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Fussball

FC Barcelona: Daumen runter statt Daumen hoch? Drei mögliche Verlierer der Barca-Übernahme durch Xavi

Von Daniel Buse
Memphis Depay muss sein Spiel unter Trainer Xavi wohl umstellen.

Winken, klatschen, Daumen hoch: Als Xavi am Montag beim FC Barcelona als neuer Trainer im Camp Nou vorgestellt wurde, packte er die ganz großen Standard-Gesten aus. Der 41-Jährige gab alles, um für alle Anwesenden sichtbar Zuversicht zu verbreiten und die Barca-Fans von einer besseren Zukunft träumen zu lassen.

"Willkommen zu Hause, Xavi!", stand auf einem großen Banner, vor dem der neue Coach nur zu gerne posierte. Das gab die Gefühlslage der Fans gut wieder, die nun ihren Wunschkandidaten auf der Bank haben, der den ungeliebten Ronald Koeman abgelöst hat. Eine Barca-Legende auf dem Platz soll nun auch zu einer Legende auf der Bank werden.

Neben den Standard-Gesten hatte Xavi dann, wenn er sprach, nicht viel mehr als die Standard-Aussagen zu bieten, die nach einem Trainerwechsel regelmäßig fallen. Er versprach harte Arbeit, eine Konzentration auf das Wesentliche - und forderte die Unterstützung der Anhänger: "Wir brauchen Euch alle", sagte er. An seine Mannschaft gerichtet wird er diesen Satz mit Sicherheit nicht sagen, denn wen er nun mehr denn je braucht und auf wen er verzichten kann, das wird sich mit Sicherheit schnell zeigen.

Denn Xavi wird etwas verändern. Nicht, weil man das als neuer Trainer zwangsläufig so macht, um ein Zeichen zu setzen. Sondern, weil es in Barcelona in der aktuellen Saison einfach nicht läuft. Als hätte es noch eines letzten Beweises bedurft, verspielte Barca am Wochenende bei Celta de Vigo eine 3:0-Führung und musste sich mit einem 3:3 begnügen. Nur vier von zwölf Liga-Spielen gewann der Klub; in der Champions League setzte es gegen den FC Bayern und Benfica zwei 0:3-Niederlagen.

Die gute Laune, die Xavi bei seinem Antritt vermitteln wollte, dürfte sich also auf einige Barca-Stars nicht übertragen. Wer könnten die Leidtragenden der Amtsübernahme werden?

Gerard Pique: Keine Sonderbehandlung für den Weggefährten

Von 1998 bis 2015 kickte Xavi als überragender Mittelfeld-Regisseur bei Barca - und aus dieser Zeit kennt er natürlich noch Gerard Pique. Mit dem Abwehrspieler als Teamkollegen stemmte der neue Barca-Coach eine Trophäe nach der anderen in den Himmel. Die beiden verstehen sich gut, doch der nostalgisch verklärte Blick zurück dürfte Xavi nicht davon abhalten, harte Entscheidungen zu treffen, wenn es um die Barca-Zukunft geht.

Pique hat sich zuletzt sowohl auf als auch neben dem Feld angreifbar gemacht. "Er ist weit entfernt von seinem Top-Niveau", sagt Francisco Rico von GOAL Spanien über den 34-Jährigen. Mit Pique als Abwehrchef spielte das Team in der Liga erst zweimal zu Null. Zu oft lässt er sich von seiner Position weglocken und hat dann mittlerweile nicht mehr das Tempo, um den Fehler rechtzeitig wieder auszubügeln.

Natürlich ist eine mögliche Degradierung oder ein möglicher Verkauf von Pique beim finanzschwachen Barca auch eine Frage der Alternativen. Doch sportlich gesehen muss in nächster Zeit die Ablösung von Pique eingeleitet werden. Vielleicht dann auf eine Art und Weise, wie sie Xavi selbst erlebt hat: Als Einwechselspieler leistete er in seinem letzten Jahr bei den Katalanen noch wertvolle Dienste, bevor es ihn nach Katar zog. "Das ist Xavis größte Herausforderung", sagt Rico zur Situation des Innenverteidigers.

Die Konzentration auf das Wesentliche bei Barca soll nach Informationen aus Spanien auch - und vielleicht ganz besonders - Pique betreffen. Wie der Fernsehsender GOL berichtet, sollen ihm seine Reisen verboten werden. Denn wann immer Pique, der seit 2018 nicht mehr für Spanien spielt, in der Saison ein paar Tage frei hat, ist er auf der ganzen Welt unterwegs.

Vor allen in Sachen Tennis jettet er mal nach New York, mal nach Shanghai, um sich dort die Matches vor Ort anzuschauen und seine Business-Aktivitäten in diesem Bereich voranzutreiben. Zu wenig Fokus auf seinen Klub und seine Leistung ist das dem neuen Trainer dem Bericht zufolge - und entsprechend will er eingreifen. "Wir müssen mit neuen Regeln starten, die strenger sind", verkündete Xavi bei seiner Vorstellung.

Luuk de Jong: Der Wunsch-Spieler des Ex-Trainers

Dass ein Trainer seinem Klub mit Nachdruck die Spieler vorschlägt, die ihm auf dem Transfermarkt besorgt werden sollen, ist nichts Außergewöhnliches. Im Sommer hieß der Barca-Coach bekanntermaßen noch Ronald Koeman - und der bekam seine Wünsche erfüllt: Denn Luuk de Jong, der vom FC Sevilla ausgeliehen wurde, war einer der Neuen, für die sich Koeman stark gemacht hatte.

Jetzt ist der Niederländer auf der Bank aber Geschichte - und die neue Ära soll unter Xavi beginnen. Das wäre für de Jong kein großes Problem, wenn die Leistung auf dem Platz bislang gestimmt hätte. Das tat sie aber nicht. Seine Auftritte sorgten bei den Barca-Fans meist für ungläubiges Kopfschütteln: Ein langsamer, technisch limitierter Stürmer sollte nun in der Mitte die Hereingaben verwerten, von Tiki-Taka war nicht mehr die Rede. Bei seinen Bemühungen stellte sich de Jong meist nicht besonders geschickt an - und die Fans verloren schnell die Geduld mit ihm.

Unter Koeman schlug Barca beispielsweise beim 1:1 im Liga-Spiel gegen Granada 54 Flanken. Zum Symbol für diese Barcelona-untypische Spielweise wurde de Jong, auf den das Ganze zugeschnitten sein sollte. Doch der machte bislang nur ein Tor und könnte nun vor einem vorzeitigen Abschied stehen. Denn nach Medienberichten aus Spanien hat Xavi genug von de Jong gesehen - und das schon vor der ersten gemeinsamen Trainingseinheit. Es wird über eine Auflösung des Leihvertrags spekuliert, da Sevilla nach der Verletzung von Youssef En-Nesyri dringend wieder einen Mittelstürmer benötigt.

Barca würde diesem Deal sicherlich zustimmen, wenn nicht die eigene Offensive aktuell ganz schwach besetzt wäre. Mit Kun Agüero und Martin Braithwaite fallen zwei weitere Stürmer lange verletzt aus. Zuletzt hat sich auch noch Ousmane Dembele wieder abgemeldet. Ein Luuk de Jong als Barca-Stürmer in der Rückrunde ist unter dem Trainer Xavi aber trotzdem nur äußerst schwer vorstellbar.

Memphis Depay: Der Unangepasste muss sich einordnen

Auch Memphis Depay war ein Wunschspieler von Ronald Koeman, als er im Sommer ablösefrei von Olympique Lyon zu den Katalanen kam. Mehr noch: Er war - trotz des Altersunterschieds - ein echter Freund des Trainers, der mit ihm sogar gemeinsam Urlaub machte. Über das Aus von Koeman dürfte Depay entsprechend unglücklich sein, doch er ist garantiert Profi genug, um seine persönlichen Gefühle hintenanzustellen.

Was den Barca-Fans - und auch dem Neu-Trainer Xavi - mehr Sorgen bereiten dürfte, ist die Spielweise des Niederländers. Nach dem Abgang von Lionel Messi wollte und will Depay das Vakuum in der Offensive ausfüllen und Verantwortung übernehmen. Der 27-Jährige fordert in jeder Situation den Ball und sucht meist nach einer Aktion den eigenen Abschluss. Auf der Suche nach dem nächsten Traumtor verzettelt er sich allerdings regelmäßig, was nicht nur zu unzähligen Ballverlusten, sondern auch mittlerweile zu erstem Gemurre auf den Tribünen führte.

"Xavi will Ballbesitz. Er will immer mehr davon", sagte Santi Cazorla, der für den neuen Barca-Coach bei Al-Sadd in Katar spielte, El Larguero. Was er entsprechend nicht will, ist jemanden, der ständig das Risiko eingeht, die Kugel wieder zu verlieren, sodass das gesamte Team arbeiten muss, um sie zurückzugewinnen. "Barca muss wieder zum gewohnten Spiel finden", machte Cazorla klar, was passieren muss. Ob für Memphis Depay dann eine Rolle im Barca-System übrig ist oder ob er wieder gehen muss, diese Frage wird Xavi in den nächsten Wochen und Monaten beantworten.

Xavi, Trainer beim FC Barcelona: Seine Spielerkarriere in Zahlen

MannschaftSpieleToreVorlagen
FC Barcelona76785185
Spanien1331224
Al-Sadd SC982428
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