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Handball

"Ich sah da diese Rakete sitzen"

Spaßvogel: Mimi Kraus bei der Handball-WM in Katar.
© getty

SPOX: Stefan Kretzschmar hat in seinem WM-Tagebuch mit Ihnen bereits die Zeit nach der Karriere angesprochen. Beim Gedanken, Sie könnten mal Trainer werden, meinte Kretzsche: 'Gott bewahre.' Das denkt sich wohl jeder.

Kraus: (lacht) Wahrscheinlich. Ganz im Ernst: Ich glaube, dass ich ein guter Trainer wäre. Ich wäre natürlich jemand, der dann sehr viel über die Motivation kommen würde. Mal schauen, es ist nicht die erste Option für mich. Im Moment stehe ich noch so voll im Saft, der Fokus liegt auf Handball. Ich studiere jetzt nebenbei erst mal internationales Business Management, weil ich mir natürlich schon ein paar Gedanken mache über die Zeit nach der Karriere. Ich würde gerne einen möglichst nahtlosen Übergang schaffen. Ich versuche, schon mal ein paar Kontakte zu knüpfen, auch im Medienbereich. Ich fühle mich auf jeden Fall sehr wohl vor der Kamera, wer weiß wo der Weg hinführt.

SPOX: Vielleicht ja auch ins Showgeschäft. "Schlag den Mimi"?

Kraus: (lacht) Ich will mich da überhaupt nicht einschränken, Showformate wären auf jeden Fall auch sehr interessant.

SPOX: Sie haben Ihre Frau Isabel vorhin schon angesprochen. Die Geschichte Ihres Kennenlernens ist ganz nett. Wie war Ihr Plan, sich an Sie heranzupirschen?

Kraus: (lacht) Ich hatte gar keinen Plan. Es war so: Ich war in der Abendschule und kam in die Klasse rein. Ich weiß nicht, ob es mein Unterbewusstsein war, auf jeden Fall schaute ich nach rechts und sah da diese kleine Rakete sitzen. Ich dachte mir: 'Dahinter ist bestimmt noch ein Platz frei.' Und so war es auch. Also habe ich es mir hinter ihr gemütlich gemacht. Wir haben dann im ersten halben Jahr aber gar nicht viel miteinander gesprochen, wir waren beide zu dem Zeitpunkt noch liiert. Irgendwann musste sie dann komischerweise über meinen Humor lachen, das hat das Eis so langsam gebrochen.

SPOX: Jetzt haben Sie gemeinsam Töchterchen Zoe Helene. Und Mimi, der Chaot, ist plötzlich Papa.

Kraus: Solange man nicht selbst Papa geworden ist, ist es schwer zu verstehen, was das mit dir macht. Sobald du dein eigenes Fleisch und Blut in den Händen hältst und dich dieses kleine Geschöpf jeden Tag anlacht, ist es ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Da kommen dir sogar die Tränen. Seit meine Tochter auf der Welt ist, sehe ich das Leben mit ganz anderen Augen. Ich weiß jetzt, was richtige Verantwortung bedeutet. Ich bin verantwortlich für dieses kleine Geschöpf, dass es ihm gut geht und es glücklich und zufrieden ist. Eine größere Verantwortung gibt es gar nicht.

SPOX: Umso schlimmer muss die NADA-Geschichte gewesen sein, als Sie gegen die Meldepflicht verstießen und Ihre Karriere auf dem Spiel stand. Wie viele schlaflose Nächte hatten Sie?

Kraus: Sehr viele. Es war mit die schwerste Phase in meinem Leben. Ich hatte eine schwangere Frau zuhause, um die ich mich kümmern will und für die ich eine Fürsorgepflicht habe. Wenn du dann damit konfrontierst wirst, dass deine Karriere vielleicht vorbei sein könnte, ist das nicht einfach. Ich lag schlaflos im Bett und habe mir Gedanken gemacht - die wünsche ich meinem schlimmsten Todfeind nicht. Deshalb war ich auch umso glücklicher, als der Freispruch kam. Solche Phasen prägen einen, aber ich will so etwas nie wieder durchleben müssen.

SPOX: Der entscheidende Punkt in Ihrem Fall war die Geschichte mit der defekten Klingel, weshalb ein Kontrolleur Sie einmal nicht antraf. Wie lief die Sache aus Ihrer Sicht ab?

Kraus: Meine Frau und ich haben zu dem Zeitpunkt in einem Neubau gewohnt. Wir waren zuhause und wissen nicht, ob die Klingel jetzt funktioniert hat oder nicht, auf jeden Fall haben wir sie nicht gehört. Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist und ob Sie jedes Mal die Klingel hören, wenn es um 5.58 Uhr morgens klingelt?

SPOX: Höchstwahrscheinlich nicht.

Kraus: Der Kontrolleur war sich auch nicht sicher, ob er die Klingel gehört hat oder nicht. Was viele Leute nicht verstanden haben und was ich noch einmal klarstellen will: Ich befürworte das System an sich total und stehe für einen sauberen Sport. Ich bin in der Vergangenheit häufig kontrolliert worden. Jedes Mal mit dem gleichen Ergebnis: negativ. Wir brauchen die Kontrollen für einen sauberen Sport, wir sollten das System aber überdenken und uns Gedanken machen, wie die Kontrollen durchgeführt werden. Kein Sportler hat ein Problem, vor oder nach dem Training kontrolliert zu werden, von mir aus auch zweimal am Tag.

SPOX: Aber so läuft es ja nicht immer ab, stattdessen sind die wildesten Geschichten zu hören. Sie wurden in Ihrer Hochzeitsnacht kontrolliert, Basketball-Nationalspieler Per Günther hat sich einmal extrem darüber aufgeregt, wie bizarr es ist, wenn morgens ein Fremder in deinem Wohnzimmer chillt.

Kraus: Ich habe mit Per auch darüber gesprochen. Es gibt schon ein paar krasse Geschichten, die sich ein Nicht-Sportler so gar nicht vorstellen kann. Es ist kein so tolles Gefühl, wenn morgens um 6 Uhr irgendjemand bei dir an der Tür klingelt und dir eine Blut- und Urinprobe entnehmen will. Oder die Sache, dass du drei Monate im Voraus sagen musst, wo du dich aufhältst. Ich weiß natürlich nicht immer, wo ich in zwei Monaten genau sein werde und muss dann irgendwas eintragen. Es gibt sicher bessere Methoden. Die Vereine könnten die Trainingspläne versenden, sodass unangemeldete Kontrollen auch so jederzeit möglich wären. Und ob ich um 6 Uhr zuhause oder um 9 Uhr in der Arena kontrolliert werde, macht doch keinen Unterschied.

Seite 1: Kraus zwischen DEB-Rolle und Welthandballer-Ambitionen

Seite 2: Kraus über eine Trainer-Tätigkeit und seine schwersten Tage

Michael Kraus im Steckbrief

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