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NBA Above the Break: "Heat Culture" - Wie die Miami Heat es zurück in die NBA Finals geschafft haben

Die Miami Heat haben es wieder einmal in die NBA Finals geschafft - diesmal ohne klassischen Superstar.

Die Miami Heat sind nach 2014 zum ersten Mal zurück in den Finals - diesmal jedoch beim besten Willen nicht wie damals mit einer Star-Truppe. Die Heat haben sich verändert, zentrale Eckpfeiler sind aber gleich geblieben. Above the Break erklärt die immer wieder zitierte "Heat Culture".

Es ist endlich soweit: Heute Nacht starten die NBA Finals, Tip-Off von Spiel 1 zwischen den Los Angeles Lakers und Miami Heat ist um 3 Uhr - mit dem kostenlosen Probemonat von DAZN seid Ihr live dabei!

Seit 32 Saisons gibt es die Heat als NBA-Franchise. Drei Meisterschaften wanderten seither an den Südstrand, nun steht die bereits sechste Teilnahme an den Finals an. In 21 dieser Saisons nahm Miami an den Playoffs teil, richtig grausam waren die Heat nur in den ersten beiden Jahren sowie in der Saison 2007/08 (15 Siege).

Seitdem Pat Riley die Heat 1995 übernahm, ist die Bilanz mit nur sechs verpassten Postseasons sogar noch beeindruckender, kaum ein Team konnte über diese Jahre mit der Konstanz der Heat mithalten, geschweige denn ein Expansion-Team. Als Referenz: Die Charlotte Hornets, die im selben Jahr wie Miami in die Liga kamen, gewannen seither ganze vier Playoff-Serien.

Miami hat sich hingegen als Top-Franchise etabliert, wandelte mit nur kurzen Übergängen von einer Erfolgsära in die nächste: Den Grundstein legten Alonzo Mourning und Tim Hardaway in den späten 90ern, 2003 kam Dwyane Wade, 2006 der erste Titel mit Shaquille O'Neal, dann die vier Finals-Teilnahmen mit den Big Three. Nun stehen die Heat erneut auf der größten Bühne, und vielerorten wird Rileys Zusammenstellung dieses Teams sogar als sein größter Trick gefeiert.

Miami Heat als Antithese zum Tanking?

Nach dem Abgang von LeBron James 2014 und dem erzwungenen Karriereende von Chris Bosh sah der Ausblick Miamis verdammt düster aus, eine "normale" Franchise hätte höchstwahrscheinlich den Rebuild eingeleitet. Miami schlug einen anderen Weg ein. Miamis Erreichen der Finals ist ein Sieg der Kultur, der #HeatCulture, sozusagen eine Antithese zum verhassten Tanking.

Das liest und hört man derzeit oft, wie so oft ist es mit der Wahrheit allerdings nicht ganz so einfach. Miami hat viel richtig gemacht, gleichzeitig spielte das Glück auch eine Rolle und mehrere Verträge der letzten Jahre (wie für Tyler Johnson, James Johnson, Kelly Olynyk, Dion Waiters oder Hassan Whiteside) rangierten irgendwo zwischen mies und richtiggehend katastrophal.

Zudem hat Miami in seinem Standort einen Vorteil, den 90 Prozent der NBA-Teams nicht haben. Dass Shaq 2004 nicht in Charlotte landete, war kein Zufall, ebenso wenig wie die Zusammenkunft der Big Three. Der South Beach allein ist für viele Spieler ein Argument, um zumindest Meetings mit den Heat zuzustimmen.

Was wiederum nicht heißt, dass sie nicht auch selbst für viele Argumente sorgen würden. Einen guten Standort haben beispielsweise auch die Knicks, Rileys alte Liebe, die jedoch nunmehr seit Jahrzehnten fast alles andere falsch machen. Die Heat haben den Standort, Rileys Charme - aber sie ruhen sich eben nicht darauf aus.

Die Podcast-Vorschau zu den Finals gibt es hier!

Harte Arbeit an der Grenze zum Bodyshaming

Im Zentrum von fast allem, was die Heat machen, steht - so klischeehaft das klingt und so klischeehaft das von den Heat auch teilweise ausgeschlachtet wird - harte Arbeit. Die Heat definieren sich über teilweise militärische Strukturen, nicht aus Zufall fand das erste Training Camp der Big Three 2010 auf einer Militär-Basis statt.

Ständig werden die konditionellen und Körperfett-Werte aller Spieler gemessen, wer seine Linie nicht hält, verliert leicht auch mal seinen Kaderplatz. Schlechte konditionelle Werte werden am Ende von Trainingseinheiten vor dem gesamten Team ausgerufen, streng genommen betreiben die Heat "konstruktives" Bodyshaming.

"Diese Kultur ist echt", erklärte James Johnson, der von 2016 bis zum Anfang diesen Jahres in Miami spielte, mal dem Miami Herald. "Wir haben die Art von Trainingseinheiten, bei denen man nicht am Abend davor die ganze Zeit unterwegs sein kann. Denn wir werden es ansprechen, wenn du nicht voll dabei bist. Alle hier im Team. Wir überlassen das nicht den Coaches, wir kümmern uns selbst darum."

Als Resultat sind die Heat ein unheimlich fittes Team; legendär war das Beispiel von Johnson selbst, der zuvor keineswegs als unfitter Spieler verschrien war, in Miami aber innerhalb eines Sommers 18 Kilo abnahm und das beste Jahr seiner Karriere spielte. Waiters, aber auch LeBron James waren andere Beispiele. Der King blieb nicht in Miami, hat den Fokus auf unglaubliche Fitness aber in seiner weiteren Karriere beibehalten.

Pat Riley und Erik Spoelstra sind schon ein Vierteljahrhundert in Miami

Der Grundstein dafür wurde wiederum schon von Riley und Mourning gelegt - womit wir bei der nächsten Säule der Heat-Kultur wären. Die institutionelle Kontinuität ist diesseits von San Antonio fast beispiellos. Mourning beendete Anfang 2009 seine aktive Karriere, seit dem Juni desselben Jahres ist er als Vice President of Player Programs and Development für die Heat tätig.

Riley ist bereits ein Vierteljahrhundert in Miami tätig, Erik Spoelstra fing sogar schon ein paar Wochen eher an und arbeitete sich mit der Zeit vom Video-Koordinator zum Assistant Coach und 2008 sogar zu Rileys Nachfolger hoch. Die Loyalität zwischen beiden konnte auch nicht erschüttert werden, als die Big Three während der ersten gemeinsamen Saison fragten, ob Riley nicht doch wieder auf die Trainerbank zurückkehren wollte. Es gab keine Diskussion.

Mit dieser Loyalität versuchen die Heat auch ihre wichtigsten Spieler zu behandeln, auch wenn dies mit Wade kurzzeitig anders lief ("Mein größter Fehler", sagte Riley über dessen Abgang nach Chicago). Udonis Haslem ist so ein Fall. Seit gut fünf Jahren spielt der Veteran sportlich eigentlich keine Rolle mehr, Miami behält ihn jedoch als Mentor und "Fahnenträger", wie Riley es gern ausdrückt, und reserviert ihm solange einen Kaderplatz, wie Haslem das will.

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