Cookie-Einstellungen
Suche...
NFL

NFL - George Kittles neuer Vertrag: Darum wird er nicht wie ein Star-Receiver bezahlt

Von Jan Dafeld
George Kittle bleibt langfristig bei den San Francisco 49ers.

George Kittle und die San Francisco 49ers haben sich auf eine Vertragsverlängerung geeinigt. Der 26-Jährige ist ab sofort der bestbezahlte Tight End der Liga, gleichzeitig verdient er jedoch auch deutlich weniger als so manch anderer Superstar. Warum konnte Kittle kein höheres Gehalt herausschlagen? Und welche Rolle spielt der Franchise Tag dabei? Eine Analyse.

Hinter den San Francisco 49ers liegt eine ereignisreiche Offseason. Der NFC Champion hielt die Mannschaft der Vorsaison so weit es ging zusammen, Abgänge wurden adäquat ersetzt - auch wenn Star-Verpflichtungen wie von DeAndre Hopkins in Arizona oder Jamal Adams in Seattle ausblieben.

Als Nachfolger von Left Tackle Joe Staley, der seine Karriere beendete, verpflichtete General Manager John Lynch Trent Williams aus Washington. Für die abgewanderten DeForest Buckner (Trade zu den Colts) und Emmanuel Sanders (unterschrieb bei den Saints) kamen in der ersten Draft-Runde Javon Kinlaw und Brandon Aiyuk.

Darüber hinaus verlängerten die Niners die Verträge von Leistungsträgern wie Arik Armstead und Jimmie Ward. Auch Coach Kyle Shanahan und Manager Lynch wurden mit neuen Arbeitspapieren ausgestattet. San Francisco setzte alles daran, auch in den kommenden Saisons auf die Erfolgsformel ihres Super-Bowl-Jahres zurückgreifen zu können.

Am Donnerstag wurde ein weiterer Schritt in diese Richtung gemacht: Die 49ers einigten sich mit Star-Tight-End George Kittle auf eine Vertragsverlängerung. Der 26-Jährige unterschreibt für fünf weitere Jahre an der Westküste und erhält dafür 15 Millionen Dollar pro Jahr - der mit Abstand größte Vertrag für einen Tight End in der Geschichte der NFL.

NFL: Kittle ist der bestbezahlte Tight End der Liga

Dass San Francisco Kittle unbedingt halten wollte, war ein offenes Geheimnis. Der einstige Fünftrundenpick gilt zusammen mit Travis Kelce - der sich nur wenige Stunden später mit den Kansas City Chiefs ebenfalls auf eine Vertragsverlängerung einigte - als der beste Tight End der Liga. Im Vorjahr knackte er in gerade mal 14 Spielen die 1000-Yard-Marke.

Kittle bietet das volle Paket, er ist der wohl kompletteste Spieler auf seiner Position: Er ist ein guter Route-Runner, der im Slot aufgestellt und auch Downfield für Gefahr sorgen kann. Gleichzeitig ist Kittle aber auch einer der besten Blocker auf seiner Position und - ganz besonders wichtig - nach dem Catch der vielleicht gefährlichste Spieler überhaupt in der NFL: Kein Tight End verbuchte in den vergangenen zwei Jahren auch nur annähernd so viele Yards nach dem Catch wie Kittle.

Dass Kittle bei seiner Vertragsverlängerung zum bestbezahlten Tight End der NFL aufsteigen würde, war daher bereits vorher in Stein gemeißelt. Den am höchsten dotierten Vertrag eines Tight Ends hatte Rob Gronkowski 2012 unterschrieben, er erhielt damals 54 Millionen Dollar über sechs Jahre. In der Free Agency im Frühling knackte zudem Austin Hooper als erster Tight End überhaupt die Marke von 10 Millionen Dollar Gehalt pro Jahr, er unterschrieb für 42 Millionen Dollar über vier Jahre in Cleveland.

Kittle pulverisierte nun beide Marken problemlos. Der 26-Jährige bekommt mehr als 20 Millionen Dollar mehr als Gronkowski, pro Jahr verdient er 4,5 Millionen Dollar mehr als Hooper. Es war eine Revolution des Tight-End-Marktes, der zuvor so viele Jahre lang stagniert hatte.

NFL: Kittle verdient weniger als die Top-Receiver

Und doch warf so mancher Beobachter nach dem Bekanntwerden die Frage auf, ob Kittle mit seinem neuen Vertrag nicht immer noch unterbezahlt wäre. Die Wide Receiver Jarvis Landry (15,1 Millionen Dollar pro Jahr) und Brandin Cooks (16,2 Millionen Dollar pro Jahr) wurden als Vergleich angeführt. Ist Kittle nicht ein wertvollerer und besserer Spieler?

Tatsächlich war Kittle im Vorjahr der laut PFF mit Abstand beste Tight End der Liga. Der WAR (Wins Above Replacement)-Metrik von PFF folgend, war Kittle zeitweise sogar der wertvollste unter allen Spielern, die nicht auf der Quarterback-Position spielen - also auch vor Julio Jones, Amari Cooper und Michael Thomas, die als bestbezahlte Wide Receiver rund 20 Millionen Dollar pro Saison verdienen.

Warum gab sich Kittle also mit einem Jahresgehalt zufrieden, das ihn im Vergleich mit den Wide Receivern der Liga gerade mal auf Platz zwölf - hinter Landry und Cooks - landen lässt? Die Antwort findet sich im stagnierenden Tight-End-Markt und der Funktion des Franchise Tags.

NFL: Franchise Tag als Hindernis für Kittle

Der Franchise Tag erlaubt es jedem Team einen seiner Spieler am Saisonende für ein weiteres Jahr zu halten. Das Gehalt des besagten Spielers ist in diesem Fall entweder der Durchschnitt der Top-Fünf-Gehälter auf seiner Position oder 120 Prozent seines Gehalts in der Vorsaison, je nachdem welche der beiden Zahlen höher ist.

Für einen Spieler wie Kittle, der zwar zu den besten Spielern der Liga zählt, aber auf einer Position spielt, die allgemein schlechter bezahlt wird, ist das ein echtes Hindernis: Wäre Kittle in den kommenden Saisons tatsächlich mit dem Franchise Tag belegt worden, wäre er klar unterbezahlt gewesen - mehr noch als es bei Franchise-Tag-Spielern auf anderen Positionen teilweise der Fall ist.

Hätten sich Kittle und die 49ers nicht auf einen neuen Vertrag geeinigt, hätte San Francisco den 26-Jährigen seinen Rookie-Vertrag zu Ende spielen lassen und ihn anschließend zweimal mit dem Franchise Tag belegen können. In diesem Fall hätte Kittle in drei Jahren gerade mal rund 25 Millionen Dollar verdient und gleichzeitig keinerlei Garantien für den Fall einer Verletzung oder eines Leistungseinbruchs gehabt. Ein sehr riskantes Dasein.

NFL: Kittles Vertrag ist ein sehr guter Kompromiss

Letztlich ist Kittles neuer Vertrag somit ein sehr guter Kompromiss. Die 49ers binden ihren vielleicht wichtigsten Offensivspieler langfristig an das eigene Team und können den Franchise Tag somit für andere Spieler, beispielsweise Trent Williams, nutzen. Gleichzeitig kostet sie dies weniger als die Bezahlung eines Top-Receivers oder eines sehr guten Offensive Tackles.

Kittle wiederum erhält nach seinem Rookie-Vertrag, der ihm über vier Jahre gerade mal rund 2,7 Millionen Dollar einbrachte, endlich finanzielle Stabilität und ganze 40 Millionen Dollar garantiert. Darüber hinaus bleibt er bei einem Team, das in den kommenden Jahren weiter zum Kreis der Titelanwärter in der NFL zählen dürfte.

Die Vertragsverlängerung mit Kittle ist der Abschluss einer für die 49ers durchaus beeindruckenden Offseason. Nicht jedem Super-Bowl-Teilnehmer gelingt es anschließend, die Qualität im Team weiter beisammen zu halten. 2020 soll die so starke Vorsaison nun bestätigt werden. Das gilt sowohl für die Niners als auch für Kittle.

JahrSpieleReceptionsYardsTouchdowns
201715435152
2018168813775
2019148510535
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung