Freitag, 13.03.2015

Australien-GP: Sebastian Vettels Debüt mit Ferrari

Heiland aus Heppenheim

Die Formel 1 steht vor einem neuen Zeitalter: Sebastian Vettel startet beim Australien-GP (alle Sessions im LIVE-TICKER) erstmals für Ferrari, der Vierfachweltmeister aus dem Red-Bull-Imperium fährt für die erfolgreichste Marke der Motorsport-Königsklasse. Doch holt der 27-Jährige wirklich den Titel, der Fernando Alonso verwehrt blieb? Die Motivationsprobleme der Vorsaison sind Geschichte, Teamchef Maurizio Arrivabene sieht in ihm schon eine Kopie von Michael Schumacher.

Begehrt: Sebastian Vettel ist der neue Hoffnungsträger der Scuderia Ferrari
© xpb
Begehrt: Sebastian Vettel ist der neue Hoffnungsträger der Scuderia Ferrari

Kurz hüpft der blonde Junge aufgeregt am Zaun auf und ab, als der Motor aufheult. Ungeduldig wartet er. Fast eine Minute dauert es, dann wird es wieder laut. Noch ein Sprung. Nur ein kurzer Blick auf das Idol, das auf der Ferrari-Hausstrecke in Fiorano seine Runden dreht. Vater Norbert wartet schon, schließlich steht das nächste Kartrennen an.

"Ich erinnere mich, dass ich vor langer, langer Zeit als kleines Kind hier war und versucht habe rüberzugucken", berichtete Sebastian Vettel, als er Ende 2014 erstmals ein Formel-1-Auto von Ferrari um den firmeneigenen Kurs in Fiorano bewegen durfte. Dass der Wagen zwei Jahre alt und die Strecke nass war, störte niemanden. Euphorie und Optimismus stellten sich ein.

Vettel: "Das Ganze hat etwas Magisches"

"Jetzt ganz offiziell ein Teil des Teams zu sein ist einfach fantastisch", jubelte der Heppenheimer, der während seiner Fahrten seinen Nachfolgern am Streckenrand zuwinkte: "Ich habe die Tifosi rundherum stehen sehen. Das ist nicht nur ein Märchen, es ist eine wahre Legende und es ist ganz speziell zu sehen, wie die Leute an den Mauern hochklettern, um das Auto zu sehen. Das Ganze hat etwas Magisches und ich werde das, was in den letzten Tagen passiert ist, nie vergessen."

Für Vettel war der kurze Ausflug nach Maranello eine Therapie. Nach vier Jahren mit je zwei Weltmeistertiteln bei Red Bull war die Luft raus. Die Motivation verpuffte, nachdem der RB10 durch die Schwächen der neuen Renault-Powerunit zum Hinterherfahren verdammt war. "Sebastian hatte von den ersten Kilometern an eine Aversion gegen das neue Reglement und gegen sein neues Auto", berichtete Motorsportberater Helmut Marko später.

Vettel meckerte über den neuen Hybridantrieb, über dessen Klang, die fehlende Lautstärke, das Fahrverhalten - nur über sein eigenes Fahren verlor er zunächst kein Wort. "Man muss es - Entschuldigung - auch einmal sagen, dass mit dieser Gurke auf der Geraden nichts zu holen ist", regte sich Vettel etwa in Kanada auf. Das Problem: Teamkollege Daniel Ricciardo hatte soeben das Rennen gewonnen.

Australien-GP: Mercedes dominiert Freies Training

Marko erklärt Vettels Motivationsprobleme

"Das Auto war ihm zu komplex, das Pilotenpotenzial zu gering geworden", sagte Marko. Sein früherer Schützling sprach erst nach seinem Abschied vom österreichischen Konzern, der ihn schon mit 13 Jahren in sein Förderprogramm aufgenommen hatte. "Es kam in diesem Jahr zu einem Punkt, dass ich mir selbst aufgeschrieben habe, was da alles kaputtgegangen ist. Auch um meine eigene Leistung nüchtern beurteilen zu können", sagte er Auto Motor und Sport.

Das Angebot von Ferrari kam wie gerufen. Vettel begeistert sich für die Tradition des Motorsports, beschäftigt sich von Kindesbeinen an mit der Geschichte der Formel 1. Doch nüchtern betrachtet war die Scueria die schlechteste Wahl, die der Heppenheimer treffen konnte. Sie lag am Boden.

Im Vorjahr schaffte das Team erstmals seit der Saison 1993 keinen einzigen Sieg. Nur elf Grands Prix gewann die Scuderia mit Fernando Alonso in fünf Jahren. Drei Vize-Titel in der Fahrer-WM und einer bei den Konstrukteuren waren die magere Ausbeute der Zusammenarbeit mit dem Spanier. In Maranello sei "der Wunsch nach Erlösung unglaublich groß", betonte der neue Teamchef Maurizio Arrivabene und warnte: "Wir dürfen nicht vergessen, auf welcher Basis wir beginnen."

Vermarktung der F1-Fahrer: Lang lebe König Fernando!
Welche F1-Fahrer lassen sich am besten vermarkten? Die Marktforscher von Repucom sind dieser Frage nachgegangen. Wer hat von 100 möglichen Punkten am meisten erhalten?
© getty
1/11
Welche F1-Fahrer lassen sich am besten vermarkten? Die Marktforscher von Repucom sind dieser Frage nachgegangen. Wer hat von 100 möglichen Punkten am meisten erhalten?
/de/sport/diashows/1503/formel1/marktwert/studie-alonso-vettel-hamilton-rosberg-ricciardo.html
Platz zehn geht an den Mexikaner Sergio Perez (l.)! Der Teamkollege von Nico Hülkenberg kommt auf 63,41 Punkte
© getty
2/11
Platz zehn geht an den Mexikaner Sergio Perez (l.)! Der Teamkollege von Nico Hülkenberg kommt auf 63,41 Punkte
/de/sport/diashows/1503/formel1/marktwert/studie-alonso-vettel-hamilton-rosberg-ricciardo,seite=2.html
Grund zum Lachen hat auch Max Verstappen: Der Niederländer landet mit 64,84 Punkten auf Platz neun
© getty
3/11
Grund zum Lachen hat auch Max Verstappen: Der Niederländer landet mit 64,84 Punkten auf Platz neun
/de/sport/diashows/1503/formel1/marktwert/studie-alonso-vettel-hamilton-rosberg-ricciardo,seite=3.html
Wie im Jahr zuvor landet Romain Grosjean mit 66,56 Punkten auf dem achten Platz - für den französischen Pferde(stärken)flüsterer Grund zur Freude!
© getty
4/11
Wie im Jahr zuvor landet Romain Grosjean mit 66,56 Punkten auf dem achten Platz - für den französischen Pferde(stärken)flüsterer Grund zur Freude!
/de/sport/diashows/1503/formel1/marktwert/studie-alonso-vettel-hamilton-rosberg-ricciardo,seite=4.html
Daniel Ricciardo ließ letzte Saison Sebastian Vettel klar hinter sich - als Belohnung erhält der Aussie 66,97 Punkte und verbessert sich auf Rang sieben
© getty
5/11
Daniel Ricciardo ließ letzte Saison Sebastian Vettel klar hinter sich - als Belohnung erhält der Aussie 66,97 Punkte und verbessert sich auf Rang sieben
/de/sport/diashows/1503/formel1/marktwert/studie-alonso-vettel-hamilton-rosberg-ricciardo,seite=5.html
Nico Rosberg kann sich mit 79,40 Punkten auf Platz sechs verbessern und ist damit zweitbester Deutscher
© getty
6/11
Nico Rosberg kann sich mit 79,40 Punkten auf Platz sechs verbessern und ist damit zweitbester Deutscher
/de/sport/diashows/1503/formel1/marktwert/studie-alonso-vettel-hamilton-rosberg-ricciardo,seite=6.html
McLaren-Pilot Jenson Button muss sich mit Platz fünf (79,62 Punkte) begnügen. Direkt vor ihm liegt ein weiterer Engländer...
© getty
7/11
McLaren-Pilot Jenson Button muss sich mit Platz fünf (79,62 Punkte) begnügen. Direkt vor ihm liegt ein weiterer Engländer...
/de/sport/diashows/1503/formel1/marktwert/studie-alonso-vettel-hamilton-rosberg-ricciardo,seite=7.html
Mit seinem zweiten Weltmeistertitel im Rücken macht Lewis Hamilton den größten Sprung: Mit 83,68 Punkten landet er auf Platz vier
© getty
8/11
Mit seinem zweiten Weltmeistertitel im Rücken macht Lewis Hamilton den größten Sprung: Mit 83,68 Punkten landet er auf Platz vier
/de/sport/diashows/1503/formel1/marktwert/studie-alonso-vettel-hamilton-rosberg-ricciardo,seite=8.html
Bester Deutscher, aber unzufrieden: Sebastian Vettel fällt nach seiner schwacher Saison 2014 mit 85,49 Punkten auf den dritten Rang zurück
© getty
9/11
Bester Deutscher, aber unzufrieden: Sebastian Vettel fällt nach seiner schwacher Saison 2014 mit 85,49 Punkten auf den dritten Rang zurück
/de/sport/diashows/1503/formel1/marktwert/studie-alonso-vettel-hamilton-rosberg-ricciardo,seite=9.html
In seiner Heimat kennen 99,2 Prozent den Brasilianer. Felipe Massa steht mit 88,84 Punkten auf Rang zwei. Nur einer liegt vor ihm...
© getty
10/11
In seiner Heimat kennen 99,2 Prozent den Brasilianer. Felipe Massa steht mit 88,84 Punkten auf Rang zwei. Nur einer liegt vor ihm...
/de/sport/diashows/1503/formel1/marktwert/studie-alonso-vettel-hamilton-rosberg-ricciardo,seite=10.html
And the winner is... Fernando Alonso! Der Spanier und McLaren-Rückkehrer lässt sich mit 89,66 Punkten am besten vermarkten
© getty
11/11
And the winner is... Fernando Alonso! Der Spanier und McLaren-Rückkehrer lässt sich mit 89,66 Punkten am besten vermarkten
/de/sport/diashows/1503/formel1/marktwert/studie-alonso-vettel-hamilton-rosberg-ricciardo,seite=11.html
 

Ferrari-Führung ausgewechselt

Die Führungsriege wechselte die Scuderia kurzerhand komplett aus: Nicht nur Stefano Domenicalis Nachfolger Marco Mattiacci machte nach nur acht Monaten im Amt für Arrivabene Platz, Chefingenieur Pat Fry räumte seinen Schreibtisch für Jock Clear, Motorenchef Luca Marmorini ging zu Gunsten von Mattia Binotto und Chefdesigner Nikolas Tombazis sowie Reifenspezialist Hirohide Hamashima durften sich ebenfalls neue Arbeitsplätze suchen. Allein der erst zur Saison 2014 von Lotus verpflichtete Technikdirektor James Allison macht weiter.

Der Umbau ist allerdings auch ein Rückbau. Selbst Personal der Schumacher-Ära ist wieder im Boot: Der 71-jährige Rory Byrne fungiert als Mentor des neuen Chefdesigners Simone Resta. Sie sollen ein Auto entwickeln, das Mercedes Konkurrenz macht: Ein stimmiges Gesamtpaket soll die Probleme der ersten echten Hybrid-Saison vergessen machen, als die Antriebseinheit zugunsten einer besseren Aerodynamik viel zu wenig Leistung erzeugte.

Die Bestzeiten bei den Wintertests waren trotzdem unbedeutend. Mercedes versteckte sich noch, Ferrari wird wohl weiter knapp eine Sekunde pro Runde fehlen. Doch darum geht es den Italienern noch nicht. Die Aerodynamik funktioniert schon wesentlich besser, was anhand der regelmäßigeren FlowViz-Farbe erkennbar war. Auch in den Kurven lag der SF15-T besser als sein Vorgänger.

Seite 1: Die Motivationsprobleme sind Geschichte

Seite 2: Der Heiland aus Heppenheim

Alexander Maack

Diskutieren Drucken Startseite

Alexander Maack(Chef vom Dienst)

Alexander Maack, Jahrgang 1987, betreut seit Sommer 2012 die Formel 1 bei SPOX. Geboren im hessischen Fritzlar, landete er nach Aufenthalten in Niedersachsen, Dresden und Bonn schließlich in der "Medienhauptstadt" Mittweida, wo er sein Medienmanagement-Studium abschloss. Seit Mitte 2016 als Chef vom Dienst verantwortlich für den Inhalt der Homepage. Kernressorts: Motorsport, Fußball.

Trend

Breitere Reifen, breitere Autos. Wir die Formel 1 durchs neue Reglement spannender?

Michael Schumacher wurde 1997 mit einem zwei Meter breiten Ferrari Weltmeister in der Formel 1
Ja
Nein
Interessiert mich nicht

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.