Montag, 08.11.2010

Alternative Liste - Spieltag 11

Dieser Text ist das Allerletzte!

Es ist grauenhaft, was dem Leser hier zugemutet wird. Laue Späße, klischeehafte Komik und ungerechtfertigte Kritik. Eine Unverschämtheit sondergleichen. Vollkommen zurecht fordert Paolo Guerrero: Gelb für diesen Artikel!

Der böse Blick Paolo Guerreros gilt dem Autor - und er ist gerechtfertigt
© Getty
Der böse Blick Paolo Guerreros gilt dem Autor - und er ist gerechtfertigt

Mal unter uns: Wie um Himmels willen soll sich diese AL mit den aktuellen Liga-Lehren messen lassen? Also stellt sie sich lieber gleich hinten an. Ist nicht so tragisch, machen die Bayern ja gerade auch.

1. Bagallackenfratze Raul: Man muss diesen Knuffi von Real einfach lieben. Nicht nur, dass er nach Toren dem einzig Großen seiner Zunft huldigt, indem er den Ring küssend Carsten Jancker imitiert. Nein, im Interview nach dem 3:0 gegen St.Pauli setzte er noch ein putziges Sahnehäubchen obendrauf. Quetschte alles Deutsch aus seinem mit Ruhrpott-Steinkohle gestählten Körper, was er in sich hatte. Als da wären: "Danke", "Bitte", "Auf Wiedersehen" und - es ist an der Zeit, sich festzuhalten - "Ich bin zufrieden." Womit endgültig bewiesen wäre: Auf Schalke kann er sich die letzten Wochen nicht aufgehalten haben. Denn wo soll er sich diesen Wortschatz bitte angeeignet haben? Hätte sich der Weltstar wirklich wochenlang in Gelsenkirchen die Zeit vertrieben, könnte er ganz anders in Interviews brillieren. Streichen wir "bitte" und "danke" und ersetzen es mal durch "Medizinball" und "Bagallackenfratze". Seht Ihr? So wird ein (goldener) Schuh draus.

2. Blasphemie: Überhaupt, es geschehen seltsame Dinge in der Liga. Beispiel gefällig? Theofanis Gekas, oder wie ihn seine Freunde nennen dürfen: Halbglatzen-Bata-Illic. Hätte in der letzten Saison bei der Hertha aus zwei Metern nicht mal das Brandenburger Tor getroffen. Der Mann war das sportliche Abbild der griechischen Wirtschaft. Bis heute prüft die EU, ob die Erfolge seiner Vergangenheit gefälscht sind. Und nun? Elf Spiele, elf Buden. Für die Fans der Eintracht sieht der Mann aus wie ein Europapokal auf zwei Beinen. Und als Krönung gibt's einen neuen Spitznamen für das griechische Rumpelfüßchen: Gerd. Wenn das so weiter geht, muss sich Fanny beim Auswärtsspiel in München aber in Acht nehmen. Denn in Bayern wurden Menschen schon für weniger blasphemische Äußerungen auf den Scheiterhaufen gezogen.

3. The artist formerly known as Prinz Charming: Und wo wir gerade bei der Eintracht sind. Maik Franz. Die Mensch gewordene Schraubstolle. Der Rächer der Orthopäden. Die Supernova unter den Wutausbrüchen. Ausgestattet mit dem Blutdruck einer Autopresse. Dieser Mann, gern gesehen in dieser Liste, ist ebenfalls nicht mehr wieder zu erkennen. Auf die Frage, ob er die Ermahnungen für seinen Gegenspieler Kjaer als Anlass genommen hätte, den Elfmeter herauszuschinden, reagiert er weder mit einer Blutgrätsche gegen die Journalistin noch mit einem Kopfstoß gegen den Kameramann. Sondern bleibt: Cool. Grinst entspannt. Blickt der Fragestellerin tiefstmöglich in die Augen und flötet in der Tonhöhe von "Hurz!": "Sie kennen mich doch - natürlich nicht!" Maik Franz. Foult inzwischen subtil. Langsam scheint es, als wäre Coach Michael Skibbe so etwas wie der Make Over-Artist bei "taff"...

4. Für diesen Punkt fordern wir Gelb: Gott sei Dank bewerben sich andere Spieler mit Nachdruck für eine Dauerkarte in dieser Liste. Hoffnungsvoller Neuzugang: Paolo Guerrero vom HSV. Versteht ihr nicht? Dann lest mal hier das Protokoll seines Samstags:

Philipp Lahm weiß es am Besten: Nicht die Größe zählt, sondern der Glaube
Philipp Lahm weiß es am Besten: Nicht die Größe zählt, sondern der Glaube
© Getty

Morgens: Pünktlich geweckt worden, Wecker zertrümmert. Frühstück: Der Toast zu hart, das Ei zu weich. Erste Reklamation bei Vermieter und Putzfrau. Im Stadion: Trinkflasche schmeckte nach Plastik. Im Zuschauerraum entledigt. Anstoß: Mitspieler spielt nicht direkt zu ihm zurück sondern nach hinten - entnervter Hilferuf Richtung Trainerbank. Erste Chance: Beim Rennen Gegenwind gespürt, Schiri reagiert nicht auf Beschwerde. 24. Minute: Aggressives Grün des Rasens brennt in den Augen, Guerrero fordert Gelb für den Platzwart. 52. Minute: Gegenspieler gewinnt einen Zweikampf, Schiri erkennt trotzdem nicht auf Tätlichkeit und Rote Karte. 83. Minute: Lauter Jubel beim Siegtreffer nervt, Guerrero bittet um Auswechslung. Nach Schlusspfiff: Musste bei der Welle mit der Kurve neben Mathijsen stehen. Noch in der Schiedsrichterkabine bittet Guerrero um sofortige Einführung des Videobeweises. Nachts: Paolo kann nicht einschlafen. Fordert Gelb für den Sandmann.

5. Enlarge your Meisterschaft now! In der Kassenschlange für die Meisterschaft scheinen sich die Bayern irgendwie falsch angestellt zu haben. Denn das Rollband ist noch nicht mal in Sicht. Umso schöner, wenn den Roten wenigstens die Hoffnung nicht verloren geht. So meinte Philipp Lahm nach dem Unentschieden gegen Gladbach und nun zwölf Punkten Rückstand auf Platz eins: "An die Meisterschaft glauben wir immer." Guter Mann, der Philipp. Denn mit der Meisterschaft ist es wie mit Penisvergrößerungssalben - alles eine Glaubenssache.

6. Sturm der Liebe: Witzig war's mit den Bayern in der letzten Woche auf jeden Fall. Erst das Hoeneßsche Donnerwetter am Sonntag, dann die tränenerstickte Rede der enttäuschten Jugendliebe Louis in Cluj, anschließend ein Frieden auf der Basis von Alkohol und als Krönung ein Spiel wie eine Mischung aus "Terminator" und "Dumm und dümmer". Jeder Drehbuchautor von GZSZ bekommt da ein feuchtes Höschen. Und für die folgende Aussage sollte sich angesprochener Schreiberling lieber eine Tena-Lady umschnallen. Denn seine Heiligkeit Franz Beckenbauer beschrieb in "Sky90" das Bankett am Dienstag so: "Es war eine fröhliche und harmonische Stimmung, die beiden sind sich immer näher gekommen. Ich habe dann gesagt, wer adoptiert jetzt wen? Wer macht den ersten Schritt? Es war spaßig und sehr unterhaltsam, aber von Spannung war überhaupt nichts zu spüren." Von Spannung nichts zu spüren? Damit kann er aber nicht die erotische Spannung gemeint haben...

7. Die Racker aus der 9c: Doch bevor es hier gänzlich in Regionen abdriftet, die selten Sonne zu sehen bekommen (gemeint ist nicht Schalke sondern der Bereich unter der Gürtellinie), wenden wir den Blick lieber nach oben. Hört auf zu zittern, liebe Bremer. Gemeint ist nicht der Norden, sondern die Tabellenspitze. Hoch droben außerhalb bajuwarischer Sichtweite steht so etwas wie die 9c der Bundesliga. Aufmüpfig, jung, modisch extravagant (Weidenfeller) und die Klassenfahrten enden meistens im Rausch. So geschehen mal wieder am Sonntag, wo Hannover Opfer dieser kollektiven Spätpubertät wurde. Klar ballt da manch einer die erwachsene Faust in der Tasche. Aber hey! Wir alle waren mal jung. Und solange der BVB so locker wie im Kreuzverhör von Arnd Zeigler mit der Tabellenführung umgeht, dürfen sie sich ruhig noch ein bisschen austoben. Da wird jemand nach der Saison gut schlafen.

8. Nachhilfeunterricht: Nur eine Sache gibt es zu bemängeln an diesem Spieltag. Für die Herren Sahin, Schweinsteiger, Frings und Cacau setzt es einen traurigen Smiley ins Klassenbuch. Denn das was die vier einen Elfmeter nennen, geht bei Oli Kahn gerade mal als Rückpass mit Gegenwind durch. Erbärmlich. Zur Strafe verordnen wir strenges Videostudium der Strafstöße von Matt le Tissier vom FC Southampton. Denn der hat bei 49 Versuchen genau 48 mal getroffen. Was das mit der AL zu tun hat? Der Typ ist Engländer.

9. Das ist unmöglich, Werder: Seien wir ehrlich: Bremen darf mit seiner Saison machen, was es will. Meinetwegen können sie das Ding besudeln und in die Tonne kloppen, kein Problem. Sollen sie mit ihrer Verteidigung ruhig den Abwehrkräften einer sterbenden Waldameise Konkurrenz machen. Aber den Fans der anderen Vereine gegenüber ist das wirklich unverschämt. Denn "Was ist grün und stinkt nach leblosem, überfordertem und chancenlosem Fisch" singt sich nun wirklich furchtbar. Das holpert selbst in den Ohren Rummeniggeschädigter Bayernfans zu heftig. Schlimm, so was!

Richtig jubeln mit Sidney. So freut man sich über einen fetten Volleytreffer. Und nicht anders
Richtig jubeln mit Sidney. So freut man sich über einen fetten Volleytreffer. Und nicht anders
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10. Das ist Fußball, Lautern: Es muss erlaubt sein, in dieser Rubrik auch mal zu loben. Und das hat sich Sidney Sam von Leverkusen redlich verdient. Während die Kollegen sich bei der Rückkehr zum Ex-Verein nach dem erfolgreichen Torabschluss um die Darstellung einer vertrockneten Zimmerpflanze bemühen, um auch ja Niemandem auf die Füße zu treten, macht der Sidney das einzig Richtige: Feiert sich für seine zwei Monsterschüsse wie ein Abiturient auf Lloret del Mar. Nach Spielschluss mit der Vergangenheit bei Lautern konfrontiert, zuckt er die Schultern und meint: "Tja, aber so ist halt Fußball!" Genau! Und wie Recht hat der Gute! Mal ehrlich: Wenn wir so einen Volleyschuss in den Winkel zimmern wie er beim 3:1,  da platzt uns auf dem Bolzplatz ja wohl vor Freude fast die Hose. So was gehört gefeiert - und wenn's ein Eigentor ist!

11. Rausschmeißer Franz: Ein letztes Mal Bayern muss in dieser AL sein - die Minuspunkte sind einkalkuliert. Aber schöner als am Wochenende wurde der Unterschied zwischen eingekniffener Unterhose und lässiger Kaiser-Shorts noch nicht demonstriert. Zwei Antworten auf dieselbe Frage: Wie schaut's jetzt aus mit der Meisterschaft? Darauf Kalle Rummenigge, verschnupft: "Die anderen Teams sollen sich nicht zu sicher fühlen." Und im Gegensatz dazu Franz Beckenbauer, lässig grinsend: "Ahja, dann wird's halt a mal ein Anderer. So tragisch ist das auch nicht." Liebe Bayernfans: Ausschneiden, übers Bett hängen, auswendig lernen und möglichst die Saison über einen Promillewert von 1,0 halten. Dann tut's irgendwann auch nicht mehr weh.


Der 11. Spieltag im Überblick

Max-Jacob Ost

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