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Fussball

Die Probleme der Könige

Von Stefan Rommel
Das Real-Lineup beim Gruppenspiel in Dortmund, das der BVB mit 2:1 gewann
© getty

Ronaldos Freiheiten und die Gefahren für die Mannschaft

Wie angedeutet bekleidet Ronaldo in Madrids Spiel eine Spezialform des Offensivspielers. Zum einen ist er auf allen Positionen in der Offensive zu finden, rückt manchmal auch ein paar Meter neben di Maria oder Benzema oder tauscht die Positionen mit ihnen. Eine genaue Vorgabe, wann er sich wo aufzuhalten hat, gibt es offenbar nicht.

Der BVB verteidigte Ronaldo in beiden Spielen durch klassisches Übergeben. Zog Ronaldo zur Mitte, kümmerten sich die Innenverteidiger um ihn. Piszczek (oder auf der anderen Seite Schmelzer) hielten ihre Seite und wurden unterstützt durch Reus oder Großkreutz.

Befindet sich Ronaldo bei gegnerischem Ballbesitz auf der ballfernen Seite - er muss also nicht unmittelbar am Defensivbetrieb teilnehmen - ist seine Orientierungshilfe die Mittellinie. Dann steht er nicht selten von allen Real-Spielern am höchsten. Der Nachteil liegt auf der Hand: Einer oder mehrere der Kollegen müssen sich die Defensivarbeit aufteilen. Mourinho nimmt diesen Umstand in Kauf, schließlich ist ein hochstehender Ronaldo nach einem Ballgewinn die gefährlichste Waffe der Welt.

Wie viele Freiheiten der Portugiese unter dem Perfektionisten wie Mourinho trotzdem genießt und wie oft der Trainer darüber hinweg sieht, ist erstaunlich. Und wie auch in der portugiesischen Nationalmannschaft fragen sich einige Experten, ob Ronaldo nicht als klarer Stoßstürmer besser aufgehoben wäre?

Ronaldos halbherziges Eingreifen jedenfalls hat in der Defensive zur Folge, dass Madrid gerade gegen risikofreudige Mannschaft mit nachschiebenden Außenverteidigern die linke Seite als Schwachstelle offenbaren muss. Insofern ist Piszczek wie schon in den Spielen der Gruppenphase ein Schlüssel für den BVB - und das nicht nur in der Defensive.

Immer wieder ist auch zu beobachten, dass es weder Ronaldo noch auf der anderen Seite di Maria verstehen, im richtigen Moment einzurücken oder sich zu einer defensiven Viererkette vor der Abwehrkette fallen zu lassen. Im Zentrum haben deshalb Khedira und Alonso Probleme, die Zuspiele in die Schnittstellen zu unterbinden.

Madrids Spielweise hat generell besonders in dieser Saison den Makel, nicht ganz ausgewogen zu sein. Ein Mosaiksteinchen dabei ist Ronaldos Defensivverhalten. In der Champions League kassierte Real von den vier verblieben Halbfinalisten die mit Abstand meisten Tore. 14 in zehn Partien sind deutlich zu viel, nur einmal spielte Real zu Null. Der BVB (neun) und Barca sowie die Bayern (beide zehn) weisen die besseren Statistiken auf.

Seite 1: Reals grundsätzliche Ausrichtung

Seite 2: Schaltzentrale Alonso und ihre Anfälligkeit

Seite 3: Ronaldo als Schwachstelle

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