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NBA

Vier außen, einer drin - und null Identität

Von Aufgezeichnet von Haruka Gruber
Vince Carter kommt ungehindert zum Wurf - World Peace, Howard und Kobe (v.l.) sind zu weit weg
© imago

 

Teil III: Die Defense - Zeugnis der Misere

Bei aller Abhängigkeit von Bryant im Angriff - die Offense ist nicht das Grundübel der Lakers. Bei den erzielten Punkten (6.) und bei der Feldwurfquote (8.) gehören sie sogar zu den besseren NBA-Teams.

In der Verteidigung hingegen zählt L.A. mit zu den miesesten der Liga: 23. bei den gegnerischen Punkten, 21. bei den Steals - und trotz Howard nur 12. bei den Blocks. "Die Lakers haben in der Substanz Probleme und das bildet sich in der Defense ab. Einerseits fehlt der kollektive Stolz. Andererseits gibt es dafür auch taktische Gründe", sagt Bauermann und führt den 39-jährigen Nash heran.

"Er ist nach wie vor ein begnadeter Spielmacher mit dem dritten Auge. Doch er war selbst zu seinen besten Zeiten athletisch limitiert, weswegen ihn die Coaches in der Verteidigung immer verstecken mussten. Die athletischen Grundlagen fehlen nun fast komplett, weswegen Nash die Lakers-Defense häufig entblößt. Die NBA ist mittlerweile so Aufbauspieler-orientiert, dass du den gegnerischen Point Guard vor dir halten musst. Stattdessen machen die Gegner Nash als Schwachpunkt aus und laufen Pick'N'Rolls, weil sie wissen, dass er endlos lange in den Blocks hängenbleibt. So klaffen Löcher, die auf Dauer nicht zu stopfen sind." (siehe Diashow)

Bezeichnend für den Fehler im System sei es, dass selbst Bryant hin und wieder den gegnerischen Point Guard deckt, um Nashs Schwächen zu kaschieren, obwohl er seine Kraft für den Angriff sparen sollte. Bauermann: "Das kann nicht sein."

Ein entscheidende Frage: Wer sonst soll Nash defensiv entlasten? Howard könnte von den physischen Voraussetzungen der vielleicht beste NBA-Help-Defender überhaupt sein, aber ihm fehlt die Fitness - und die letzte Opferbereitschaft und Motivation, den Mitspielern zu helfen (siehe Diashow).

"Ich sehe in der Mannschaft einfach keinen Beißer, der die anderen mit seiner Defense mitreißt. Da zeigt es sich, dass der Kader alt ist und viele versuchen, sich mit einem halbwegs vernünftigen Energiemanagement auf die spielentscheidenden Situationen zu konzentrieren", sagt Bauermann.

Selbst World Peace, Defensive Player of the Year 2004 und 2009 immerhin noch ins All-Defensive Second Team berufen, sei niemand, der ein Anker in der Verteidigung ist und Nash entlastet (siehe Diashow). Bauermann: "Mittlerweile ist World Peace eine stark gezähmte Version von Ron Artest. Wenn er sich danach fühlt, kann er ein dominanter Eins-gegen-Eins-Verteidiger sein. Wobei ich ohnehin nie als einen starken Mannschaftsverteidiger gesehen habe. Dafür benötigt man einen hohen Basketball-IQ: Wie funktioniert eine Defense? Welche Winkel gibt es? Wann muss ich den Mitspielern helfen?"

Vor allem mangelt es World Peace an der Hingabe, selbst schlecht auszusehen. "Einen willigen Mannschaftsverteidiger erkennt man daran, wie er sich verhält, wenn der direkte Gegenspieler ohne Ball auf der Weakside, der ballentfernten Seite, steht. Ein williger Mannschaftsverteidiger rutscht deutlich zur anderen Seite, um näher am Ballführenden zu sein, um frühzeitig auszuhelfen", sagt Bauermann.

"Es gibt allerdings viele Profis, die das nicht machen. Sie wollen keine Fouls riskieren, weil es ihrer Spielzeit schadet. Stattdessen wollen sie Rebounds für die Statistik sammeln. Daher orientieren sie sich am direkten Gegenspieler, bleiben an der ballentfernten Weakside und hoffen darauf, dass der Ballführende verwirft. Denn 70 Prozent aller verworfenen Würfe fallen auf der anderen Seite des Korbs runter - und wenn man den direkten Gegenspieler ausboxt, greift man sich einen leichten Rebound ab und sieht selbst gut aus."

Teil I: Die Suche nach Identität

Teil II: Kobe Version 2013

Teil III: Die Defense - Zeugnis der Misere

Teil IV: Dwight Howard als Hemmschwelle

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