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Fussball

Gianluigi Donnarumma im Dilemma: Probleme bei PSG, Pfiffe in Mailand

Von Maximilian Lotz
Gianluigi Donnarumma wechselte ablösefrei vom AC Mailand zu PSG

Im Sommer war Gianluigi Donnarumma bei Europameister Italien ein gefeierter Held. Doch bei Paris Saint-Germain hat der 22-jährige Keeper mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. Auch sein Milan-Abschied hallt weiter nach. Und Berater Mino Raiola heizt Spekulationen um seine Zukunft an.

Gänzlich ohne Enttäuschung endete auch Donnarummas Auftritt am Sonntag in Turin nicht. Beim 2:1 (0:0)-Sieg Italiens im Spiel um Platz drei der Nations League fing sich der Keeper der Squadra Azzurra kurz vor Schluss doch noch ein Gegentor. Belgiens Charles De Ketelaere tunnelte Donnarumma aus spitzem Winkel - die Höchststrafe für einen Keeper (86.).

Doch letztlich hatte der Treffer keine gravierenden Folgen mehr für den Ausgang des Spiels. Italien sicherte sich mit dem Sieg im kleinen Finale ein Trostpflaster für das Halbfinal-Aus gegen Spanien (1:2) - die erste Niederlage für die Italiener nach 37 Spielen. Und bei Donnarumma überwog am Ende der Stolz. "Glücklich über den Sieg und geehrt, die Kapitänsbinde tragen zu dürfen", twitterte er.

Als jüngster Kapitän der Azzurri seit Gianni Rivera 1965 schrieb Donnarumma mit seinen 22 Jahren, sieben Monaten und 15 Tagen am Sonntag Geschichte. Damit kennt sich der 1,96 Meter große Schlussmann aus. Auch bei der EM gelang ihm Historisches. Mit insgesamt 1168 Minuten ohne Gegentreffer übertrumpfte Donnarumma den bisherigen italienischen Rekordhalter Dino Zoff um 26 Minuten.

Donnarumma: EM-Held bei PSG nur Ersatzkeeper

Beim Elfmeterschießen im EM-Finale gegen England avancierte Donnarumma zum gefeierten Helden der Italiener. Der Keeper wurde sogar zum Spieler des Turniers gewählt. Drei Tage nach dem Endspiel unterschrieb Donnarumma bei Paris Saint-Germain. Doch die ersten Monate verliefen schwierig und werfen die Frage auf: War der Schritt zu PSG der falsche?

In Paris stand Donnarumma offenbar nicht ganz oben auf der Wunschliste. "Ihn zu verpflichten, war eigentlich nicht geplant", gestand PSG-Sportdirektor Leonardo am Wochenende am Rande des Festival dello Sport in Trient: "Im Juni war er dann aber immer noch verfügbar, deshalb haben wir die Gespräche gestartet und ihn geholt. Zuvor wurde nicht an diesem Transfer gearbeitet."

Diese Aussage passt ins Bild der Startschwierigkeiten Donnarummas im Starensemble der Pariser. Zu Saisonbeginn fand er sich häufiger auf der Ersatzbank als zwischen den Pfosten wieder. Lediglich drei Partien bestritt Donnarumma in der Ligue 1, hütete das Tor auch zuletzt bei der ersten Saisonniederlage bei Stade Rennes (0:2), die allerdings nicht an ihm festzumachen war. In der Champions League erhielt er beim 2:0-Sieg gegen Manchester City immerhin den Vorzug vor Keylor Navas. Der 34-Jährige aus Costa Rica kommt auf insgesamt acht Pflichtspieleinsätze.

PSG-Leistungsdaten Donnarumma und Navas in der Saison 2021/22

NavasDonnarumma
Pflichtspieleinsätze84
Gegentore83
Weiße Westen22
Paraden74

Ergreift Donnarumma schon wieder die Flucht aus Paris?

Trainer Mauricio Pochettino wollte sich bislang nicht auf eine klare Nummer eins festlegen. "Beide Torhüter zeigen außergewöhnliche Leistungen, selbst im täglichen Training. Es ist eine schwierige Entscheidung, aber es ist schön zu sehen, dass beide, Navas und Donnarumma, aufmerksam sind und zur Startelf gehören könnten", sagte der Argentinier im September.

Die Situation ist für Donnarumma alles andere als zufriedenstellend. Sein Berater Mino Raiola soll laut Corriere della Sera an einer Lösung arbeiten. Sofern sich an Donnarummas Rolle als Ersatzkeeper bis Saisonende nichts ändert, wäre ein Abschied aus Paris im kommenden Sommer möglich.

Donnarumma am Pranger: Pfiffe und Beleidigungen in Mailand

Eine Rückkehr zu seinem Jugendklub AC Mailand gilt dabei allerdings als ausgeschlossen. Das hat der Empfang an alter Wirkungsstätte am vergangenen Mittwoch verdeutlicht. Jeder Ballkontakt Donnarummas wurde im Giuseppe-Meazza-Stadion mit Pfiffen von den Rängen bedacht. "Italien hat gespielt, es war kein Vereinsspiel", echauffierte sich Trainer Roberto Mancini hinterher: "Man hätte die Pfiffe für ein mögliches Spiel zwischen Milan und PSG aufbewahren können. Italien ist Italien, die Nationalelf steht über allem."

Milans Traineridol Arrigo Sacchi konnte die Reaktionen der Fans nachvollziehen. "Offensichtlich hat es einen Verrat gegeben. Sowohl im Fußball, als auch im täglichen Leben wird der Verrat in gewisser Weise zurückgezahlt", sagte Sacchi beim Festival dello Sport.

Abgesehen von den Pfiffen gab es auch Spruchbänder, auf denen Donnarumma als "ungebetener Gast" empfangen wurde. Schon vor dem Spiel hing an einer Brücke ein Banner, das offenbar Ultras der Curva Sud zuzuschreiben war. "Donnarumma, du wirst in Mailand niemals mehr willkommen sein", war darauf zu lesen - verbunden mit einer üblen Beleidigung.

Mino Raiola attackiert AC Mailand

Raiola nutzte diesen Anlass zu einer Verbalattacke gegen Milan. "Ich bin empört über die Pfiffe gegen Gigio und frage mich, warum Mailand nicht offiziell interveniert hat, um sich von dem Streit zu distanzieren und ihn in irgendeiner Weise zu verteidigen, nachdem dieses schändliche Banner auf einer Brücke in Mailand aufgetaucht ist", schimpfte Raiola bei der Corriere dello Sport.

Und der 53-Jährige legte nach: "Wollen wir über die Drohungen sprechen? Hat er jemanden umgebracht? Ich weiß es nicht. Die Wahrheit ist, dass Mailand ihn nicht behalten konnte oder nicht wusste wie. Das macht keinen großen Unterschied."

Insgesamt acht Jahre trug Donnarumma das Trikot der Rossoneri, doch schon vor vier Jahren gab es erste Risse. Im Rahmen der Vertragsverhandlungen 2017, an denen auch schon Raiola beteiligt war, verpassten einige Milan-Fans ihrem Keeper den Spitznamen "Dollarrumma", nachdem er das Angebot zur Vertragsverlängerung zunächst abgelehnt hatte. Letztlich kam es doch noch zu einer Einigung und auch zur Versöhnung mit den Fans.

Nachdem sich die Gespräche über eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrags in der Vorsaison über Monate hinzogen, kam es diesmal zu keinem Happy End. Donnarumma einigte sich mit Milan nicht auf ein neues Arbeitspapier. Stattdessen unterschrieb er in Paris langfristig bis 2026, der Deal soll ihm ein geschätztes Jahresgehalt von elf Millionen Euro einbringen.

PSG-Sportdirektor Leonardo kontert Vorwürfe

Vorwürfe, PSG hätte Donnarummas Entscheidung gegen eine Vertragsverlängerung in Mailand beeinflusst, wies Sportdirektor Leonardo indes zurück: "Wir haben nichts damit zu tun, dass er ablösefrei ging."

Nach dem Wirbel um seine Person hätte Donnarumma selbst wohl nichts dagegen, wieder verstärkt in sportlicher Hinsicht Schlagzeilen zu schreiben. Nach seinem Spießrutenlauf von Mailand schwieg der Torhüter im Übrigen.

In seiner einzigen Reaktion in den sozialen Medien ging Donnarumma auf die Pfiffe nicht ein. "Es lief nicht nach unseren Vorstellungen, aber wir haben unser Bestes gegeben. Der Spirit und der Einsatz begleiten uns, wenn wir die Farben unseres Landes tragen", schrieb er mit reichlich Pathos - und richtete seinen Blick selbstbewusst nach vorne: "Mit erhobenem Haupt die nächsten Ziele ansteuern."

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