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NBA Draft 2021 - Cade Cunningham als möglicher Top-Pick: Amerikas Antwort auf Luka Doncic

Cade Cunningham ist der Favorit auf den Top-Pick im Draft 2021.

Noch ist nicht klar, wann der Draft 2021 steigen wird, einen klaren Favoriten gibt es trotzdem. Cade Cunningham kam mit großen Vorschusslorbeeren aufs College und konnte diese bisher bestätigen. Als großer Flügel-Spielmacher gibt es offensichtliche Parallelen zu Luka Doncic, trotzdem bleiben kleine Fragezeichen.

Ein gutes Drittel in der NBA ist gespielt und langsam nimmt auch die Tabelle Formen an. Die wenigen Spitzenteams setzen sich ab, dahinter gibt es jede Menge Mittelmaß. Aber es kristallisieren sich auch die Mannschaften heraus (Detroit, Cleveland, Orlando, OKC, Minnesota), die mit den Playoffs nichts zu tun haben werden und den Blick schon jetzt gen Draft richten können.

Und das könnte sich bei diesem Jahrgang durchaus lohnen. Es herrscht die Meinung vor, dass bis zu fünf Spieler dieses Jahrgangs im Draft 2020 vor Anthony Edwards, dem aktuellen Top-Pick, über die Ladentheke gegangen wären. Einer von ihnen sticht hier noch einmal hervor und hört auf den Namen Cade Cunningham.

Viel Zeit werden die Teams jedoch nicht mehr haben, Cunningham zu sehen. Seine Oklahoma State Cowboys sind wegen unlauteren Rekrutierungsmethoden vom NCAA-Tournament ausgeschlossen. Das ist jammerschade, schließlich hat der 19-Jährige die Cowboys beinahe im Alleingang zu einem Top-30-Team im Land transformiert.

Cunningham ist mit 2,05 Metern der nächste übergroße Spielmacher, der in die Liga drängt, nachdem sich mit Luka Doncic oder LaMelo Ball dieser Trend in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat. Aufgrund der Zusammensetzung der Cowboys agiert Cunningham meist auf dem Flügel, in der NBA dürfte er aber vornehmlich als Point Guard eingesetzt werden.

Cade Cunningham: Seine Statistiken für die Oklahoma State Cowboys pro 40 Minuten

SpielePunkteFG%3P%ReboundsAssistsStealsBlocks
1822,043,744,6 (37/83)7,14,31,71,1

In seinen 18 Spielen legte Cunningham zwar bisher erst 3,7 Assists im Schnitt auf, allerdings ist OSU ein so schlechtes Shooting-Team, dass der potenzielle Top-Pick keine echten Abnehmer für seine Zuspiele hat. Cunningham ist mit über 44 Prozent sogar der beste Dreierwerfer, der Rest des Teams trifft knapp über 31 Prozent bei nicht einmal 15 Versuchen pro Spiel - und das, obwohl gegnerische Teams Cunningham mit drei, vier Spielern verteidigen und den Perimeter oft völlig verwaist lassen.

Und doch hat OSU bisher 14 von 20 Spielen gewonnen, vier der sechs Niederlagen waren maximal 3-Punkte-Spiele. Im Vorjahr hatten die Cowboys hingegen eine negative Bilanz. Es spricht für Cunningham, dass er in der Lage ist, trotz der großen Limitationen sein Team besser zu machen. Einem Ben Simmons gelang dies in einer ähnlichen Situation 2015/16 bei LSU zum Beispiel nicht.

Cunningham betonte mehrfach, dass für ihn die eigenen Zahlen nicht so sehr im Vordergrund stehen und opferte nach wenigen Spielen sogar seine Point-Guard-Rolle, weil mit Isaac Likekele ein weiterer solider Spielmacher im Kader steht. Er musste das nicht tun, schließlich hatte nur er etwas zu verlieren.

Als OSU wenige Monate nach Cunninghams Zusage für das NCAA-Tournament gesperrt wurde, stand der Youngster zu seinem Wort, vermutlich auch weil sein Bruder dort als Assistant Coach fungiert. Er hätte aber auch einfach aussetzen oder in die G-League gehen können, sein Platz als Top-Pick galt schon damals als recht sicher.

Cade Cunningham: Stärken

  • Cunninghams größte Stärke ist sein All-Around-Game. Er ist ein guter Scorer, in dieser Saison zumindest ein guter Schütze (dazu gleich mehr), ein exzellenter Passgeber, besitzt ein gutes Näschen für Rebounds und kann sowohl Forwards als auch Guards verteidigen. Eine solche Mischung und das Fehlen einer klaren und offensichtlichen Schwäche sieht man recht selten - erst recht bei einem 19-Jährigen.
  • Entsprechend hoch ist auch sein Basketball-IQ. Cunningham versteht den Rhythmus des Spiels und wirkt auf dem College eher wie ein Senior als ein Freshman. Er wählt sich seine Momente geschickt aus, auch wenn es manchmal frustrierend ist, wenn er zwar das richtige Play macht, aber den Ball zu einem seiner wesentlich untalentierteren Mitspieler abgibt, was meist keinen Erfolg bringt. Es zeigt aber auch, dass Cunningham wenig von einer One-Man-Show hält.
  • Ebenfalls erfreulich ist sein Einsatz in der Defense. Seine langen Arme machen Cunningham noch größer, als er ohnehin schon ist, das paart er zudem mit guter Fußarbeit. Das Ergebnis ist, dass er Guards und auch mobile Forwards verteidigen kann, wobei seine Stärken vor allem abseits des Balles zum Tragen kommen. Bei OSU spielt er teilweise sogar Small-Ball-Center, das ist für die NBA aber eher unrealistisch.
  • Real sollte dagegen sein Pick'n'Roll-Spiel sein, wo seine zahlreiche Moves, Hesitation-Dribbles und Fakes besonders zum Tragen kommen. Cunningham besitzt eine exzellente Kontrolle über seinen Körper und kann so gegnerische Verteidiger immer wieder aushebeln respektive täuschen. Trotz durchschnittlicher Quoten war es zudem erstaunlich, mit welcher Kraft und Entschlossenheit er gut verteidigte Abschlüsse am Ring nahm und traf.

Cade Cunningham: Schwächen

  • Positiv gesagt: Cunningham spielt in seinem eigenen Tempo. Aus ihm wird nie ein explosiver Scorer werden, der mühelos seinen Verteidiger schlägt und dann elitär abschließt. Bislang konnte er dies mit seiner Finesse und seinem Basketball-IQ überdecken. Es wird spannend zu sehen sein, ob dies auch in der NBA gelingen kann, wenn er maximal durchschnittlich athletisch sein wird. Gerade die Themen Abschluss am Ring und das Kreieren von eigenen Würfen werfen Fragen auf.
  • Wie sehr sollte man den 44 Prozent von der Dreierlinie trauen? Der Tenor war stets, dass Cunninghams Wurf ein großes Problem werden könnte, nun bekommt er immerhin 4,6 Versuche pro Spiel los. Auch die Freiwurf-Quote von 84,2 Prozent macht Hoffnung, trotzdem bleibt die Wurfbewegung nicht optimal. Der 19-Jährige gab zuletzt an, dass Shooting die größte Priorität in der Offseason war, Fortschritte sind durchaus zu erkennen.
  • Wo wird seine Position in der NBA liegen? Diese Frage stellt sich vor allem in der Defensive. So gut er dort ausgebildet ist, könnte er mit athletischen Forwards Probleme bekommen. Gleiches gilt auch für schnelle Guards, was für Teams in der Zusammenstellung der Mannschaft schwierig machen könnte. Gleichzeitig ist Cunningham auf der Gegenseite ein wandelndes Mismatch, hebt sich das also womöglich auf?!

Cade Cunningham: Der große Favorit auf den Top-Pick

Cunnigham ist ohne Frage der kompletteste Spieler des Jahrgangs und es sollte außer Frage stehen, dass er am Draft-Abend, wann auch immer dieser sein wird, als Erster aufgerufen wird. Der Spielmacher wird seinen Platz in der NBA finden, die Frage wird sein, wie viel Luft nach oben tatsächlich noch in ihm steckt.

Durch die fehlende Athletik unterliegt Cunningham gewissen Limitationen. Ähnliche Bedenken gab es übrigens auch bei Doncic, dieser ist jedoch ein Meister darin, zum Korb zu kommen und dank seines bulligen Körpers hochprozentig abzuschließen. Cunningham trifft hingegen auf dem College gerade einmal knapp über 43 Prozent aus dem Zweierbereich.

Trotzdem sollte Cunningham in der NBA einiges auch leichter fallen, gute Mitspieler wären hier schon mal ein Anfang. Auf dem größeren NBA-Feld mit mehr Spacing sollten seine Stärken deutlich besser zum Tragen kommen, gerade im Pick'n'Roll, mit welchem sich Cunningham Platz verschaffen kann, könnte er ein absoluter Maestro werden.

Auch die Zahlen dürften dann saftiger aussehen, es sollte keinen verwundern, wenn Cunningham als Rookie in einer guten Situation mehrere Triple-Doubles produzieren würde. Kann er dann auch noch den Trend beim Werfen bestätigen, schlummert in Cunningham auf jeden Fall Franchise-Player-Potenzial, doch auch ansonsten sollte aus ihm ein Spieler auf All-Star-Niveau werden.

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