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NBA

Wie aus einer anderen Welt

Von Max Marbeiter
Gregg Popovich, Tim Duncan und Tony Parker (v.r.n.l.) gewannen mit den Spurs 2014 den Titel
© getty

San Antonios Teambasketball brachte den Spurs nicht nur ihre fünfte Meisterschaft, er stand teilweise auch in Kontrast zu allgemeinen Tendenzen in der NBA. Mit Hilfe von "SAP - hinter den Zahlen" versucht SPOX zu erkären, was Gregg Popovich' Spurs so besonders macht.

Inside- statt Perimeterspiel: In den vergangenen Jahren hat die NBA ihre Vorliebe für den Dreier entdeckt. Eine innige noch dazu. Drei Punkte sind schließlich besser als zwei. Das klassische Inside-Spiel, das noch in den 90ern praktiziert und von versierten Big Men wie Hakeem Olajuwon, Patrick Ewing oder Shaquille O'Neal zelebriert wurde, stirbt zusehends aus. Hochprozentige Würfe hin oder her.

21,5 Mal drückten die Teams laut nba.com/stats vergangene Saison im Schnitt von jenseits des Perimeter ab. Zum Vergleich: 1990/91 traute man sich ligaweit lediglich in 7,1 Fällen den Wurf von draußen zu. Nun nahmen auch die San Antonio Spurs vergangene Saison 21,4 Dreier, unterscheiden sich damit auf den ersten Blick nur unwesentlich vom Rest der Liga. Allerdings pflegen insgesamt 15 Mannschaften eine innigere Beziehung zum Distanzwurf als Timmy, Manu, Tony und Co., die Timberwolves immerhin dieselbe.

Deshalb zu behaupten, San Antonio sähe den Wurf von draußen nicht als probates Mittel, wäre jedoch übertrieben - und noch dazu irreführend. Schließlich traf vergangene Saison kein Team den Dreier sicherer als die Spurs (39,7 Prozent).

Big Men als essentieller Baustein

Vielmehr drücken die 21,4 Triple pro Spiel aus, was im Grunde ohnehin bekannt ist. Coach Gregg Popovich balanciert seine Offense bestmöglich aus, möchte nur gute, offene Würfe sehen und missachtet den gezwungenen Schuss. Auch deshalb haben Big Men in San Antonio, entgegen der allgemeinen Entwicklung, durchaus ihre Daseinsberechtigung. Mehr noch: Sie sind essentieller Bestandteil von San Antonios Offense.

So stehen mit Tim Duncan und Tiago Splitter bei Tipoff im Normalfall zwei klassische Bigs auf dem Court. Zwei Bigs, die nicht Richtung Dreierlinie ausweichen, um von dort wie wild drauf loszuballern, als hätten sie einen Sommer lang Pickup-Games mit Josh Smith gespielt. Zwei Bigs, die mit Vorliebe rund um die Zone oder direkt in Brettnähe scoren. In der Konsequenz nimmt San Antonio die zweitmeisten Würfe in Ringnähe (17,5). Einzig die Wolves schlossen vergangene Saison häufiger am Brett ab (18 Würfe pro Spiel).

Ein Blick auf San Antonios Shotchart verrät zudem, dass die Spurs von überall rund um die und in der Zone häufiger abschließen als das durchschnittliche NBA-Team. Einzig der rechte Elbow bildet eine Ausnahme, erhärtet jedoch gleichzeitig den Verdacht, dass in Texas rein gar nichts dem Zufall überlassen wird.

Duncans Sweetspot

Nicht ganz zufällig trifft Tim Duncan von rechts oben am Zonenrand über Ligadurchschnitt (45 Prozent während der Regular Season, 45,45 Prozent während der Playoffs) - die Spurs als Team ebenfalls (45,96 Prozent FG), nehmen im Vergleich aber weniger Würfe als das Ligamittel (322 während der Regular Season).

Heißt: Der rechte Elbow ist Timmy-Land. Coach Pop hat den Sweetspot seines treuen Weggefährten gefunden und lässt ihn dort einsetzen. Der Rest des Teams überlässt den Elbow dem "Big Fundamental" - und es funktioniert.

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Überhaupt verrät das Shotchart einiges über die so beeindruckende Offense des Meisters. So nahmen die Spurs beispielsweise mehr Corner-Threes als ligaweit üblich, was in Theorie dem ersten Eindruck eines Inside-orientierten Teams widersprechen könnte. Andererseits ist der Dreier aus der Ecke, der aus Coach-Sicht vertretbarster aller Triples. Der Grund: Anstatt am Mann abzudrücken, wird in der Ecke auf den Assist gewartet, was in einer derart passorientierten Offense, wie sie San Antonio zelebriert, durchaus als probates Mittel erscheint.

Während der Playoffs, in denen das Spiel langsamer, der Wurf meist besser verteidigt ist, verlegten die Spurs ihre Offense noch deutlich mehr Richtung Brett. Hochprozentige, einfach Abschlüsse statt Glücksspiel von draußen, schien Coach Pop seinen Spielern angeordnet zu haben.

Der Drive als Waffe

Da passt es auch ins Bild, dass abgesehen von den Miami Heat nach dem Drive kein Team hochprozentiger abschloss als San Antonio (51,9 Prozent). Einerseits besitzt der Meister wie die Heat (LeBron James, Dwyane Wade) mit Tony Parker, Kawhi Leonard und Manu Ginobili das richtige Material, andererseits verlassen sich die Spurs allerdings nicht allein auf die Qualitäten ihrer drei Slasher.

Häufig wird versucht, die gegnerische Defense durch ein buntes Potpourri an Pässen und Screens kollabieren zu lassen, um dann den freien Weg zum Korb vorzufinden. Auch der Kickout wird gern genommen (40,7 Prozent 3FG im Catch-and-Shoot; ligaweit Rang drei). All das kulminierte vergangene Saison in der zweibesten Effective-Field-Goal Percentage der gesamten Liga (53,7 Prozent eFG%).

Seite 1: Inside- statt Perimeterspiel

Seite 2: Die Minutenverteilung

Seite 3: Die Lineups

Seite 4: Assists/Passing

Seite 5: Touches

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