Sonntag, 13.07.2008

Magaths Geständnis

"Ich will Meister werden"

München - 25 Millionen hat der VfL Wolfsburg in der Sommerpause für Transfers ausgegeben - so viel wie kein anderer Bundesligist. Unter Wölfe-Coach Felix Magath plant der Klub nun den Großangriff auf die Ligaspitze.

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© Getty

"Ich will Meister werden", verkündet Trainer und Manager Magath voller Überzeugung im Interview mit der "Welt". Große Worte für die ehemals graue Maus aus Wolfsburg.

Dass hinter der großspurigen Ankündigung aber tatsächlich ein durchaus ernstzunehmendes System steckt, verdanken die Niedersachsen vor allem ihrem ambitionierten Macher.

Felix' Problem mit der Wolfsburger Polizei

Umso mehr bringt es Magath in Rage, dass beim Fastabsteiger der Saison 2006/2007 offenbar nicht alle an einem Strang ziehen, um die Wölfe zu einem Spitzenverein zu formen.

"In der abgelaufenen Saison habe ich in Wolfsburg erfahren müssen, dass zwar VW voll und ganz hinter dem VfL steht. Aber im Umfeld des Vereins, in der Stadt, ist es offenbar nicht klar geworden, was hier aufgebaut werden soll", ärgert sich der 54-Jährige.

Einmal in Fahrt macht Magath auch vor der Wolfsburger Polizei nicht halt, die dem Vorhaben "Großangriff" nicht immer hilfreich gegenüberstehe.

"Beispielsweise wurden wir von der Polizei dazu gezwungen, zwei Tage vor einem wichtigen Bundesligaspiel die Amateure im Stadion spielen zu lassen, obwohl der Boden vom Regen total durchgeweicht war. Da haben einige nicht verstanden, was es bedeutet, mit den ganz Großen zu konkurrieren. Wir brauchen größere Unterstützung", beschwert sich Magath und fügt hinzu: "Diesen Vorsprung können wir nicht aufholen, wenn nicht alle hinter dem VfL stehen und mithelfen. Die Wolfsburger müssen sich zum VfL bekennen. Das muss doch auch im Sinne der Stadt sein."

Magath will langfristig Spitzenfußball nach Wolfsburg bringen. Das Image als reine Autostadt soll auf lange Sicht abgelegt werden: "Wolfsburg hat die einmalige Chance, nicht mehr nur mit VW assoziiert zu werden, sondern auch mit Spitzenfußball. Aber diese Chance kann schnell verspielt werden."

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Weg vom Sponsor VW

Lange galt der VW-Konzern als Lebensversicherung und unerschöpfliche Geldquelle der Wölfe. Doch inzwischen fürchtet Magath, dass durch den mächtigen Hauptsponsor die Entwicklung hin zum Spitzenfußball gestört wird.

"Bisher war es so, dass sich hier alle auf den Konzern verlassen haben. Das hat den VfL daran gehindert, richtig gut zu werden. Der Verein muss eigenständiger werden. Aber wenn VW der einzige Unterstützer bleibt, schaffen wir es nicht, den Klub in die europäische Spitze zu bringen. Der VfL muss sich durch Erfolg selbst finanzieren."

Seitenhieb in Richtung Klinsmann

Was es heißt, einen Verein umzukrempeln, um ein großes Ziel zu verfolgen, hat zuletzt auch sein Kollege und neuer Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann gezeigt.

Doch wie schon zu seiner eigenen Amtszeit als Coach des Rekordmeisters, hält Magath nicht viel von neumodischen Trainingsmethoden und kann sich einen kleinen Seitenhieb in Richtung München nicht verkneifen: "Jeder Trainer muss seinen eigenen Weg mit seinen eigenen Methoden finden. Auf meinem Weg hat Buddha keinen Platz."

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Kein Freund von technischen Hilfsmitteln

So überrascht es nicht weiter, dass der Traditionalist Magath auch von Simultandolmetschern wie unter Klinsmann nichts hält: "Bei uns ist Deutsch Amtssprache. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass ein Ausländer sich bemühen sollte, sich in die Umgebung einzuleben, wenn er hier sein Geld verdienen will."

Vor allem die beiden italienischen Neuzugänge Cristian Zaccardo und Andrea Barzagli dürfen sich angesprochen fühlen.

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Die neuen sportwissenschaftlichen Methoden sieht Magath übrigens überaus kristisch.

"Aus meiner Sicht zeigen diese technsichen Hilfsmittel die große Unsicherheit, die unter den Trainern herrscht, weil ihre Position immer schwächer wird. Da suchen sie Hilfe in solchen digitalen Trainingsdokumentationen, um sich rechtfertigen zu können, dass sie alles unternommen haben. Ich glaube, dass wir im Fußball eher zu viele Informationen haben, nicht zu wenig."

Vincent Alberola

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