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NBA - GOATmentator und Top 10-Legende Beau Estes im Interview: Bester Reim? "Habe mich bei Jay-Z und Kanye bedient"

GOATmentator Beau Estes bedient sich für seine Reime gerne mal bei Jay-Z und Kanye West.

Wie viel Arbeit steckt eigentlich in Ihren Texten für einen Top-10-Clip?

Estes: Da alles schnell gehen muss, ist es eine hochintensive Arbeit in einer kurzen Zeitspanne. Insgesamt arbeiten vier Leute pro Tag an der Top 10, die die Clips zusammenstellen. Ich schaue mir alle Plays an und im Idealfall schießen mir bei sechs oder sieben davon sofort Ideen in den Kopf, den Rest mache ich aus dem Stegreif. Früher habe ich 95 Prozent der Calls improvisiert und nur fünf Prozent waren vorbereitet, mittlerweile ist es mehr 50/50. Meine Richtlinie dabei ist: Je verrückter, desto mehr Fans gefällt es. Bei manchen Calls denke ich mir selbst, ich bin ein Idiot. Und die werden dann am meisten abgefeiert.

Haben Sie nach all den Jahren Top-10-Erfahrung so etwas wie einen Reim-Baukasten, aus dem Sie sich bedienen?

Estes: Manchmal trifft es mich mitten am Tag und mir kommt ein guter Einfall. Das notiere ich mir auf meinem Handy, mittlerweile hat sich eine lange Liste angesammelt mit Ideen. Da ich auch für die australische NBL die Top 10 mache und einige Teams mich für teamspezifische Top 10s anfragen, muss ich eine Menge Content liefern.

GOATmentator Beau Estes über das beste Play seiner Laufbahn

Es gibt mehrere Reddit-Threads, in denen Sie von NBA-Fans gefeiert werden, gleiches passiert regelmäßig auf Twitter. Bei den Fans scheint Ihre Art anzukommen.

Estes: Wir haben sehr klein angefangen, aber die Top 10 ist wirklich explodiert. Es ist zu etwas geworden, was manche gerne als "Larger than Life" beschreiben. Wir haben ziemlich früh erkannt, das ist genau das, was die Leute sehen wollen. So wie mich die NBA-Gemeinde auf Reddit oder Twitter behandelt, wird sonst niemand im Internet behandelt. Natürlich lese ich manchmal auch negative Dinge, aber ich erfahre so viel überwältigende Unterstützung, die Fans sind wundervoll zu mir. Ich kann ihnen gar nicht genug dafür danken.

Wann kam eigentlich das erste Mal der Spitzname GOATmentator auf?

Estes: Vor ein paar Jahren machte mich einer unserer Produzenten darauf aufmerksam, dass bei YouTube und Reddit fleißig über meine Top 10s diskutiert wird. Er zeigte mir die Kommentare und da war schon von GOATmentator die Rede. Das ist irgendwie an mir hängengeblieben, obwohl es natürlich ziemlich albern ist. Ich könnte das niemals über mich selbst sagen, das wäre sehr eingebildet. Aber man kann gut darüber lachen.

Sie haben in Ihrer Laufbahn mehr Highlights gesehen als wahrscheinlich jeder andere Mensch auf diesem Planeten. Gibt es ein Play, das aus all den Jahren für Sie besonders hervorsticht?

Estes: Da gibt es mehrere, zum Beispiel der Dunk von Blake Griffin über Timofey Mozgov 2010. Man muss sich meine Aufnahmekabine im Büro als eine Art dick gepolsterten Sarg vorstellen, man kann darin nichts hören. Als Griffin über Mozgov gedunkt hat, explodierte der Newsroom. Ich musste mein Voiceover stoppen, weil es so laut war. Das war unglaublich.

Beau Estes: "Highlight-Plays sind wie visuelle Süßigkeiten"

Kam sowas öfters vor?

Estes: Der einzige andere Moment, in dem ich in meiner Aufnahmekabine von außen Geräusche gehört habe, war während des 37-Punkte-Viertels von Klay Thompson gegen die Kings 2015. Meine Kollegen haben verrückt gespielt. Ich habe die Aufnahme unterbrochen, da bei jedem Wurf von Klay Jubel im Hintergrund zu hören war. Bezüglich der All-Time-Highlights muss man wohl auch den Gamewinner von Stephen Curry fast von der Mittellinie in Oklahoma City erwähnen oder LeBrons Dunk über Jason Terry oder sein Block in den Finals gegen Andre Iguodala ...

Je mehr Sie darüber nachdenken, desto mehr Plays kommen Ihnen offenbar in den Sinn.

Estes: Ich könnte wahrscheinlich noch zwei Stunden hier sitzen und Highlights runterrattern. (lacht) Das sind wie visuelle Süßigkeiten, man kann nicht genug davon bekommen. Das liebe ich so an meinem Job: Meine Aufgabe ist es, den Fans die pure Freude des Basketballs näher zu bringen. Im Umfeld der NBA leisten sehr viele Leute sehr wichtige Arbeit zum Beispiel im Analytics-Bereich oder bei der Analyse von einzelnen Spielzügen. Aber damit bekommt man nicht die Ohhs und Ahhs der Fans. Ich liebe es, dass ich jeden Abend meine Leidenschaft mit der Welt teilen darf.

Blicken wir mal auf die anstehende Saison. Gibt es spezielle Spieler, auf die sich aus der Highlight-Perspektive besonders freuen?

Estes: Das sind vor allem die Rookies. Ich habe Jalen Green schon spielen sehen, als er noch an der High School war. Damals wurde gesagt: Er ist der nächste Kobe Bryant. Gut möglich, dass Cade Cunningham der bessere Spieler wird, aber Green ist eine "Highlight-Machine"- und da habe ich auch schon meinen ersten Reim. Ich kann es kaum erwarten, ihn auf dem NBA-Court zu sehen. Die Rockets werden viele Niederlagen kassieren, aber Green wird dafür in vielen Top 10s dabei sein.

GOATmentator Estes: "Westbrook ist ein einziges Highlight"

Und auf welche Teams werden Sie besonders schauen?

Estes: Minnesota wird Spaß machen, vor allem dank Anthony Edwards. Oder auch die Charlotte Hornets mit LaMelo Ball. Ich bin gespannt, wie viele Top 10s die Lakers knacken werden. Sie sind ein älteres Team, sie werden in der regulären Saison eher kontrolliert spielen, um sich auf die Playoffs vorzubereiten. Aber auch die Lakers werden sicherlich ihre Momente haben.

Russell Westbrook ist zum Beispiel immer für einen Highlight-Dunk gut.

Estes: Westbrook ist ein einziges, großartiges Highlight. Ich liebe diesen Typen. Ich weiß, er ist nicht der effizienteste oder modernste Spieler. Aber seine Intensität, seine Leidenschaft, das respektiere ich. Es wird spannend, wie es mit ihm in L.A. funktioniert, wie LeBron auf diese wilde Intensität von Westbrook reagiert. Er kann das nicht abschalten. Er wird nicht Anthony Davis anschreien, Carmelo Anthony anschreien und dann nichts zu LeBron sagen. Da wird jeder was zu hören bekommen. Mal sehen, wie das abläuft, wenn Russ das erste Mal LeBron ins Gesicht brüllt.

In der NBA geht es natürlich nicht nur um Top-10-Highlights. Deshalb zum Abschluss die Frage: Ihr Championship-Tipp?

Estes: Die Nets sind das beste Team der Liga. Wenn jeder gesund ist, gewinnt Brooklyn den Titel. Sie sind besser als die Lakers, haben mehr Talent, sind im Vergleich näher an ihrem Zenit. Allerdings haben wir in den vergangenen Jahren gelernt, was für eine riesige Rolle Verletzungen spielen. Wenn die Nets aber ihr bestes Team aufbieten können, dann sind sie das beste der Liga.

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