Sonntag, 04.05.2008

Die Top 10 der Bayern-Saison

Magier, Flegel, Ohrenschrauber

München - Sie sind ordentlich rumgekommen in diesem Jahr. Nur nicht dahin, wo sie eigentlich hinwollen.

© Imago

Statt Mailand, Barcelona oder Manchester standen dank des ungeliebten UEFA-Cups Belgrad, Aberdeen und St. Petersburg auf dem Flugplan der Bayern. 

Da passte es irgendwie ins Bild, dass der deutsche Meistertitel in einer eher gräulichen Stadt wie Wolfsburg eingetütet wurde.

31 Spiele, 31 Bilder: Die Bayern-Saison in der Diashow!

0:0 stand es am Ende und die 90 Minuten von Wolfsburg waren damit in etwa so spannend, wie die Tabellensituation an den 30 Spieltagen zuvor: Bayern auf der Eins, von Anfang bis Ende. Einen verdienteren Meister hatte es selten gegeben. Außer die Bayern vielleicht.

Doch was bleibt hängen von dieser Saison? An was wird man sich auch über das Jahr hinaus erinnern? SPOX.com hat 10 Punkte gefunden.

Der Torjubel der Saison: Toni schraubt. 1. Spieltag, Aufsteiger Rostock zu Gast. 69.000 Zuschauer wollen sehen, was das neue Bayern-Ensemble so kann. 14 Minuten dauert es, bis Luca Toni erstmals netzt und dann seine Art zu Jubeln in Deutschland salonfähig macht: Er schraubt am Ohr. Insgesamt bekommen die Zuschauer diese Geste bis zum 31. Spieltag noch weitere 20-mal zu sehen.

Das Spiel der Saison: Bremen - Bayern 0:4. 2. Spieltag, Weserstadion. Der FC Bayern zerpflückt den SV Werder mit 4:0 und schlägt der Liga damit ins Gesicht. Den lächerlich gemachten Bremern dämmert es bereits, dass diese Bayern in dieser Saison wohl nicht zu kriegen sind. Franck Ribery lupft einen Elfmeter lässig über die Linie, Hamit Altintop krönt den perfektesten Konter des Jahres mit einem super Tor. Sekunden zuvor gab es...

Den Trick der Saison: Ribery vernascht Schulz. Ribery schafft es mit einer fließenden Bewegung Christian Schulz einfach nur untalentiert aussehen zu lassen. Nach einer Bremer Ecke nimmt der Franzose den Ball mit dem Spann aus der Luft mit und lässt ihn über den heranrauschenden Schulz tanzen, ohne Bodenberührung. Einfach nur magisch. Altintops Tor danach war die Hommage an dieses Stück Fußballkunst.

Die Diskussion der Saison: Artenschutz für die Stars. Ribery, der Künstler. Lala, der Schlächter. So jedenfalls stellten es die Bayern dar, nachdem der Hannoveraner den Franzosen nach allen Regeln der Kunst malträtiert und tätowiert hatte. Uli Hoeneß schäumte erstmals und legte den Schiedsrichtern nahe, "zur Not auch mal sieben, acht Mann" vom Platz zu stellen. Danach diskutiert ganz Fußball-Deutschland: Müssen die Stars besser geschützt werden? Eine Woche später teilt Bastian Schweinsteiger gegen Thimotee Atouba aus und die Diskussion hat sich erledigt.

Das Zitat der Saison: "Fußball ist keine Mathematik", entfuhr es Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach einem 2:2 im UEFA-Cup gegen die Bolton Wanderers, nachdem es sich Ottmar Hitzfeld erlaubt hatte, angesichts des Auswärtsspiels in Stuttgart 44 Stunden danach ein paar Spieler zu schonen. Die Sache ging in die Hose: In Stuttgart kassierte der FCB die erste Niederlage der Saison (1:3) und Hitzfeld dämmerte es, dass er wohl nur noch für eine absehbare Zeit Bayern-Coach bleiben werde.

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Der Ausraster der Saison: Hoeneß vs. Bayern-Fans. November. Bei den Bayern immer so was wie der Miesepeter-Monat. Hoeneß platzt auf der Jahreshauptversammlung der Kragen, als sich ein Fan über die schlechte Stimmung in der Allianz Arena beschwert. Sein erregter Auftritt mit hochrotem Kopf geht in die Geschichte ein und gibt den Bayern-Fans final zu verstehen, wie wichtig sie wirklich sind. Beste Stelle der Wutrede: Hoeneß bekennt versehentlich, den Kunden auf den Business Seats das Geld aus der Tasche zu ziehen. Hoppla.

Die Flegel der Saison: Kahn, Demichelis, Sagnol. Oliver Kahn läuft von der Weihnachtsfeier davon und vergnügt sich lieber mit Noch-/ Wieder- / Morgen-vielleicht-nicht-mehr-Freundin Verena. Geht nicht! Hitzfeld suspendiert ihn für das Berlin-Spiel und stellt einen Verhaltenskodex auf. Später bekommen auch noch Martin Demichelis und Willy Sagnol eine interne Sperre aufgebrummt, weil sie das Mittelfeld nicht so mögen.

Die Überraschung der Saison: Klinsi kommt. Hoeneß steckt einem Bild-Reporter beim Böllern an Silvester im Vertrauen, dass Hitzfeld aufhört, was dieser natürlich prompt im Vertrauen an die ganze Nation weiter gibt. Elf Tage später steht plötzlich Jürgen Klinsmann auf der Matte und verkündet: "Ja, ich will." Das hatte der Bild-Reporter vorher nicht gewusst. Die Jungs können aber auch nicht so gut mit dem Jürgen.

Die Spieler der Saison: Altintop, Demichelis, Lell. Altintop, weil er der effizienteste Neuzugang war. Null Ablöse, dafür bis zu seinem Mittelfußbruch eine feste Größe im rechten Mittelfeld. Demichelis, weil sich der Argentinier in dieser Saison mit hervorragendem Stellungsspiel und präzisen Tacklings zum besten Innenverteidiger der Bundesliga mauserte. Und Lell, weil vor der Saison einfach niemand damit gerechnet hatte, dass er es bei dieser Konkurrenz überhaupt zu einer handvoll Einsätzen bringen wird. Es wurden 46.

Die Erkenntnis der Saison: Geld schießt doch Tore. Die reinen Zahlen: Ribery (25 Mio. / 9 Tore), Klose (12/10), Toni (11/21). Die investierte Restsumme (knapp 35 Millionen) sehen wir jetzt einfach mal als Investition in die Zukunft.

Das Vermächtnis der Saison: Große Fußstapfen. Kahn und Hitzfeld treten ab, ihre Nachfolger Rensing und Klinsmann haben riesige Fußprinten zu füllen. Das letzte Wort lassen wir dem scheidenden Titan: "Immer weiter, immer weiter."

Florian Bogner

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