Fussball

In keinster Weise meisterlich

Von Thomas Gaber
Der FC Bayern München kassierte in Mainz die vierte Saisonniederlage in der Bundesliga
© Getty

Der FC Bayern München verspielt durch eine schwache Leistung in Mainz die Tabellenführung. Es mangelte an den einfachen Dingen im Fußball. Kapitän Philipp Lahm findet deutliche Worte und die Bosse werden zunehmend nachdenklicher.

Am letzten Samstag spekulierte der FC Bayern München noch mit einem Acht-Punkte-Vorsprung auf Borussia Dortmund. Dafür war "lediglich" ein Sieg gegen den deutschen Meister vonnöten; für die in dieser Saison so heimstarken Bayern eigentlich kein schwieriges Unterfangen.

Der Plan ging nicht auf, weil die Bayern gegen ungewohnt defensiv eingestellte Dortmunder kein Mittel fanden. "Allergisch auf Dortmund" titelte SPOX nach der dritten Pleite gegen den BVB in Folge.

Es war nicht abzusehen, dass die Bayern auch in der Woche drauf überempfindlich reagieren würden. Der Gegner hieß Mainz 05, Tabellen-16. und seit dem 4. November spielfrei. Doch der FC Bayern verlor mit 2:3 und ist nur noch Dritter hinter Dortmund und Borussia Mönchengladbach.

Deutliche Worte von Lahm und Nerlinger

Es war die dritte Niederlage gegen Mainz in den letzten fünf Spielen, was auf eine gewisse Allergie auf den Tuchel-Fußball schließen lässt. Vielmehr war es in diesem Fall aber die Unfähigkeit des FC Bayern, ihre spielerische Überlegenheit mit den Basics zu paaren. Mainz war aggressiver, leidenschaftlicher und willensstärker.

"Wir haben es dem Gegner leicht gemacht. Dass Mainz alles gibt und kämpft, steht außer Frage. Dass wir die besseren Fußballer sind, steht eigentlich auch außer Frage. Aber man muss sich trotzdem bewegen. Und wenn man das nur teilweise tut, dann verliert man", sagte ein ungewohnt kritischer Kapitän Philipp Lahm.

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Die Niederlage gegen Hannover 96 Ende Oktober wurde noch als "Betriebsunfall" gewertet, die gegen Dortmund als "typisches 0:0-Spiel" mit unglücklichem Ausgang. Die Pleite in Mainz macht die Verantwortlichen schon deutlich nachdenklicher.

Sportdirektor Christian Nerlinger fand deutliche Worte: "Wir haben einen negativen Trend. Es läuft nicht mehr so einfach und da muss man die grundlegenden Dinge im Fußball richtig machen: Aggressivität, Kompaktheit und das Verhindern von Torchancen für den Gegner. Das ist uns vor allem in der ersten Halbzeit in keinster Weise gelungen. Da haben wir grundlegende Eigenschaften vermissen lassen."

Schweinsteiger auch kurzfristig nicht zu ersetzen

Mangelhafte Einstellung ist ein schwerwiegender Vorwurf an eine Mannschaft, die in Mainz ohnehin schon vieles falsch machte.

Wie schon gegen den BVB kam die Viererkette mit dem Pressing der Mainzer nicht zurecht. Van Buyten und Boateng wurden im Spielaufbau zu vielen langen Bällen gezwungen, was sich negativ auf ihre Passquote auswirkte. Van Buyten spielte den Ball zwölf Mal, Boateng gar 14 Mal zum Gegner - die schlechtesten Werte für Bayern-Spieler in dieser Saison.

Das Zentrum zwischen Viererkette und der Doppelsechs Gustavo/Alaba bekamen die Bayern nie in den Griff und ließen durch die Mitte 13 Torschüsse zu. Die Tatsache, dass Bastian Schweinsteiger auch kurzfristig nicht zu ersetzen ist, kann nicht mehr geleugnet werden.

"Schweinsteiger ist die Schaltzentrale, das Gehirn des gesamten FC Bayern. Nach seiner Verletzung beim Neapel-Spiel habe ich mir gedacht: 'Bin gespannt, wie der FC Bayern das lösen kann'", sagte Ottmar Hitzfeld bei "Sky 90". Die Antwort liegt auf der Hand: nicht ausreichend.

Hitzfeld: Bayern gewaltig unter Druck

Der Ex-Bayern-Trainer wunderte sich zudem über zwei atypische Gegebenheiten im Spiel in Mainz: "Es ist Bayern-unüblich, dass man nach einer Niederlage wie gegen Dortmund keine Reaktion zeigt. Und es ist erstaunlich, dass sie plötzlich bei Gegentoren nervös werden." Im nächsten Heimspiel gegen Werder Bremen sei der FC Bayern jetzt "gewaltig unter Druck", so Hitzfeld.

Dass Trainer Jupp Heynckes aufgrund einer Grippe der Pressekonferenz nach dem Spiel fernblieb, Arjen Robben wegen muskulären Problemen in der hektischen Schlussphase nicht eingewechselt werden konnte und der sonst so zuverlässige Manuel Neuer beim zweiten Gegentor unglücklich agierte, rundete den erfolglosen Ausflug nach Mainz für die Bayern ab.

Aus dem einst komfortablen Vorsprung in der Tabelle (Mitte Oktober waren es acht Punkte auf Borussia Dortmund) ist innerhalb von fünf Spieltagen ein Rückstand geworden. "Platz drei ist nicht der Anspruch des FC Bayern", sagte Lahm.

Immerhin gibt es zumindest statistisch Hoffnung für die Bayern. In der letzten Saison verloren sie innerhalb von acht Tagen gegen Mainz (1:2) und Dortmund (0:2) und gewannen anschließend gegen Hannover mit 3:0.

Mainz - Bayern: Daten zum Spiel

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