Fussball

Der FC Bayern stellt sich hinter Neuer: Abend des Tadelns und Polterns

Manuel Neuer war beim 3:0-Sieg der Bayern gegen Belgrad nahezu beschäftigungslos, stand aber dennoch im Mittelpunkt.

Der 3:0-Sieg gegen Roter Stern Belgrad war für den FC Bayern München der Rahmen einer großen Solidaritätsbekundung mit Kapitän Manuel Neuer in der sogenannten Torwart-Debatte. Alle Verantwortungsträger des Klubs verteidigten Neuer - während er selbst auf dem Platz nichts zu verteidigen hatte.

Der Abend des Tadelns und Polterns endete mit einer reichlich unstimmigen Szenerie. Er endete nämlich kurz nach Mitternacht mit einem amüsierten Hasan Salihamidzic. "Alles zu seiner Zeit", antwortete der Sportdirektor des FC Bayern auf die Frage nach einer möglichen Verlängerung des 2021 auslaufenden Vertrags von Manuel Neuer - nachdem er doch tatsächlich heiter aufgelacht hatte.

Dieses Lachen passte so gar nicht ins ernste Bild, das der FC Bayern an diesem Abend zeichnen wollte. Ein Bild, das brüllt: Wir stehen hinter Manuel Neuer! Der 33-jährige Keeper des FC Bayern war nach den zurückliegenden Länderspielen bekanntlich von seinem sechs Jahre jüngeren Nationalmannschaftsrivalen Marc-Andre ter Stegen öffentlich herausgefordert worden. Der Keeper des FC Barcelona beklagte sich über zu wenig Spielzeit.

Neuer hatte ter Stegen daraufhin daran erinnert, dass sowas nicht förderlich für das Mannschaftsklima sei. Woraufhin ter Stegen Neuers Aussagen "unpassend" nannte und ganz trotzig einen Elfmeter von Marco Reus hielt. Die Torwart-Debatte war geschaffen und nun luden Neuer und sein FC Bayern an diesem Mittwochabend in die Münchner Allianz Arena, zum Auftakt der Champions-League-Saison war Roter Stern Belgrad zu Gast.

Karl-Heinz Rummenigge fordert DFB-Statement

Das Spiel war aber noch gar nicht angepfiffen, da ging es schon nicht mehr um das Spiel, sondern natürlich um die Torwart-Debatte. "Was mir nicht gefällt an der Geschichte und was irritiert, ist das Verhalten des DFB", tadelte Rummenigge bei Sky, wie nur Rummenigge tadeln kann. "Da wird nie so richtig Klartext gesprochen. In der Öffentlichkeit lässt man das wabern und das finde ich nicht fair."

90 Mal spielte Neuer bekanntlich schon für die deutsche Nationalmannschaft, außerdem ist er ihr Kapitän. Da könne man vom DFB doch bitteschön ein bisschen mehr Dankbarkeit und Solidarität und vor allem ein klares Statement erwarten. Bundestrainer Joachim Löw hatte zu dieser Thematik lediglich betont: "Es ist doch klar, dass jeder einzelne ehrgeizig ist und auch spielen will." Rummenigge wünscht sich dagegen ein: Neuer ist scho au die unumstrittene Nummer 1!

Manuel Neuer musste keinen einzigen Schuss halten

Die ist er beim FC Bayern zwar zweifelsohne, am Spiel gegen Roter Stern durfte er aber trotzdem kaum teilnehmen. Elfmeter von Reus konnte Neuer keinen halten, weil Roter Stern erstens keinen Elfmeter bekam und dort zweitens natürlich auch kein Reus spielt. Und auch ansonsten konnte er nichts halten, weil es nichts zu halten gab. Roter Stern brachte keinen einzigen Schuss aufs Tor zustande.

Dafür durfte Neuer genau das zeigen, wofür er zu seiner absoluten Blütezeit (Champions-League-Sieg 2013, WM-Titel 2014) als stilprägend gefeiert wurde: das aktive Torwartspiel. In der 33. Minute eilte er aus seinem Strafraum, klärte einen langen Ball sehenswert, indem er ihn zu Lucas Hernandez passte. Über den Umweg Ivan Perisics linker Fuß und Kingsley Comans Kopf landete der Ball Sekunden später zum zwischenzeitlichen 1:0 im Tor von Roter Stern.

Uli Hoeneß kritisiert ter Stegen und die "süddeutsche Presse"

Was Neuer auf dem Platz machte, machte sein Präsident Uli Hoeneß nach dem Spiel in der Mixed Zone: Statt zu verteidigen, schaltete er sich einfach direkt in den Angriff ein. So gut wie Rummenigge tadeln kann, so gut kann Hoeneß bekanntlich poltern. "Das ist ein Witz", begann er seinen etwa einminütigen Monolog über die Torwart-Debatte. Aber witzig fand er es augenscheinlich nicht und Fakten waren ihm bei all der Witzlosigkeit eher egal.

Es sei "unmöglich" von ter Stegen, mit diesem Thema in die Öffentlichkeit zu gehen. Unmöglich? In einem Land, in dem laut gerne zitiertem Grundgesetz Meinungsfreiheit herrscht? Ter Stegen habe übrigens "überhaupt keinen Anspruch", in der Nationalmannschaft zu spielen. Keinen Anspruch? Als einer der besten Keeper der Welt, der bei einem der besten Vereine der Welt spielt?

Es sei von der sogenannten "süddeutschen Presse" darüber hinaus "nicht in Ordnung", dass sie keine Neuer-Kampagne starte. Ist es denn die - womöglich gar im Grundgesetzt verankerte - Pflicht regionaler Medien, regionale Fußball-Torwarte zu unterstützen? In der sogenannten "westdeutschen Presse" jedenfalls, werde laut Hoeneß so getan, als ob ter Stegen "schon 17 Weltmeisterschaften gewonnen" hätte. Also alle bis auf vier, 21 gab es bisher.

Neuer hat dagegen erst eine mickrige Weltmeisterschaft gewonnen, die aber immerhin in echt. Und deshalb steht für Hoeneß fest: "Manuel Neuer ist viel besser und viel erfahrener. Da gibt es doch gar keine Diskussion." Was insofern falsch ist, als dass es gerade durchaus eine Diskussion mit verschiedenen Meinungen gibt. Etwa zeitgleich nannte Trainer Niko Kovac Neuer eine "Gallionsfigur des deutschen Fußballs" und sagte immerhin: "Ich finde, dass die Diskussion fehl am Platz ist."

Neuer: "Ich bin ein Mensch, der keine Debatten führen will"

Alle, die beim FC Bayern etwas zu sagen haben, hatten sich mittlerweile verbal vor Neuer gestellt (und Salihamidzic sollte es später am Abend vor dem heiteren Auflachen auch noch tun). Dann kam endlich Neuer, die Gallionsfigur, der wahrhaftige Weltmeister, der 90-malige Nationalkeeper höchstpersönlich in die Mixed Zone. "Unterstützung zu haben, ist immer gut", sagte er mit der staatstragenden Aura einer Gallionsfigur, eines wahrhaftigen Weltmeisters und eines 90-maligen Nationalkeepers.

Neuer freute sich über die Worte seiner Vorgesetzten, das schon. Aber er wirkte auch so, als ob es ihm letztlich egal gewesen wäre, wenn er keine Unterstützung bekommen hätte, weil er ohnehin drübersteht. "Ich bin ein Mensch, der keine Debatten führen will", erklärte Neuer. Dann wiederholte er es in ähnlichem Wortlaut noch ein paar Mal, ehe er "für mich reicht es jetzt" sagte und verschwand.

Was blieb von diesem Abend des Tadelns und Polterns, sind ein erfolgreicher Start in die Champions-League-Saison und ein Verein, der hinter seinem Kapitän steht.

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