Dennis Seidenberg exklusiv

"Die Ablenkungen haben eine Rolle gespielt"

Von Interview: Florian Regelmann
Mittwoch, 14.05.2008 | 12:16 Uhr
Dennis Seidenberg, Eishockey, WM
© Getty
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München - Was nach dem Sieg gegen die Slowakei so gut aussah, wurde am Ende eine WM zum Vergessen. 

Die Peinlichkeit um die fälschliche Nominierung von Jason Holland, die bittere Pleite gegen Norwegen und dann noch das totale Debakel gegen Kanada. Werbung für die Heim-WM 2010 sieht anders aus.

Dabei hatte man die beste Mannschaft zur Verfügung, die seit langem für Deutschland an einer WM am Start war. Als für die Zwischenrunde auch noch Marcel Goc zum Team stoß, hatte man mit ihm, Marco Sturm, Christoph Schubert und Dennis Seidenberg (im Bild gegen Kanadas Captain Shane Doan) vier NHL-Stars im Kader. Es half alles nichts.

Im SPOX.com-Interview zieht Seidenberg sein WM-Fazit und spricht in Sachen "Dopingfall Florian Busch" Klartext. 

SPOX.com: Herr Seidenberg, war der Sieg gegen Lettland ein halbwegs versöhnlicher Abschluss der WM?

Dennis Seidenberg: Na ja, der Sieg war wenigstens ein kleiner Trost. Nicht mehr, aber es war schon wichtig, dass wir gegen Lettland gewonnen haben.

SPOX: Hätte man das Viertelfinale nicht schaffen müssen?

Seidenberg: Wir hätten es sicher packen können. Vor dem Turnier haben wir das Norwegen-Spiel klar als wichtigste Partie angesehen. Dann haben wir die Slowaken geschlagen und hatte eine super Ausgangsposition. Keine Ahnung, was dann gegen Norwegen los war. Das USA-Spiel war dann eigentlich ganz gut und gegen Kanada ist es total in die Hose gegangen.

SPOX: Wenn man die Zeit zurückdrehen könnte, das letzte Drittel gegen Norwegen müsste man nochmal spielen dürfen...

Seidenberg: Ja, auf jeden Fall. Wir haben im 2. Drittel geführt und dann einfach aufgehört zu spielen und dumme Strafzeiten genommen. Die Norweger haben alle Zweikämpfe gewonnen und dann verliert man eben.

SPOX: Dabei war es die stärkste deutsche Mannschaft seit langem.

Seidenberg: Das stimmt. Wir hatten eine Mannschaft mit viel Potenzial, aber das heißt nicht automatisch, dass man Erfolg hat. Es wäre viel mehr drin gewesen, aber dafür hätten wir bessere Leistungen zeigen und viel konzentrierter spielen müssen.

SPOX: Inwieweit hat die Affäre um Jason Holland gestört?

Seidenberg: Wir haben gedacht, dass es uns nicht ablenkt. Aber im Nachhinein muss man sagen, dass es schon eine Rolle gespielt hat. E s waren einfach so viele Sachen neben dem Eishockey, die aufgekommen sind. Neben Jason Holland auch die Diskussionen um Florian Busch.

SPOX: Sie haben den Fall Busch angesprochen. Wie ist Ihre Meinung zu der Problematik?

Seidenberg: Ich wurde in diesem Jahr auch drei- oder viermal getestet, aber so wie es in Deutschland läuft, dass man 24 Stunden zur Verfügung stehen muss, ist es schon extrem. Die NADA hat uns dann irgendwie mit Radsportlern gleichgestellt und das ist ja der totale Schwachsinn. Ich kann mich nicht erinnern, dass es in den letzten Jahren bei uns einen Dopingfall im Eishockey gegeben hätte.

SPOX: Wie sehen Sie Ihre Zukunft in der NHL?

Seidenberg: Ich gehe im Moment davon aus, dass ich in Carolina bleiben werde, auch wenn es noch keine Gespräche über einen neuen Vertrag gegeben hat. Ich hoffe, dass die Verletzungen mal wegbleiben und dann ist das Ziel ganz klar, dass ich Stammspieler werde.

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