und sich Lewandowski die Worte seines Trainers zu Herzen nahm, statt zu schmollen, zeigte Klopps Kritik Wirkung.

Mittlerweile ist Lewandowski gesetzt und hat Barrios im internen Ranking als Stürmer Nummer eins abgelöst. "Robbie ist momentan einen Tick vorne dran", sagte Klopp zuletzt. "Er ist ein Beispiel dafür, dass man mit Beharrlichkeit viel erreichen kann."

Zorc: "Er ist ein bisschen lockerer"

Was den Dortmundern an Lewandowski besonders imponiert: Er hat an den Dingen, die man bemängelte, intensiv gearbeitet und Schwächen ausgemerzt. Vor dem Tor ist er mittlerweile kaltschnäuziger, im Spiel gegen den Ball ähnlich aggressiv wie Barrios. Er kann die Kugel inzwischen auch mit dem Rücken zum Tor im Sturmzentrum behaupten und hat auch das Phlegma abgelegt, das er bisweilen an den Tag legte.

"Insgesamt ist er ein bisschen lockerer. Es hilft ihm natürlich, dass er jetzt mittlerweile sehr gut deutsch spricht", sagt Zorc. "Er nutzt die Chancen und macht die Dinger rein. Er behält den Kopf oben, ist viel robuster geworden und behauptet die Bälle gut und spielt mit unheimlich viel Selbstvertrauen."

Lob von Arsene Wenger

Das hat inzwischen auch die Konkurrenz mitbekommen. Arsenal-Coach Arsene Wenger lobte Lewandowski vor kurzem in seiner Kolumne bei "Eurosport": "Er ist ein technisch versierter Spieler, der sehr intelligent und clever im Strafraum agiert, ein klasse Stürmer." Auch der FC Liverpool und der FC Chelsea sollen ein Auge auf den 23-Jährigen geworfen haben, hieß es zuletzt.

Lewandowski fühlt sich aber wohl in Dortmund. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Barrios nach seiner Verletzung wieder komplett fit ist und auf mehr Einsatzzeit drängt. "Dass Lucas mit der Situation nicht zufrieden ist, dass er mit den Hufen scharrt, ist nachvollziehbar. Er hat hier zwei Jahre lang alles getroffen, verletzt sich, kommt zurück und findet für den Moment keinen Weg in die Mannschaft", sagt Klopp.

Mit Barrios und Lewandowski

Gegen Schalke ließ Dortmunds Trainer Barrios und Lewandowski gemeinsam ran. "In dieser Konstellation haben wir die Rückrunde unserer Meistersaison gespielt", so Klopp. Und was damals schon gut funktionierte, klappte nun auch im Derby wieder.

Doch während die Fans in der Meistersaison vor allem Barrios feierten, stand nun Lewandowski im Mittelpunkt, schließlich erzielte er das 1:0 gegen Schalke. Er weiß eben, wie man sich beliebt macht.

Robert Lewandowski im Steckbrief

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