Samstag, 30.04.2016

Formel 1: Kommentar zum neuen Motoren-Reglement

Wie Motörhead im Musikantenstadl

Die Formel-1-Bosse haben sich im letzten Moment auf neue Regeln geeinigt. Bis zum 30. April hatten sie dafür Zeit, am 29. April wurden die letzten Regularien offiziell verkündet. Ein Beschluss klingt wie ein schlechter Aprilscherz: Der Sound der Autos wird künftig künstlich generiert. Das widerspricht der DNA des Motorsports.

Mehr Power, mehr Action, mehr Spannung? Gern! Aber bitte nicht noch mehr Künstliches
© getty
Mehr Power, mehr Action, mehr Spannung? Gern! Aber bitte nicht noch mehr Künstliches

Besonders das Motorenreglement dürfte die Fans und kleineren Teams auf den ersten Blick freuen: Kostenreduktion, Liefergarantie für sämtliche Teams, Angleichung der PS-Leistung von allen Herstellern. Jedes Team kann also wieder durch eigene harte Aerodynamik-Arbeit einen Vorteil generieren.

Nur den vierten Punkt scheint bisher jeder zu übersehen. Spätestens ab der Saison 2018 sollen Lautsprecher die Formel 1 lauter machen. Ein "Standard PU Exhaust Sound Generator" soll eingeführt werden, also ein einheitliches Bauteil am Auspuff, das Klangwellen erzeugt.

Wie das aussehen könnte? Der Druck am Rohr wird gemessen, zeitgleich wird über einen Lautsprecher Ton abgesondert. Das gibt es schon, beispielsweise bei Elektrokarts, einige Autohersteller benutzen in ihren Sportmodellen Aktoren, die im perfekt schallgedämmten Innenraum sportliche Motorengeräusche auf Basis von Daten der Steuergeräte vorspielen.

Wie Lemmy im Musikantenstadl

Doch künstliche Klangerzeugung in der Formel 1? Das ist wie Lemmy Kilmister im Musikantenstadl oder Andrea Berg bei Rock am Ring. Es passt einfach überhaupt nicht zusammen.

Häkkinen-Interview: "Overalls müssen vor Schweiß tropfen"

Die Formel 1 hat sich für ein Motorenkonzept entschieden, dass Effizienz in den Vordergrund stellt, und es zur Saison 2014 eingeführt. Lautstärke entsteht durch Energie, die durch den Auspuff hinausgeblasen wird. Wenn die Energie dort regeneriert wird, sinkt der Pegel - zumal die aktuellen Auspuffrohre weit weniger Druck und damit Resonanz erzeugen als zu früheren Zeiten.

Ob das Motorenkonzept zur Formel 1 passt, muss jeder für sich entscheiden - schließlich war die Königsklasse des Motorsports einmal wesentlich mehr Sprintrennen als die heutige Langstreckeneffizienzkontrollfahrt. Das muss nicht falsch sein in einer Zeit, in der Verantwortung gegenüber der Natur und Nachhaltigkeit das größte Marketingziel überhaupt sind und Spaß sowie die Zurschaustellung von Luxus öffentlich abgelehnt werden.

Kopfschutz: Red Bull Canopy oder Halo der FIA
Hoher Besuch am Donnerstag vor dem GP von Russland in der Red-Bull-Box: FIA-Rennleiter Charlie Whiting guckte sich das Auto an
© getty
1/19
Hoher Besuch am Donnerstag vor dem GP von Russland in der Red-Bull-Box: FIA-Rennleiter Charlie Whiting guckte sich das Auto an
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system.html
Der Grund: Red Bull testet im Freien Training erstmals sein "Canopy", mit dem ab der Saison 2017 der Fahrerkopf geschützt werden soll
© getty
2/19
Der Grund: Red Bull testet im Freien Training erstmals sein "Canopy", mit dem ab der Saison 2017 der Fahrerkopf geschützt werden soll
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=2.html
Daniel Ricciardo stand zur Sitzprobe bereit und benutzte die Cockpitkanzel gleich als Einstiegshilfe
© getty
3/19
Daniel Ricciardo stand zur Sitzprobe bereit und benutzte die Cockpitkanzel gleich als Einstiegshilfe
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=3.html
Der Helm wurde Daniel Ricciardo erst nach dem Einsteigen überreicht - nicht ungewöhnlich
© getty
4/19
Der Helm wurde Daniel Ricciardo erst nach dem Einsteigen überreicht - nicht ungewöhnlich
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=4.html
Sicher ungewöhnlich: Der Anblick des gläsernen Kopfschutzes vor dem Fahrerhelm, echte Windschutzscheiben sind in der Formel 1 lange verschwunden
© getty
5/19
Sicher ungewöhnlich: Der Anblick des gläsernen Kopfschutzes vor dem Fahrerhelm, echte Windschutzscheiben sind in der Formel 1 lange verschwunden
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=5.html
Von oben betrachtet wird klar, dass der Fahrer bei aufrechtem Fahrzeug weiter ohne Probleme aussteigen kann, sollte er auf der Strecke stehenbleiben
© getty
6/19
Von oben betrachtet wird klar, dass der Fahrer bei aufrechtem Fahrzeug weiter ohne Probleme aussteigen kann, sollte er auf der Strecke stehenbleiben
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=6.html
Kritische Blicke nach der Sitzprobe. Eine Frage dürfte sein: Können die Zuschauer die Fahrer überhaupt noch sehen? Gerade bei Flutlicht könnten Reflexionen blenden
© getty
7/19
Kritische Blicke nach der Sitzprobe. Eine Frage dürfte sein: Können die Zuschauer die Fahrer überhaupt noch sehen? Gerade bei Flutlicht könnten Reflexionen blenden
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=7.html
Dann ist es endlich so weit. Die Neuerung ist erstmals in Action zu erleben
© getty
8/19
Dann ist es endlich so weit. Die Neuerung ist erstmals in Action zu erleben
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=8.html
Wie sollen wir das optisch finden?
© getty
9/19
Wie sollen wir das optisch finden?
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=9.html
Zuvor hatte Red Bull die Kanzel als Reaktion auf den FIA-Vorschlag "Halo" schon als Computergrafik präsentiert
© redbullracing
10/19
Zuvor hatte Red Bull die Kanzel als Reaktion auf den FIA-Vorschlag "Halo" schon als Computergrafik präsentiert
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=10.html
Die gläserne, halboffene Kuppel mit zwei Stützstreben am seitlichen Rand reicht um dem Fahrerkopf
© redbullracing
11/19
Die gläserne, halboffene Kuppel mit zwei Stützstreben am seitlichen Rand reicht um dem Fahrerkopf
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=11.html
Der Nachteil: Es ist nach vorn geschlossen. Kommt also etwa Öl drauf, muss der Fahrer wohl an die Box. Und wie ist die Sicht bei Regen?
© redbullracing
12/19
Der Nachteil: Es ist nach vorn geschlossen. Kommt also etwa Öl drauf, muss der Fahrer wohl an die Box. Und wie ist die Sicht bei Regen?
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=12.html
Sehen Sie mich? Sehe ich was? Der Heiligenschein der Formel-1-Fahrer ist da!
© xpb
13/19
Sehen Sie mich? Sehe ich was? Der Heiligenschein der Formel-1-Fahrer ist da!
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=13.html
Kimi Räikkönen probierte das von der FIA favorisierte Halo-System beim zweiten Pre-Season-Test zur Saison 2015 in Barcelona am Ferrari aus
© xpb
14/19
Kimi Räikkönen probierte das von der FIA favorisierte Halo-System beim zweiten Pre-Season-Test zur Saison 2015 in Barcelona am Ferrari aus
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=14.html
Eingeführt werden die Schutzstreben um den Helm erst zur Saison 2017
© xpb
15/19
Eingeführt werden die Schutzstreben um den Helm erst zur Saison 2017
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=15.html
Ist der Blick frei geradeaus? Stark behindernd wirkt die einzelne Strebe vor dem Gesicht zumindest nicht
© xpb
16/19
Ist der Blick frei geradeaus? Stark behindernd wirkt die einzelne Strebe vor dem Gesicht zumindest nicht
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=16.html
Positiver Nebeneffekt: Der Sponsor freut sich und das Dreieck könnte auch als Sonnenblende dienen
© xpb
17/19
Positiver Nebeneffekt: Der Sponsor freut sich und das Dreieck könnte auch als Sonnenblende dienen
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=17.html
Wichtiger ist der Sicherheitsaspekt: Herumfliegende Großteile wie ein Reifen können den Kopf kaum mehr treffen
© xpb
18/19
Wichtiger ist der Sicherheitsaspekt: Herumfliegende Großteile wie ein Reifen können den Kopf kaum mehr treffen
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=18.html
Praktisch: Die Stangen eignen sich auf den ersten Blick auch bestens, um das Auto zurück in die Box zu schieben
© getty
19/19
Praktisch: Die Stangen eignen sich auf den ersten Blick auch bestens, um das Auto zurück in die Box zu schieben
/de/sport/diashows/1603/formel1/halo-kopfschutz/ferrari-halo-system,seite=19.html
 

Imitiert Tesla etwa Lamborghini?

Den Zuschauern spätestens aber der Saison 2018 zu suggerieren, dass die Hybrid-Triebwerke so laut wie die abgeschafften Verbrenner, ist eindeutig der falsche Weg. Es ist, als würde Tesla sein Spitzenmodell mit Lautsprechern ausstatten, um den Sound eines Lamborghinis zu imitieren. Kurz: Verarschung der Zuschauer.

Schon jetzt verlieren Motorsport-Fans das Interesse an ihrem Sport, weil sie die aktuelle Formel 1 für zu künstlich halten. Die Pirelli-Reifen bauen auf Weisung der Formel-1-Chefs schnell ab, statt die bestmögliche Performance zu liefern. Der klappbare Heckflügel macht das Überholen so beliebig, dass ein Manöver nichts mehr wert ist. Nun kommt auch noch künstlicher Sound dazu.

Die Entscheidung wird die Kritik an der Formel 1 nicht beseitigen, sie wird sie verschärfen. Wenn die aktuelle Technik alternativlos ist, hätten die Regelhüter das Promotern klar machen müssen, statt das Produkt zu verwässern. Mehr Lautstärke durch einen anderen Auspuff? Gerne. Aber nicht durch zusätzliche, unnötige Bauteile. Das widerspricht der DNA des Motorsports.

Der Rennkalender der Formel 1


Diskutieren Drucken Startseite
Trend

Breitere Reifen, breitere Autos. Wir die Formel 1 durchs neue Reglement spannender?

Michael Schumacher wurde 1997 mit einem zwei Meter breiten Ferrari Weltmeister in der Formel 1
Ja
Nein
Interessiert mich nicht

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.