Fussball

Fußballerlebnisse in Japan und Südkorea: Lieblingsspieler statt Lieblingsverein

Der Spieler ist in Südkorea wichtiger als der Verein.
© getty

Oliver Kahn ist tatsächlich eine Legende

Im Museum des japanischen Fußballverbands in Tokio bekam exakt ein Fußballer die Ehre einer eigenen Einzelstatue. Kein Japaner, nein: Oliver Kahn. Es ist nur der offensichtlichste Beweis der Verehrung, die dem ehemaligen deutschen Nationalkeeper in Japan bis heute zu Teil wird. Ausgestellt sind unter anderem noch signierte Handschuhe aus dem Jahr 2004.

Zu jedem K.o.-Spiel der in Japan und Südkorea ausgetragenen WM 2002 gibt es im Museum kurze Berichte, worin man lernt: Es war nicht Deutschland, das Paraguay, die USA und Südkorea auf dem Weg ins Finale besiegte - nein, es war Oliver Kahn. Seine Fehler bei der 0:2-Niederlage im Finale gegen Brasilien bleiben dagegen geflissentlich unerwähnt.

Die Japaner faszinierten nicht nur Kahns Reflexe, sondern auch "seine Persönlichkeit und Mentalität", wie Journalist Yuhei Yamaguchi von Goal-Japan erklärt. "Kahn stand damals über allen. Er war sogar bekannter als David Beckham." Das nutzte nicht nur Kahn selbst, der in der Folge am japanischen Markt mit mehreren Werbeauftritte Geld verdiente, sondern auch seinem Heimatland ganz generell. "Seitdem gibt es in Japan viele Fans des deutschen Fußballs", sagt Yamaguchi.

Auch im WM-Co-Gastgeberland Südkorea hinterließ er Eindruck. "Kahn ist Legende", sagt Journalist Lee fast schon ehrfürchtig. Selbst die Halbfinalniederlage der eigenen Nationalmannschaft gegen Kahns Deutschland nahmen ihm die Südkoreaner nicht übel. "Die italienischen und spanischen Spieler benahmen sich nach den Partien gegen uns daneben", erklärt Lee, "aber Kahn hat gute Manieren gezeigt. Deswegen haben wir ihm applaudiert." Und dieser Applaus gilt auch noch knapp 17 Jahre später.

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