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Fussball

"Kießling hätte sich eine Nominierung verdient"

SID
Kevin Kuranyi wurde in dieser Saison zweimal Spieler des Monats
© getty

Kevin Kuranyi spielt seit im Sommer 2010 für Dynamo Moskau. In seiner SPOX-Kolumne berichtet der 31-Jährige regelmäßig von seinen Erlebnissen im fernen Russland. Diesmal spricht Kuranyi über ein Saisonende mit Schrecken, persönliche Ehrungen und die Causa Stefan Kießling.

Priwjet is Moskwi,

mittlerweile ist auch in Russland die Saison vorbei. Aus unserer Sicht war es leider ein Ende mit Schrecken. Wir haben eine überragende Rückrunde gespielt, bis zwei Spieltage vor Schluss waren wir 14 Partien in Folge ungeschlagen - auch gegen sämtliche Spitzenteams der Liga.

Und dann versäumen wir es, diese fantastische Aufholjagd mit einem Euro-League-Platz zu krönen. Erst verlieren wir beim Tabellenletzten Wladikawkas mit 0:1, dann kommen wir zu Hause nicht über ein 0:0 gegen den Zwölften Nowgorod hinaus. Ein Sieg aus diesen zwei Spielen - und wir hätten es geschafft.

Hier geht's zu Kevin Kuranyis Facebook-Seite!

Ich kann es noch immer nicht fassen. Das schmerzt, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn im letzten Spiel haben wir nicht nur den Einzug in einen internationalen Wettbewerb verpasst, ich habe mir auch noch einen Riss der Adduktoren zugezogen.

Einen Kran zum Aufstehen

Das ist nichts Dramatisches und nach drei, vier Wochen wieder gut. Aber in den ersten Tagen konnte ich mich kaum bewegen. Ich hätte mir zum Aufstehen aus dem Bett fast einen Kran bestellt...

Aber ganz ehrlich: Noch schmerzhafter ist für mich, dass wir uns nicht für die Euro League qualifiziert haben. Das geht mir noch immer nach. Wir haben uns über Monate eine tolle Chance erarbeitet - und sie dann nicht genutzt. Das ist schon extrem bitter.

Allerdings haben wir uns das auch selbst zuzuschreiben. Nicht nur wegen der beiden Partien zum Abschluss, sondern vor allem wegen des völlig verkorksten Saisonstarts. Gerade zu Beginn der Runde habe ich ebenfalls nicht das gebracht, was die Fans und auch ich selbst von mir erwarten.

Zweimal Spieler des Monats

Aber wie die gesamte Mannschaft habe ich mich gesteigert. Von Russlands größter Sportzeitung wurde ich zweimal zum Spieler des Monats der Premier Liga gewählt.

Das hat mich natürlich gefreut, weil es eine schöne Bestätigung unserer Leistungen ist. Ich sage bewusst "unserer Leistungen". Denn ohne ein funktionierendes Team kannst du im Fußball überhaupt nichts erreichen. Schon gar nicht als Stürmer, wo man auf die Vorarbeit seiner Kollegen zwingend angewiesen ist. Fußball ist keine One-Man-Show.

Den besten Beweis dafür lieferte in den letzten Wochen der FC Bayern. Das war überragend und hat mich für meine Freunde Manuel Neuer, Rafinha und Mario Gomez sehr gefreut. Sie haben sich diese Titel redlich verdient.

Grandiose Saison von Kießling

Natürlich habe ich die Bundesliga auch von Russland aus beobachtet. Und natürlich ist mir auch nicht entgangen, dass Stefan Kießling Torschützenkönig geworden ist.

Darauf werde ich von Journalisten in letzter Zeit ja auch immer wieder angesprochen. Die Frage lautet dann: Können Sie nachvollziehen, dass er trotz starker Leistungen nicht für die Nationalmannschaft nominiert wird?

Generell muss ich dazu erst einmal sagen: Hut ab vor Stefan. Er hat eine grandiose Saison gespielt, sich die Torjägerkanone geholt und dabei sogar Robert Lewandowski und Mario Mandzukic hinter sich gelassen. Das ist schon mal ein Wort! Er hat gezeigt, dass er ein absoluter Topstürmer ist.

Ich könnte kotzen!

Deshalb lautet meine ganz persönliche Einschätzung: Stefan Kießling hätte sich eine Nominierung verdient. Aber da ich Stürmer von Dynamo Moskau und nicht Bundestrainer bin, wird das an der Sache nichts ändern. Joachim Löw hat andere Vorstellungen, das muss man akzeptieren, das gehört zum Fußball dazu. Ich weiß, wovon ich rede :-) Und ich habe auch das Gefühl, dass Stefan entspannt mit der Situation umgeht.

Dafür freue ich mich über eine andere Nominierung ganz besonders: Ich stehe in der "Elf gegen Rassismus".

Eine Aktion, für die ich mich sehr gerne und aus vollster Überzeugung engagiere. Um es ganz deutlich zu sagen: Ich könnte kotzen, wenn ich entsprechende Vorfälle mitbekomme.

Rassismus hat weder auf noch neben dem Fußballfeld etwas zu suchen. Jedem, der das anders sieht, gehört die Rote Karte gezeigt. Es ist wirklich höchste Zeit, dass Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung in unserer Gesellschaft keine Rolle mehr spielen. Dafür engagiere ich mich gerne.

Bis bald,

Euer Kevin

Kevin Kuranyi, geboren am 2. März 1982 in Rio de Janeiro, gehört zu den besten Stürmern Deutschlands. Von 2001 bis 2005 spielte er als Profi für den VfB Stuttgart, danach wechselte er zum FC Schalke 04. Seit Sommer 2010 trägt Kuranyi nun das Trikot von Dynamo Moskau. Für die Nationalmannschaft war er bislang 52 Mal im Einsatz. Mehr Informationen über Kevin Kuranyi gibt es unter www.kevin-kuranyi.de

Kevin Kuranyi im Steckbrief

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