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NBA

Vier außen, einer drin - und null Identität

Von Aufgezeichnet von Haruka Gruber
Vince Carter kommt ungehindert zum Wurf - World Peace, Howard und Kobe (v.l.) sind zu weit weg
© imago

 

Teil II: Kobe Version 2013

Die Lakers - ein Team aus unzähligen Superstars? Nein! Aus statistischer Sicht ist es ein Team bestehend aus nur einem Superstar: Kobe Bryant. Er mag zwar in diesem Sommer 35 Jahre alt werden, doch seine Leistungen sind die eines Spielers in der Blüte - gepaart mit dem Wissen eines Veteranen.

"Kobe war schon immer eine Blaupause von Michael Jordan. Das konnte man bereits in seiner Rookie-Saison erkennen, als selbst seine Haltung des Kopfs an ihn erinnerte. Und genau wie Jordan veränderte Kobe mit dem Alter sein Spiel. Er zeigt eine immense Reifung und ist nicht mehr immer im Non-Stop-Attack-Modus, sondern agiert mehr von außen", sagt Bauermann.

"Kobes Variabilität ist unglaublich: Mittlerweile sind auf die Post-Up-Moves und den Dreier genauso Verlass wie auf den Drive. Dazu gibt er in dieser Saison so viele Assists, im Bestreben herauszufinden, wie er der Mannschaft am besten helfen kann. Er ist nicht mehr der reine Scorer, sondern ein Facilitator. Einer, der Dinge in Gang setzt." (siehe Diashow)

Die Zahlen: Kobe trifft trotz intensiver Bewachung so gut aus dem Feld wie nie (47,0 Prozent), verwandelt ordentliche 32,9 Prozent der Dreier - und verteilt 5,6 Vorlagen, so viele wie seit 2005 nicht mehr. In den letzten 16 Spielen beträgt der Assistschnitt sogar 7,5.

Die Kehrseite: Die Lakers verfügen über 6 aktuelle oder ehemalige All Stars - zugleich ist kaum eine NBA-Mannschaft derart angewiesen auf einen einzigen Spieler, weil dieser scort, passt und lenkt. Bauermann: "Kobe den Ball in die Hand zu geben, ist verständlich. Das Problem: Die anderen Mitspieler stehen häufig herum und lassen Kobe machen. Es gibt kein Gleichgewicht."

Vor allem der neu verpflichtete Spielmacher Steve Nash dürfte sich abkömmlich fühlen. Häufiges Muster: Nash trägt den Ball nach vorne, aber muss diesen sofort weiterpassen, wenn er die Mittellinie übertritt. Statt den Angriff zu organisieren, verharrt er an der Dreierlinie und wartet auf den Pass, um den offenen Wurf nehmen zu dürfen (siehe Diashow). Der beste Point Guard der letzten Dekade verkommt bei den Lakers immer mehr zum reinen Spot-Up-Shooter (siehe Diashow), so dass seine Dreierquote im Vergleich zum Vorjahr in Phoenix zwar steigt (von 39,0 auf 43,2 Prozent), dafür die Assists deutlich sinken (von 10,7 auf 7,1).

Ein Grund, Nash nicht walten zu lassen, könnte laut Bauermann die fehlende Abstimmung mit den Mitspielern sein. "Ein Spieler wie Kobe kommt in jeder Mannschaft der Welt zurecht, weil er die anderen nicht benötigt. Er spielt sozusagen ein Spiel im Spiel", sagt Bauermann.

"Ein Passkünstler wie Nash braucht hingegen ein Gefühl für das Kollektiv: Soll ich den Pass 5 Zentimeter höher oder tiefer spielen? Wie nah muss Dwight Howard am Korb stehen, damit sich ein Pass rentiert? Wie überraschend darf ein Zuspiel kommen, ohne jemandem die Nase zu brechen? Ohne diese Sicherheit kann Nash nie so spielen, wie wir es von ihm gewohnt sind."

Teil I: Die Suche nach Identität

Teil II: Kobe Version 2013

Teil III: Die Defense - Zeugnis der Misere

Teil IV: Dwight Howard als Hemmschwelle

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