Mittwoch, 03.09.2008

Die Spieler des FC Bayern im Ranking

Chef mit nur einem Spiel

Der FC Bayern München ist nur behäbig in die neue Saison gestartet. Im DFB-Pokal zitterte sich die Truppe von Jürgen Klinsmann zu einem 4:3 in Erfurt, in der Bundesliga ließ der erste Dreier bis zum 3. Spieltag auf sich warten.

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© Getty

Im Gegensatz zum letzten Jahr investierte der Rekordmeister kaum in neue Beine. Die einzigen Änderungen: Oliver Kahn beendete seine Karriere, Hans-Jörg Butt, Tim Borowski und Massimo Oddo wechselten an die Isar. Der Rest der Mannschaft blieb weitestgehend zusammen.

Jürgen Klinsmann hat sich vor der Saison zum Ziel gesetzt, jeden Spieler zu verbessern. Zeit also, jeden FCB-Akteur genauer unter die Lupe zu nehmen und ein erstes, vorsichtiges Fazit zu wagen:

Michael Rensing: "Beim FC Bayern reicht es nicht, nur gut zu halten, wenn die Bayern 2:0 oder 3:0 gewinnen. Rensing muss Spiele auch mal im Alleingang entscheiden", hatte Stefan Effenberg vor der Saison bei SPOX gefordert. Dies ist Rensing bis jetzt noch nicht gelungen. Er spielte zwar bis auf ein paar Unsicherheiten bei Flanken fehlerfrei, hat aber noch keinen "unhaltbaren" Ball gehalten.

Christian Lell: Nach ganz schwachem Auftakt im Pokal zuletzt deutlich verbessert. Zeigte beim 4:1 gegen Berlin, dass er auch im Mittelfeld spielen kann. Neuzugang Oddo sitzt ihm im Nacken. "Das motiviert mich", sagt Lell. Ausgang dieses Duells völlig offen.

Daniel van Buyten: Machte seinem Spitznamen "Van Bolzen" aus der vergangenen Saison anfangs alle Ehre. War nach Demichelis' Genesung raus aus der Mannschaft, profitierte gegen Berlin aber von der Systemumstellung. Muss aber deutlich konstanter werden.

Lucio: Klinsmanns Vorgänger Hitzfeld untersagte dem Brasilianer die geliebten Ausflüge. Unter Klinsi darf er wieder über die Mittellinie, vernachlässigt aber manches Mal seine Abwehrarbeit. Hat noch nicht seine Bestform erreicht. 

Martin Demichelis: Brauchte nur ein Spiel, um zu zeigen, wer die unumstrittene Nummer eins in der Bayern-Abwehr ist. Demichelis zählt mittlerweile zu den besten Innenverteidigern der Welt. Ruhe, perfektes Stellungsspiel und intelligente Zweikampfführung zeichnen den Argentinier aus. "Martin hält den Laden zusammen und reißt durch sein Engagement Lucio und van Buyten mit", schwärmte Klinsmann nach dem Berlin-Spiel. 

Philipp Lahm: Wurde von Karl-Heinz Rummenigge als einer der besten Linksverteidiger der Welt geadelt. Überzeugte gegen Berlin auch im Mittelfeld. Klasse sein Tor zum 2:0. Lahm ist derzeit voll auf der Höhe, man merkt ihm die Strapazen der EM nicht an. Marcell Jansen blieb nichts anderes übrig, als zum HSV zu flüchten. Gegen Lahm hätte er nie eine Chance gehabt.

Oddos erstes Training
Nach dem obligatorischen Medizincheck hat Massimo Oddo am Freitag bereits 30 Minuten mit der Mannschaft trainiert
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Darüber freute sich besonders sein Landsmann Luca Toni, der ihn direkt unter seine Fittiche nahm
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Oddo modisch im pinken Polo. Zukünftig läuft der Italiener im rot-weißen Heimtrikot des FC Bayern auf
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Manager Uli Hoeneß beschnupperte den Allrounder für die rechte Seite auch schon mal
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Oddo legte direkt munter los und sammelte kräftig Fleißpunkte
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Die Marschrichtung ist klar. Klinsi fordert attraktiven Offensivfußball. Das kann er Oddo in fließendem Italienisch verklickern
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Ze Roberto: Spielt seine letzte Saison im Bayern-Trikot, viel beibringen kann ihm Klinsmann nicht mehr. Wird im Mittelfeld je nach System hin- und hergeschoben, mal zentral defensiv, mal links, mal zentral offensiv. Spielt unter Klinsmann bislang weniger spektakulär, aber zielstrebig. Bereitete schon drei Tore vor. Könnte allerdings Opfer des Systems werden, wenn Ribery zurückkehrt.

Mark van Bommel: Missbrauchte in Dortmund das Vertrauen von Klinsmann, der ihn zum Kapitän und somit auch zum Stammspieler machte. Genießt trotz seiner Aussetzer auf dem Platz hohes Ansehen im Verein. "Es war eine sehr gute Entscheidung, ihn zum Kapitän zu machen", sagte Rensing zu SPOX. Van Bommel hilft seinen Kollegen aber nur, wenn er seine Emotionen im Griff hat und das macht, was von ihm verlangt wird: die Mannschaft zu führen.

Andreas Ottl: Im glänzend besetzten Mittelfeld das letzte Glied. Überzeugte aber gegen Berlin als Ballverteiler und Torvorbereiter. Hat sich unter Klinsmann weiterentwickelt und wird seine Spiele bekommen. Noch hat er aber niemanden verdrängt. 

Bastian Schweinsteiger: Hat von seiner glänzenden EM-Form wenig eingebüßt und ist bei Klinsmann vorerst gesetzt. Im Mittelfeld sehr variabel einsetzbar, übernimmt zudem endlich Verantwortung. Schweinsteiger fordert viele Bälle und schießt fleißig Tore. Hat durch sein Engagement die extrem kritischen Bayern-Fans derzeit auf seiner Seite und durfte sich gegen Berlin zwei, drei Fehlpässe leisten, ohne gleich ausgepfiffen zu werden.

Toni Kroos: Der Gewinner der Vorbereitung ist der Verlierer der ersten drei Spiele. Konnte Kroos-Fan Klinsmann nicht überzeugen und spielt vorerst keine Rolle bei der Vergabe der Stammplätze. Klinsmann bevorzugt auf der Zehnerposition andere. "Wir können unser System während des Spiels ändern und beispielsweise im 3-4-1-2 spielen mit Tim Borowski hinter den Spitzen", sagte Klinsmann nach dem Hertha-Spiel.

Tim Borowski: Muss sich nach seiner Innenbanddehnung erst noch rankämpfen, steht aber auf dem Sprung in die erste Elf. Mit seiner Einwechslung gelang in Dortmund die Wende. Gegen Berlin überraschend nur auf der Bank.

Miroslav Klose: Hat seine Krise trotz seines Elfmetertores gegen Berlin noch nicht überwunden. Wirkte in den ersten Spielen wie ein Fremdkörper, körperlich angeschlagen und auch psychisch nicht auf der Höhe. "Ich hatte die Seuche", gestand Klose, "aber der Manager (Uli Hoeneß, d.Red.) und die Mannschaft haben immer zu mir gehalten." Beweis: Luca Toni forderte Schweinsteiger beim zweiten Elfmeter gegen Berlin auf, Klose den Ball zu geben. "Die Mannschaft weiß, wie sie mit einem Spieler in solch einer Situation umzugehen hat. Miro hat aber auch sehr hart an sich gearbeitet. So eine Flaute kann man nur beenden, wenn man sich reinhängt", sagte Klinsmann.

Luca Toni: Pendant zu Demichelis im Sturm. Absolut unverzichtbar, obwohl er sich in Dortmund gegen die Jungspunde Mats Hummels und Neven Subotic schwer tat. Überragende Körperdrehung samt Ball vor dem 1:0 gegen Berlin.

Lukas Podolski: Hatte nach einer sehr guten Vorbereitung im Kampf gegen Klose die Nase vorn. Traf gegen Hamburg zwar vom Elfmeterpunkt, vergab aber beim Stand von 2:2 eine Riesenchance, als er den Ball freistehend vor HSV-Keeper Frank Rost übers Tor jagte. Klinsmann bescheinigte ihm keine ausreichend gute Trainingsleistung: "Miro hat zuletzt härter gearbeitet als Lukas. Momentan haben wir uns für Klose und Toni im Sturm entschieden. Aber Lukas ist in Lauerstellung. Er muss hungrig sein, hungrig bleiben. Er weiß: Im Fußball gehen viele Dinge über Nacht."

Ohne Bewertung: Hans-Jörg Butt (ohne Einsatz), Massimo Oddo (Neuzugang), Willy Sagnol, Hamit Altintop, Franck Ribery (alle verletzt), Breno und Jose Ernesto Sosa (beide lange bei Olympia).

Der gesamte Kader des FCB im Überblick

Thomas Gaber

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