Beim Arsche des Grafiten

Von Oliver Wittenburg
Montag, 16.05.2011 | 17:14 Uhr
Hingen Sie schon mal mit Hose auf halb acht in Sinsheim am Zaun? Im Vertrauen: Wir auch nicht
© Getty
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Das Affentheater macht Sommerpause. Zeit für eine Bilanz also? Nö. Bilanzen sind was für Krämerseelen und Erbsenzähler. Also zeigt auch die Alternative Liste zum 34. Bundesliga-Spieltag völlig willkürlich mit dem Finger auf andere und schämt sich nicht für platte Pointen.

1. Reizüberflutung: Man stumpft ab, verroht und verblödet mit dieser Bundesliga. Wer kann mit Fug und Recht noch irgendwas als irre oder abgefahren bezeichnen, wenn's im Alltagsgeschäft so verlottert zugeht? Diese Saison hatte von allem ein wenig zu viel. Zu viele Krisen, zu viele Lügen, zu viele Trainerentlassungen, zu viel Missmanagement, zu viele außerordentliche Pressekonferenzen. Doch es gab nicht nur einen Overload an Schrund. Auch von hübschen Geschichten kann man den Hals gut voll kriegen. Zu viele Cinderella-Storys, zu viele Shooting-Stars, zuviel Herz und zuviel Schmerz. Diese Saison kam ein wenig daher wie ein Film von Jean-Pierre Jeunet: Sie hatte von allem zuviel. Wie war das noch mal mit Angebot und Nachfrage? Und: Ist mehr besser oder besser nicht?

2. Zu Dortmund nur soviel: Hans-Joachim Watzke war gerade dabei, seine Trauer über den Abstieg von Eintracht Frankfurt in angemessene Worte zu kleiden, als ein Haufen Besoffener den Raum stürmte und das Podium mit Gerstensaft flutete. "Jetzt kommt dieser Idiot schon wieder", war das letzte, was der BVB-Geschäftsführer klar artikulieren konnte, wobei er Patrick Owomoyela meinte. Das Beste aber an der Dortmunder Meister-Pressekonferenz ist das Gesicht von Christoph Daum, der guckt, als sei ihm Uli Hoeneß in halterlosen Strümpfen erschienen und dann rechts am Bildrand verschwindet. Aber genug gelabert. Video gucken.

Ach ja: Wer hier gleich 'weiter' klickt, stößt auf ein Bild, das Mats Hummels beim Verzehr eines Brötchens zeigt. Weiter.

3. Schluss mit Daum: Was gibt's noch zu Christoph Daum zu sagen? Jetzt großartig über seine Selbstdarstellung herzuziehen, bringt doch nichts. Um die sportliche Bilanz weiß auch jeder. Dass er Ende vergangener Woche noch sagte, er habe alles richtig gemacht und besser könne man nicht arbeiten. Geschenkt. Dass er meinte, Motivation sei nur ein kleiner Teil des Ganzen... Schwamm drüber. Auch wollen wir Heribert Bruchhagen nicht noch explizit vor den Karren fahren. Weiß er doch selbst, dass das nicht so hingehauen hat mit Daum für Skibbe. Kann ja jeder selbst sehen. Irgendwie vegetiert dieser AL-Punkt seinem Ende entgegen. So ein bisschen wie die Eintracht dem Saisonende. Schade eigentlich, hatte doch ganz gut angefangen.

4. Diego: Diego, Diego, Diego. Das ganze Wochenende immer dieser Diego. Entfernt sich unerlaubt von der Truppe, weil Magath ihm nicht den Hintern gepudert hat. Da kann man schon mal den Stab brechen über den Jungen, der doch eigentlich gar nicht so dumm zu sein scheint, wie er sich benimmt. Aber lassen wir den Diego. Hat sich schon mal jemand Gedanken um Zwetschdan (sic!) Misimovic gemacht? Keiner? Dachten wir uns. Dem steht doch der Angstschweiß fingerdick auf der Stirn da in Moskau. Magath hat keinen Spielmacher mehr, auf den er sich verlassen könnte und zudem ein Gedächtnis wie ein Elefant. Ein Wink mit dem Medizinball...

5. Obwohl: Vielleicht muss man aber Verständnis mit Diego haben und es ist doch eine ganze Menge dran an den Vorwürfen, die man auf Schalke hörte, dass es kein Schwein, geschweige denn ein Mensch unter Magath aushalten könnte. Einen Hinweis gibt jedenfalls eine merkwürdige T-Shirt-Aktion, die der VfL vor dem Abstiegsfinale auf seiner Homepage anpries. Man solle sich doch jetzt bitte die Hemdchen mit dem Aufdruck 'Mein Vertrag gilt immer! Egal welche Liga!' anschaffen, hieß es da. Was soll sowas? Und wen wundert's da noch, dass Spieler unter dem Druck zusammenbrechen und davonlaufen? Aber wie sagt Magath so schön: Er könne mit jedem prima zusammenarbeiten, der bereit sei, seinen Weg mitzugehen. Grafite wäre nicht gerannt, der hat einen Arsch aus Granit (siehe großes Foto, oben).

6. Hamlet, Hamlit, Hamit! Aphorismen sind was Feines. Die kann man auf Kalenderblätter oder Würfelzucker drucken - und wer sie liest, freut sich an Klugheit und Witz des Erzeugers und ein paar Augenblicke gehobener Zerstreuung. Twain, Goethe und Andy [ˈændi'] Brehme haben schon die tollsten Schoten rausgehauen. Einer der begabtesten Aphoristiker unserer Zeit, liebe Freunde, ist freilich Hamit Altintop. "Real ist für jeden ein Traum - außer man ist vielleicht Real-Madrid-Hasser", sagte der am Wochenende leichthin und ganz unprätentiös, wie es seine Art ist. Er hätte auch sagen können: "Neue Besen kehren gut - außer man nimmt den falschen" oder "Die Axt im Haus erspart den Feuerwehrmann" oder "Dem Phänomen des Abstiegs sollte man sich mit kühlem Geiste und der Bereitschaft zur Abstraktion nähern, auf keinen Fall aber im Zustand emotionaler Erregung oder Aufgeweichtheit - außer vielleicht man ist selbst betroffen".

7. Jaja: "Wir wollen von Beginn an der FC Bayern sein, den man kennt", sagt Uli Hoeneß und läutet die neue Saison schon mal ein. Das heißt ja, dass der FC Bayern im letzten Jahr nicht der FC Bayern war, den man kennt. Oder war der FC Bayern der FC Bayern, den man so noch nicht kannte? Wie auch immer: So unbekannt war das doch alles gar nicht, was der FC Bayern im letzten Jahr getrieben hat. Der kollektiven Jubelekstase über den neuen Übertrainer folgte der Schuss vor den Bug desselben, die Erkenntnis, sich mächtig getäuscht zu haben und schließlich ein Tritt in den Hintern. Dann gab's die große Sinnsuche samt Konterrevolution und Alles-auf-Anfang-Gequatsche. Kannten wir das wirklich noch nicht?

8. Long Dong Gomez? Mario Gomez ist ein Glückskind. Der hat einen Sixpack und fünf Dreierpacks (-päcke? -päckchen?), eine mutige Frisur und so einen leichten südländischen Touch. Beneidenswert. Doch das ist bei weitem nicht alles. Am Samstag gab's folgenden erhellenden Dialog in der Münchner Arena.

SPOX-Reporter: "Hat Dir Kalle Rummenigge eigentlich auf die Schulter geklopft, weil Du seine 29-Tore-Marke von kurz nach dem Krieg nicht geknackt hast?"

Gomez: "Ich bin keiner, der irgendwelche Längenvergleiche braucht, um es mal vornehm auszudrücken..."

9. Short Message Service: Bald-Bayern-Trainer Jupp Heynckes hat in Ausübung seines Amtes als Noch-Leverkusen-Trainer mit einem Sieg über den von Bald-Leverkusen-Trainer Robin Dutt betreuten SC Freiburg dafür gesorgt, dass Dutt mit Leverkusen direkt in die Champions League kommt, während die Bayern den Umweg über die Qualifikation gehen müssen. Durch diesen pikanten und sauwitzigen Sachverhalt bis an die Grenze der ejaculatio praecox stimuliert, richtete ein Reporter am Wochenende die Frage an Uli Hoeneß: "Hat sich denn Jupp Heynckes vielleicht schon zufällig bei Ihnen gemeldet, vielleicht per SMS: 'Sorry'...?" Keine Ahnung, welchen Nutzen der Reporter aus welcher Antwort des Bayern-Präsidenten auch immer hätte ziehen wollen, womit er aber sicher nicht gerechnet hat, war das: "Ich kann keine SMS empfangen."

10. Hose runter: Verstehe einer die Regeln, nach denen die Schiedsrichter ihrem Handwerk nachgehen. Das Hemd darf man sich nicht ausziehen, sonst gibt's Gelb. Auch im Sommer. Aber Hose ausziehen, das ist wohl okay! Was wollen die beim DFB denn eigentlich? Den sittlichen Charakter einer Sportveranstaltung wahren ja offensichtlich nicht. Schade eigentlich, denn wäre Ya Konans 'Unten ohne' nach Hannovers 2:1 gegen Nürnberg bestraft worden, hätte er Gelb-Rot gesehen, weil er fürs 'Oben ohne' nach seinem 1:1 schon verwarnt worden war - und wir hätten ein hübsches Schiri-O-Tönchen bekommen: "Mir blieb keine andere Wahl, als den Spieler mit der Nummer elf von Hannover 96 wegen wiederholten Verstoßes gegen die DFB-Kleiderordnung des Feldes zu verweisen. Auch wenn der Spieler unter der Trikothose nicht unbekleidet ist, ist das Entfernen derselben zwingend mit Gelb zu ahnden."

11. Abschiedsgedanken: Urgestein ist zwar ein hässliches Wort, aber wenn es auf jemanden zutrifft, dann auf Frank Rost und Torsten Frings. Beide sind irgendwie uralt und steinhart. Und beide kehren der Bundesliga wohl den Rücken und es sei ihnen nach einer Saison, die ihnen nicht viele glückliche Stunden beschied, an dieser Stelle von Herzen für alles gedankt.

Wir werden Frank Rost vermissen, der das Pech hatte, immer nur von Dilettanten und Amateuren umgeben gewesen zu sein, die ihre persönlichen Egoismen pflegten und Spielchen spielten für die Öffentlichkeit, anstatt professionell und konsequent ihren Job zu machen. Mach's gut, Fäustel.

Und wir werden Torsten Frings vermissen, der uns alle, für wie abgebrüht wir uns auch halten, eine Lektion in Sachen Coolness lehrte und leider oft das Pech hatte, dass ihm alle immer nur auf die Nerven gehen wollten. Rock, Lutscher, and Roll!

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