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NBA

Zwischen Energizer und Buhmann

Von Philipp Dornhegge
Nach seiner starken Leistung in Spiel vier erlebte Lance Stephenson in Miami eine harte Landung
© getty

Nach dem Sieg in Spiel fünf feiern die Miami Heat neben LeBron James vor allem ihre Energizer. Chris Andersen allerdings droht nach einem Ausraster eine Sperre. Nicht gesperrt wird bei den Indiana Pacers Lance Stephenson, dennoch steht er in der Kritik. Der 22-Jährige spielte katastrophal, doch sein Coach weiß, was er an dem jungen Shooting Guard hat.

Frank Vogel hatte es nach Spiel vier gegen die Miami Heat auf den Punkt gebracht: "Wenn Lance Stephenson schlecht spielt, haben wir für gewöhnlich Probleme. Ist er gut, sind auch wir als Team gut. Er ist unser Barometer."

Nun hatte Stephenson in der vierten Partie, die die Indiana Pacers mit 99:92 gewannen, grandios aufgetrumpft, 20 Punkte erzielt, hochprozentig getroffen und vor allem mit seinem vermeintlich unerschütterlichen Selbstvertrauen dem Gegner den Schneid abgekauft.

Der Shooting Guard war der Golden Boy, derjenige, der die Pacers auf ein neues Level hebt. Das ist erst zwei Tage her - und scheint doch längst Geschichte zu sein. Denn in der fünften Partie kehrte die Serie nach Miami zurück - und dort sollte Stephenson einen rabenschwarzen Abend erleben.

Mit zwei frühen Fouls gegen LeBron James und Dwyane Wade brachte er sich selbst um die Chance, in die Partie zu finden. Nach nicht einmal zweieinhalb Minuten musste der 22-Jährige schon wieder auf der Bank Platz nehmen.

Heat-Fans verhöhnen Stephenson

Für die Fans in der AmericanAirlines Arena ein gefundenes Fressen, hat sich doch Stephenson mit seiner überheblichen Art, die seinen Fähigkeiten nach ihrer Meinung nicht annähernd angemessen ist, viele Feinde gemacht.

Stephenson scheut nicht davor zurück, sich im Trash Talk mit Wade aufzureiben oder James im One-On-One zu verteidigen, weil er sich diesen Herausforderungen - so verrückt das klingen mag - gewachsen sieht.

Deshalb ist das, was Coach Vogel sagt, auch nicht verwunderlich: Kann Stephenson seine Arroganz rechtfertigen und gegen die Stars der Heat seinen Mann stehen, dann sind die Pacers in einer guten Position.

Und können vor allem zu Hause ihre eigenen Fans mitreißen. Stephenson fungiert dann als Energizer.

Backcourt lässt Frontcourt im Stich

Ist Stephenson von der Rolle, wird vom Gegner bloßgestellt oder bekommt viele Fouls angehängt, dann geht der Plan gerade auswärts nach hinten los.

Wie in Spiel 5. Von seinen Fouls sowie den Pfiffen und Beschimpfungen der Heat-Anhänger aus der Bahn geworfen, traf Stephenson in 28 Minuten Spielzeit nur 2 seiner 7 Würfe und kam auf mickrige 4 Punkte.

Dem gegenüber standen letztlich 6 Fouls und 3 Ballverluste. Gepaart mit der Nicht-Leistung von Point Guard George Hill (0/4 Field Goals, 1 Punkt, 3 Turnover) wird schnell deutlich, woran gerade das Offensivspiel des Underdogs krankte.

"Wir hatten nicht genug Feuer", erklärte David West, sagte aber auch. "Wir haben nicht gut verteidigt. So wird es extrem schwierig, noch irgendein Spiel zu gewinnen. Wir haben uns von der Umgebung, von den Fans einschüchtern lassen und haben nicht reagiert."

Turnover brechen Pacers erneut das Genick

"Nicht reagiert" ist allerdings eine freundliche Beschreibung für das, was Indiana insbesondere im Umgang mit dem eigenen Ballbesitz anstellte.

17 Turnover waren ein Rückfall in die schlimmsten Zeiten des Pacers-Teams und vier bzw. fünf mehr als bei den Siegen in Spiel zwei und vier. Die aggressive Heat-Defense störte den Rhythmus und sorgte für zittrige Knie.

Dem gegenüber standen 11 Assists bei 31 Field Goals. Ein Wert, der belegt, dass die Pacers von ihrem Ball Movement abrückten bzw. es nicht so präzise wie zuletzt durchzogen.

Stattdessen war der Gast auf Heldentaten der starken Paul George (27 Punkte, 11 Rebounds), Roy Hibbert (22 Punkte) und West (17) angewiesen.

Augustin und Young unbrauchbar, Hansbrough verletzt

Von der Bank kam wenig - und das war unter diesen Umständen auch nicht überraschend. D.J. Augustin und Sam Young haben keinerlei Selbstvertrauen, dass ausgerechnet Tyler Hansbrough (der konstanteste und bissigste Reservist) mit einer Knöchelverletzung aus dem Spiel ausschied, tat weh.

Die Miami Heat hatten - und das war erschreckenderweise in dieser Serie nicht immer der Fall - einfach mehr Waffen.

Sie waren aggressiver, mental bereit für dieses so wichtige Spiel und wurden von den Anhängern vorbildlich unterstützt.

Und so stark LeBron James auftrumpfte: Die Beiträge von Chris Andersen und Udonis Haslem darf man auf keinen Fall vergessen.

Andersen hätte disqualifiziert werden müssen

Andersens Block gegen Hansbrough im zweiten Viertel brachte die Arena zum Kochen, mit einem Layup und einem Jumper blieb der Center auch im fünften Spiel der Serie ohne Fehlwurf. Dazu kommt seine nicht zu ersetzende Defense im Low Post.

Man muss allerdings einschränkend sagen, dass Andersen nach zwei heftigen Schubsern und allerlei Beschimpfungen gegen Hansbrough schon im zweiten Viertel hätte vom Platz fliegen müssen.

Die Schiedsrichterentscheidung auf ein Flagrant Foul erster Kategorie war falsch, Andersen UND Hansbrough mit einem technischen Foul zu belegen eine Ungerechtigkeit erster Güte am Pacers-Backup.

Unter Umständen wird die Liga Andersen für das sechste Spiel noch sperren, in Spiel fünf mischte er allerdings weiter unbehelligt mit.

Haslem erneut X-Faktor der Heat

Haslem wiederum machte es wie in Spiel drei, als Miami die Pacers aus der Halle schoss: Er nahm 9 Würfe, traf 8 und kam auf 16 wichtige Punkte.

Der wohl zäheste Heat-Spieler (aller Zeiten) rieb sich trotz Größennachteilen in der Defense auf und nahm sich im dritten Viertel David West zur Brust, der nach einem Schubser von Mario Chalmers stinksauer war und den Heat-Spielmacher angehen wollte.

Haslem war auch derjenige, der mit starken Boxouts die zahlreichen Offensivrebounds, die die Pacers zuletzt so stark gemacht hatten, auf ein Minimum beschränkte (6).

"UD war überragend", befand auch LeBron James. Coach Erik Spoelstra sagte: "Mit seiner physischen Spielweise hat er den Ton angegeben."

Andersen: Sperre oder nicht?

Und damit erneut mäßige Vorstellungen von Wade (10) und Chris Bosh (7) abgefangen. Sollten sich die beiden Stars entschließen, auch noch etwas zum Spiel des Meisters beizutragen, wäre das wohl das Ende der Pacers.

Verletzungen und Matchup-Probleme lassen ein plötzliches Auftrumpfen allerdings fraglich erscheinen.

Und so hat Indiana weiterhin alle Möglichkeiten, in der Serie zu bleiben und sie mit einem Sieg im heimischen BankersLife Fieldhouse zu verlängern.

Vor allem wenn Andersen tatsächlich gesperrt würde. Dann würde Miami sein Energizer fehlen, die Unterlegenheit unter den Körben würde noch eklatanter.

Hill: "Muss aggressiver sein"

Auf der anderen Seite hat Indiana genug eigene Baustellen: Es gilt, weitere Foulprobleme zu vermeiden (Indianas Starter standen nur 16 Minuten gemeinsam auf dem Court), die Ballverluste zu minimieren und wieder konsequenter den Ball in den Low Post zu bringen.

"Und ich muss einfach aggressiver sein, wenn wir das nächste Spiel gewinnen wollen", sagte Hill.

All-Star Paul George sah auch in Spiel fünf Positives: "Wir dürfen natürlich nicht so auftreten wie im dritten Viertel. Aber wenn man das wegnimmt, waren wir die ganze Zeit auf Augenhöhe."

Die Pacers werden sich auch wieder mehr von Stephenson erhoffen, ihrer Wildcard. "Mein Selbstbewusstsein ist groß. Ich muss mir nur immer wieder vor Augen führen, dass ich jeden Abend Leistung bringen muss", sagt er selbst. Für den Anfang würde es Indiana wohl reichen, wenn er in Spiel sechs zur Stelle wäre.

Ergebnisse und Spielplan im Überblick

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