Fussball

"Rapid kann das relativ entspannt sehen"

Bickel kann die Causa entspannt sehen

Ein Verkauf von Arnor Ingvi Traustason hätte Geld in die Kassen des SK Rapid Wien spülen sollen. Nun verkompliziert ein Streit zwischen zwei Beratern jedoch den angedachten Transfer des Isländers. Während der Spieler die schwedische Fußball-Legende Martin Dahlin als seinen Chef-Verhandler ansieht, pocht sein ehemaliger Berater Halldor Bergthorsson auf einen bestehenden Vertrag.

Dessen Münchner Anwalt Georg Gradl drohte Rapid sogar mit einem Punkteabzug seitens der FIFA, sollten die Hütteldorfer den Verkauf gemeinsam mit Dahlin durchziehen. Österreichs Sportrechts-Experte Christian Flick hat im Gespräch mit SPOXjedoch eine Entwarnung für die Rapid-Fans parat.

Rapid muss sich nicht fürchten

"Rapid kann die Sache relativ entspannt sehen", meint der Jurist. "Natürlich kennen wir die Verträge nicht, daher ist es schwierig, die Situation zu beurteilen. Aber grundsätzlich schließt ein Verein einen Vertrag mit dem Spieler ab und nicht mit dessen Berater."

Fälle wie jener von Traustason seien in der Fußballbranche keine Seltenheit. Oft würden Spieler über mehrere Berater verfügen. Im Rahmen von Transfergeschäften käme es daher relativ häufig zu Streitigkeiten über die rechtmäßige Vertretung des Spielers gegenüber den verhandelnden Vereinen - freilich auch deswegen, weil die Beraterfirmen dabei Provisionen kassieren.

FIFA-Regularien haben sich geändert

Kommt es bei solchen Fällen tatsächlich zu einer Klage, muss sich jedoch eher der Spieler Sorgen machen als der Verein. "Ich glaube nicht, dass ein Klub die Verpflichtung trägt, genauer zu prüfen, ob der Vertrag eines Spielers mit seinem Berater gültig ist oder nicht", erklärt Flick.

Bergthorssons Anwalt beruft sich in seinen Behauptungen auf die FIFA-Regularien. Flick hält dem jedoch entgegen, dass sich die FIFA mit dem seit 2015 neu gültigen Reglement "von den Spielervermittlern losgelöst hat". Die offiziellen von der FIFA lizenzierten Berater, die an die FIFA-Statuten gebunden sind, gibt es seither nicht mehr. Die Branche wurde dereguliert. Somit bleibt offen, ob eine Klage bei der FIFA gegen den Traustason-Transfer tatsächlich Wirkung zeigen würde.

Rapid sieht es ähnlich wie Flick

Selbst wenn sich Traustasons Ex-Berater seiner Provision betrogen sehen würde und daher zivilgerichtlich vorginge, müsste eher der Isländer selbst Konsequenzen fürchten. "Wenn es zu einem Konflikt kommt, dann in erster Linie zwischen Berater und Spieler. Der Verein verpflichtet ja keinen Berater, sondern einen Spieler."

Rapid selbst will die Causa nach einem Aufsehen erregenden Posting auf Twitter nicht mehr groß kommentieren. Sportchef Fredy Bickel gibt lediglich ein kurzes Statement ab, bei dem er in dieselbe Kerbe wie Sportrechts-Experte Flick schlägt: "Traustason hat Vertrag bei Rapid, es gibt keine Veranlassung, über einen Abgang nachzudenken. Wenn der Spieler dies wollen würde, hat er seinen legitimierten Berater zu benennen."

Rechtlich hat Rapid in diesem Beraterstreit also nicht viel zu befürchten. Auswirkungen hat die Causa aber dennoch. Denn Traustason noch in dieser Transferzeit abzugeben, wird wohl doch nicht so einfach wie gedacht.

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