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Jadon Sancho beim BVB: Sehr schnell groß - und schon auf den Spuren von Dembele und Aubameyang?

Jadon Sancho steht noch bis 2022 beim BVB unter Vertrag - wechselt er im kommenden Sommer?

Jadon Sancho hinkt den nach seiner starken Vorsaison gestiegenen Erwartungen hinterher. Bei Borussia Dortmund herrscht aber mehr ob seines Verhaltens neben dem Rasen Sorge. Der Engländer droht auf einen ähnlichen Weg zu geraten, wie ihn vor nicht allzu langer Zeit Ousmane Dembele und Pierre-Emerick Aubameyang einschlugen.

Wenn Borussia Dortmund am Mittwoch zum Champions-League-Kracher beim FC Barcelona (ab 21 Uhr im LIVETICKER) antritt, dann sicher ohne Paco Alcacer (Magen-Darm-Infekt), Thomas Delaney (Bänderriss im Sprunggelenk) und Jacob Bruun Larsen (Knieprobleme).

Die ungeliebte Rolle des Zusehers könnte zunächst aber auch Jadon Sancho treffen, sollte der angezählte BVB-Coach Lucien Favre in Spiel eins seiner "Schicksalswoche" eine defensivere Viererkette aufbieten und dafür den gelernten Rechtsverteidiger Achraf Hakimi auf eine der beiden Flügelpositionen vorziehen.

"Ich habe mich noch nicht entschieden", sagte Favre vor dem Abschlusstraining im altehrwürdigen Camp Nou am Dienstag über seine Formation. Einzelschicksale seien in der momentanen Phase auch überhaupt nicht wichtig, vielmehr gehe es darum, "clever" und "mutig" im Kollektiv zu agieren.

Sancho hinkt beim BVB seiner Topform hinterher

Clever und mutig, für diese Art Fußball steht ja eigentlich Jadon Sancho. In dieser Spielzeit hinkt der selbsternannte "Straßenkicker" von der Insel den Erwartungen aber hinterher. Zahlenmäßig weiß er zwar nach wie vor zu punkten, so stehen nach 17 Pflichtspielen immerhin fünf Tore und neun Assists für ihn zu Buche. Sancho bringt jedoch nicht mehr die spielerische Konstanz auf den Rasen, die ihn in der vergangenen Saison zu einem der besten Kicker der Bundesliga machte.

Das mag normal und menschlich sein. Man darf nicht vergessen: Sancho ist erst 19 und im Grunde auch nur ein Teil einer Mannschaft, die mit nur wenigen Ausnahmen nicht funktioniert. Gegen den SC Paderborn am vergangenen Wochenende war er es ja auch, der die Aufholjagd der Borussia in Hälfte zwei überhaupt erst ermöglichte. Sancho traf kurz nach der Pause zum 1:3 und bereitete den 3:3-Endstand durch Marco Reus mit einer Flanke in der Nachspielzeit vor.

Sancho schon auf den Spuren von Dembele und Aubameyang?

Favre hatte den Youngster bei der 0:4-Klatsche in München zwei Wochen zuvor aber nicht grundlos schon nach 36 Minuten ausgewechselt. Sanchos Körpersprache sorgt für Beunruhigung im BVB-Lager. Er arbeitet nicht gerne zurück. Wenn eines seiner Dribblings misslingt, hadert er meist anstatt direkt in den Folgezweikampf zu gehen. Derartige Verhaltensweisen stören den detailbesessenen Favre.

Hinzu kommt, dass Sancho auch neben dem Rasen für Ärger sorgt. Seine Suspendierung Mitte Oktober wegen Zuspätkommens war alternativlos, da er sich bereits in der vergangenen Saison häufiger nicht an Absprachen gehalten hatte. Der englische Nationalspieler sei zwar "ein guter Junge", meinte Sportdirektor Michael Zorc, "aber er ist sehr schnell groß geworden und muss noch einige Dinge lernen."

Der kicker attestierte Sancho zuletzt einen "Hang zur Arroganz", der die Führungsriege beunruhige und auch innerhalb der Mannschaft nicht gut ankomme. Beim BVB kennen sie sich nach den vergangenen Jahren bekanntlich nur zu gut mit Charakteren aus, die ihre eigenen Interessen über die des Teams stellen und so das Binnenklima im Kader belasten. Ousmane Dembele und Pierre-Emerick Aubameyang waren wie Sancho fabelhafte Kicker für die Schwarz-Gelben, sorgten aber immer wieder für ungemütliche Nebengeräusche, bis das Fass irgendwann überlief.

Heiß begehrt: Verlässt Sancho den BVB im Sommer?

Beide verließen den Klub im Streit beziehungsweise im Streik, wie der Fall Dembele zeigte. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kündigte daraufhin an, er werde alles dafür tun, um einen derartigen Fall in Zukunft zu vermeiden. "Der Nächste wird länger auf der Tribüne sitzen", so seine Worte.

Bei Sancho haben die Verantwortlichen offensichtlich noch Geduld. Andererseits wäre es aus finanzieller Sicht eher unklug, einen Spieler über einen längeren Zeitraum zum Zusehen zu verdonnern, der über einen hohen Marktwert verfügt. Der Hype um den Teenager war im vergangenen Sommer so groß, dass er mit nahezu jedem Spitzenklub aus Europa in Verbindung gebracht wurde. Auch dieser Tage kursieren zahlreiche Gerüchte, wonach mehrere Vereine bereit seien, eine hohe zweistellige Millionensumme für den gebürtigen Londoner locker zu machen.

Darunter soll sich auch der FC Barcelona befinden, bei dem der BVB am Mittwochabend gastiert. Es ist davon auszugehen, dass die Bosse der Katalanen genau auf den bis 2022 in Dortmund unter Vertrag stehenden Sancho schauen - wenn Favre ihnen die Möglichkeit dazu gibt.

Sancho im Steckbrief

Geburtstag25. März 2000
GeburtsortCamberwell, London (England)
Starker FußRechts
PositionLinker Flügel, rechter Flügel
VereineFC Watford (Jugend), Manchester City (Jugend/U23), Borussia Dortmund
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