Fussball

Hitzfeld erstaunt über Bayern-Pleiten

Von SPOX
Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld war am Montag beim Audi Star Talk in München zu Gast
© Audi Star Talk

Ottmar Hitzfeld hat sich im Rahmen des "Audi Star Talks" überrascht über die jüngsten Niederlagen des FC Bayern München geäußert. Bastian Schweinsteiger fehle dem Rekordmeister sehr, stellte der Nationaltrainer der Schweiz fest. Zudem sprach der 62-Jährige über den Erfolg von Lucien Favre, den Selbstmord von Gary Speed und darüber, warum er 2004 froh war, beim FC Bayern aufzuhören.

Ottmar Hitzfeld über...

...die aktuelle Bayern-Krise: "Mit der Niederlage in Mainz habe ich nicht gerechnet, gerade nach der positiven Reaktion gegen Villarreal. Es ist erstaunlich, dass sie die Spiele, in denen man in Rückstand gerät, nicht gewinnen können. Es sah lange nach einem Alleingang aus, aber jetzt ist der Ausgang wieder ziemlich offen. Dortmund ist in Form, hat Alternativen und insgesamt weniger zu verlieren."

...den Ausfall von Bastian Schweinsteiger: "Ein gravierender Ausfall. Er ist das Gehirn der Mannschaft, eine große Persönlichkeit. Das ist wie wenn Xavi oder Iniesta bei Barcelona länger ausfallen."

...den Erfolg von Lucien Favre bei Borussia Mönchengladbach: "Mit Favre wäre die Hertha sicher nicht abgestiegen. Bei Gladbach hat er ein Himmelfahrtskommando (Februar 2011, Anm. d. Red.) übernommen. Normalerweise hätte er da nie hingehen dürfen. Aber er hat es gemacht und Gladbach gerettet. Das war ja wie eine Meisterschaft mit dem FC Bayern München. Das muss man genauso anerkennen. Lucien Favre ist ein akribischer Taktiker, hat viele Finessen. Aber ich glaube nicht, dass sie jetzt Meister werden. Die Meisterschaft geht nur über Bayern München."

...das Ende seiner ersten Amtszeit beim FC Bayern München 2004: " Der Job kostet Kraft, man muss 25 Spieler zufrieden stellen und immer schauen, dass man das nächste Spiel gewinnt. (...) Es war eine Erlösung für mich, als Bayern gesagt hat, wir beenden das Arbeitsverhältnis. Ich selbst habe nicht mehr die Kraft dazu gehabt, von mir aus aufzuhören. (...) Sechs Jahre bei Bayern sind wie 20 Jahre bei einem anderen Bundesliga-Klub."

...seine Absage für den Bundestrainerposten 2004: "Ich habe mir damals überlegt: Wenn man die Kraft nicht hat, dann wird man auch keinen Erfolg haben. Und falls man trotzdem Erfolg hat, wird man seine Gesundheit ruinieren. Dieses Risiko wollte ich einfach nicht eingehen. Darum habe ich mich nach Engelberg in die Schweizer Alpen zurückgezogen. Ich habe zwei Jahre benötigt, um wieder normal zu ticken und um wieder Kraft zu haben."

...professionelle Hilfe bei seinen burnoutähnlichen Symptomen: "Ich habe auch Gespräche mit Professor Holzboer (Direktor Max-Planck-Institut für Psychiatrie, Anm. d. Red.) geführt, der ja auch mit Sebastian Deisler gesprochen hatte. Das hat mir in dieser Zeit sehr geholfen."

...professionelle Hilfe für Schiedsrichter: "Es wäre wichtig für die Schiedsrichter, dass diese auch einen Psychologen zur Verfügung haben. Damit man so ein Spiel noch einmal im Nachhinein verarbeiten kann. Wir als Trainer können mit den Spielern darüber sprechen. Wir werden zwar von den Medien kritisiert, aber das Leben und das Training gehen weiter. Wir können das verarbeiten. Aber die Schiedsrichter gehen nach Hause, schließen sich ein, und haben bis auf Frau und Familie niemanden, um darüber zu sprechen."

...den Selbstmord von Wales-Coach Gary Speed: "Das war ein Schock für mich. Wir haben ja erst vor vier Wochen gegeneinander (Wales - Schweiz 2:0, Anm. d. Red.) gespielt. Dabei haben wir auf der Pressekonferenz noch miteinander gesprochen. Aber es fällt einem ja nie etwas auf, wenn jemand psychische Probleme hat, besonders nicht in der Öffentlichkeit. Ich dachte, da ist jetzt ein junger, dynamischer Trainer mit 42 Jahren, der eine große Karriere vor sich hat. Ich dachte, er wird jetzt irgendwann bald einen großen Verein in England trainieren."

...ein mögliches Comeback als Bundesliga-Trainer: "Ich kann mir das nicht mehr vorstellen. Ich habe meinen Vertrag bis 2014 verlängert. Man weiß nie, was kommt, aber es ist nicht geplant."

...ein mögliches Engagement als deutscher Bundestrainer: "Es ist keine Option, weil Joachim Löw einen hervorragenden Job macht. Er steht in der Mitte seiner schöpferischen Kraft, jetzt wollen wir ihm erstmal einen Titel wie Europameister oder Weltmeister gönnen."

Ottmar Hitzfeld im Steckbrief

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