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NBA

"Eifersüchtig auf Dirks Karriere"

Von Interview: Toby Rochau
Zaza Pachulia kam von den Milwaukee Bucks zu den Dallas Mavericks
© getty

Zaza Pachulia soll die Lücke schließen, die Tyson Chandler bei den Dallas Mavericks (Von SA auf SO ab 2.30 Uhr im LIVESTREAM FOR FREE) hinterließ. Der Center spricht im Interview über seine schwierigen Anfänge in Georgien, schwärmt von Jason Kidd und Dirk Nowitzki und erklärt, warum er nie wieder ein Restaurant eröffnen wird.

SPOX: Herr Pachulia, wie kamen Sie eigentlich zum Basketball? Georgien ist jetzt nicht gerade als Basketball-Hochburg bekannt.

Zaza Pachulia: Doch, doch. Basketball ist bei uns durchaus eine beliebte Sportart. Das liegt daran, dass zu Zeiten der Sowjetunion häufig georgische Spieler Schlüsselrollen in der Nationalmannschaft hatten und sich bei Olympia mit den USA duellierten. Als wir unabhängig wurden, hatten wir allerdings wirklich eine schwere Zeit. Die Wirtschaft lag am Boden und es gab eine hohe Arbeitslosigkeit. Und die Probleme gab es eben nicht nur in der Politik, sondern auch im Sport. Da war der Basketball natürlich auch betroffen.

SPOX: Wie muss man sich das vorstellen?

Pachulia: Es gab keine Liga und damit auch keine organisierten Spiele. An einigen Tagen war es schwer zu trainieren, weil es nicht mal Wasser und Strom gab. Das hat sich zum Glück in den letzten Jahren geändert. Das Talent und die Liebe zum Basketball waren bei uns immer vorhanden. Jetzt gibt es Trainingshallen und die Regierung unterstützt den Basketballverband. So haben viele Kinder die Möglichkeit, Basketball zu spielen. Diese Veränderungen tragen schon Früchte. Wir haben uns jetzt drei Mal in Folge für die EuroBasket qualifiziert. Das ist noch keinem Team in Georgien gelungen. Bei der letzten EM sind wir nur knapp an Litauen gescheitert. Wir können mit allen Teams in Europa mithalten und müssen uns längst nicht mehr verstecken.

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SPOX: Sie waren bereits mit 13 Jahren 2,03 Meter groß. Wie hat das Ihr normales Leben als Teenager beeinflusst?

Pachulia: Das sind immerhin sieben Zentimeter weniger als ich jetzt messe. (lacht) Aber im Ernst, ich war eigentlich schon immer groß, daher war das normal für mich. Es liegt in meiner Familie. Meine Mutter hat schon Basketball gespielt und mein Dad war Judoka. Das liegt einfach in den Genen, genau wie die Liebe zum Sport.

SPOX: Mit 15 Jahren haben Sie Ihre Familie aber bereits verlassen. Der türkische Klub Ülkerspor entdeckte Sie und holte Sie in die Türkei. Wie schwer war es, Ihre Heimat zu verlassen?

Pachulia: Ich war sogar erst 14. Es war auf jeden Fall eine der besten Entscheidungen in meinem Leben. Wie gesagt, die Verhältnisse in Georgien waren zu der Zeit schrecklich. Es war nicht möglich, vernünftig Basketball zu spielen. Dass ich dann die Möglichkeit bekam, in die Türkei zu gehen, war sensationell. Ich hatte schließlich schon damals den Traum, irgendwann mal in der NBA zu spielen und Ülkerspor war die richtige Organisation, um diesem Traum nachzugehen. Sie waren damals eins der Topteams in Europa und das Trainerteam hat mir sehr geholfen. Ich hatte großartige Leute um mich herum.

SPOX: Ihr Start in der NBA verlief dann aber holprig. In den ersten drei Jahren hatten Sie drei verschiedene Teams. Was haben Sie damals gedacht? Richtig zuhause konnten Sie sich zu dem Zeitpunkt nicht fühlen.

Pachulia: Orlando draftete mich als 19-Jähriger, dann wählte mich Charlotte ein Jahr später im Expansion Draft aus, aber ohne eine Minute für die Bobcats gespielt zu haben, ging es weiter nach Milwaukee. Das war echt schwierig, aber im zweiten Jahr wurde es dann besser. In Atlanta habe ich dann die Chance bekommen und gleich viele Minuten erhalten. Das waren acht wirklich großartige Jahre. Dort habe ich auch meine ersten Playoff-Erfahrungen gesammelt. Ich habe mich dort zuhause gefühlt.

SPOX: Doch dann ging es wieder zurück nach Milwaukee...

Pachulia: Richtig, das war noch einmal ein riesiger Schritt für mich. Wir hatten ein großartiges Team und unter Jason Kidd zu spielen, war eine meiner besten Erfahrungen in meiner Karriere. Er hat selbst mich in meinem Alter noch verbessert. Er macht einfach jeden besser. Er hat nur ein paar kleine Dinge geändert, aber die Auswirkungen waren riesig. Wir haben uns schließlich für die Playoffs qualifiziert und es hat total viel Spaß gemacht. Ich bin echt dankbar für das eine Jahr in Milwaukee. Jetzt freue ich mich aber auch auf meine Zeit in Dallas.

SPOX: Kommen wir noch einmal auf Ihre Zeit in Atlanta zurück. Sie eröffneten damals ein Restaurant. Haben Sie es noch? Wie kam es dazu?

Pachulia: Nein, nein, das war nur vorübergehend. Ich kann Ihnen nur eins empfehlen: Eröffnen Sie niemals ein Restaurant. Ich dachte, ich kann es nebenbei machen, aber das geht einfach nicht. Du musst immer da sein. Ich musste es daher wieder schließen. Keine Restaurants mehr für mich.

SPOX: Also auch kein Steak House in Dallas?

Pachulia: (lacht) Nein, kein Steak House in Dallas. Ich habe aber eine Basketball-Schule in Georgien aufgemacht. Wir haben insgesamt vier Felder und Platz für 800 Kinder. Das ist einfach fantastisch für die Kinder. Sie lernen da nicht nur Basketball spielen, sondern auch etwas über gesunde Ernährung und das richtige Verhalten außerhalb des Platzes. Basketball besteht aus so vielen Komponenten. Es ist wichtig, Englisch zu lernen, dann spielt auch Psychologie eine Rolle. Ich bin so stolz, dass ich den Kindern diese Möglichkeit geben kann. Die Kinder sollen in besseren Verhältnissen aufwachsen als ich.

SPOX: Das ist wirklich besser als ein Steak House. Lassen Sie uns über die Mavericks sprechen. Was bedeutet es für Sie, nun an der Seite von Dirk Nowitzki zu spielen?

Pachulia: Ich kenne Dirk natürlich schon lange und habe seine Karriere bereits beobachtet, als ich noch ein Junge war. Diese Spieler wie Dirk oder Vlade Divac machen mich als Spieler besser. Sie zeigen, dass die Träume, die man hat, realisierbar sind. Sie haben für so viele europäische Spieler die Türen in die NBA geöffnet. Ich habe jetzt dieselbe Verantwortung und werde anderen Georgiern helfen, ihren Traum zu erfüllen. Ich habe schon mit so vielen Spielern gespielt, aber Dirk ist noch mal eine andere Kategorie. Schauen Sie sich doch nur um. (zeigt auf Dirk in der Trainingshalle) Er schmeißt immer noch Bälle auf den Korb und ist wie immer der Letzte in der Halle. Ich kann selbst mit meinen 31 Jahren noch so viel von ihm lernen. Im positiven Sinne kann man echt eifersüchtig auf seine Karriere sein. Die Dinge, die er erreicht hat, werden nicht viele erreichen. Es ist wirklich eine Ehre, dass ich mit ihm spielen darf.

SPOX: Die Western Conference ist wie in den letzten Jahren wieder randvoll mit sehr guten Teams. Können es die Mavs trotzdem in die Playoffs schaffen?

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Pachulia: Ich glaube, dass wir eine gute Rolle spielen können, wenn wir fit sind. Wir haben ein gutes Team mit ehrgeizigen Spielern und eine Siegermentalität. Es würde mich nicht wundern, wenn wir einige überraschen. Ich erwarte mir eine Menge.

SPOX: Wer wird der größte Konkurrent sein?

Pachulia: Ich gehe davon aus, dass Mannschaften wie Portland, Phoenix und Denver mit uns um die Playoffs spielen werden. Aber wer weiß schon, wie es läuft. Vielleicht können wir auch Teams wie Oklahoma City oder San Antonio ärgern.

SPOX: Abschließend noch eine Frage zu Ihrem neuen Teamkollegen JaVale McGee. Er gilt ja als einer der lustigsten Typen in der NBA. Wie haben Sie ihn bislang wahrgenommen?

Pachulia: Zur Zeit ist er eigentlich sehr fokussiert und macht alles dafür, um wieder gesund zu werden. Aber er ist schon ein lustiger Typ und wenn er im Training mal einen Dunk raushaut, kann man nur staunen. Die Leute in Dallas werden viel Spaß mit ihm haben.

Der Kader der Mavericks im Steckbrief

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