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Fussball

Die Probleme der Könige

Von Stefan Rommel
Das Real-Lineup beim Gruppenspiel in Dortmund, das der BVB mit 2:1 gewann
© getty

Die Schaltzentrale Alonso und ihre Anfälligkeit

Sowohl für die Defensive als auch in der Offensive ist Alonso die zentrale Figur in Reals Spiel. Weniger beachtet, aber nicht minder interessant ist seine Rolle im Spielaufbau. Alonso rückt dabei im "ruhigen Modus" auf Höhe der beiden Innenverteidiger, die weiter auseinander stehen.

Die Außenverteidiger rücken einige Meter auf und schaffen zum einen Überzahl im Mittelfeld und zum anderen eine aktive Breite in Madrids Spiel. Der Gegner ist gezwungen, die verstärkten Außenbahnen im Blick zu behalten, während Alonso als eine Art Quarterback den Auftaktpass spielt.

Als Spielmacher aus der Tiefe streut Alonso gerne zwei risikoreiche Varianten in sein Passspiel ein: Den flachen vertikalen Pass durch das gegnerische Mittelfeld in den Fuß von entweder Özil oder Benzema. Oder den langen, hohen Diagonalball auf einen der beiden Flügel. Der Gegner ist dann im geordneten Zustand gezwungen, weit zu verschieben. Tödlich sind diese Pässe im schnellen Umschaltspiel.

Alonsos herausragende Passqualität lässt beide Optionen mehrmals im Spiel zu. Ein entscheidender Faktor ist aber nicht nur die Hauptaktion, also das Zuspiel. Alonso versteht es nahezu perfekt, sich in Vor- und Nachaktion richtig zu positionieren. Viele kurze, horizontale Laufwege bringen ihn immer wieder ins Spiel.

Vorstöße in die Offensive sind rar gesät, und dann auch nur mit klarer Absicherung durch Khedira. Alonso läuft einen Angriff aber nicht bis zum Ende mit durch, sondern wartet 20, 30 Meter vor dem Tor entweder auf den Pass in den Rücken der Abwehr oder den zweiten Ball, um aus der Distanz zum Abschluss zu kommen. In den gegnerischen Strafraum verlagert er sein Betätigungsfeld dabei fast nie. Vielmehr verfolgt er bei seinen Bewegungen immer den Ball und fast nie den Raum. Eine Bewegung in die Tiefe kommt so gut wie nie vor. Eher hält er sich im Dunstkreis des Balles auf und bildet so eine erste Absicherung bei Ballverlust.

Der BVB hat die Wichtigkeit Alonsos für das Madrider Spiel in den Spielen der Gruppenphase erkannt und dementsprechend darauf reagiert. Götze und Reus kümmerten sich um Alonso, wenn Real Madrid den Ball hatte. Zumeist wurde Alonso frontal angelaufen, um das Zuspiel nach vorne zu verhindern. Was blieb, waren tote Bälle auf die Außenverteidiger oder quer zu den Innenverteidigern. Von den 57 Pässen im Spiel in Dortmund schlug Alonso lediglich neun lang - der Rest waren Quer- oder Rückpässe über eine sehr kurze Distanz.

Reus und vor allen Dingen Götze machten hier einen sehr guten Job. Kam der Ball über die Flügel oder doch durch die Mitte nach vorne, stellte Götze den Rückpass auf Alonso zu. Real musste den Angriff riskant weiter vortragen und verhedderte sich da ein ums andere Mal in der BVB-Defensive.

Dazu wurde das Pärchen Alonso/Modric (der früh für den verletzten Khedira eingewechselt wurde) dadurch immer wieder auseinandergerissen. Alonso fand keine Anspielstationen und Modric verlor sich im zentralen Mittelfeld gegen Bender und Kehl und fand keine Anknüpfungspunkte ans Madrider Spiel.

Seite 1: Reals grundsätzliche Ausrichtung

Seite 2: Schaltzentrale Alonso und ihre Anfälligkeit

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