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Fussball

BVB verliert trotz drückender Dominanz: In Stoke können sie es noch nicht

Lange Gesichter beim BVB: Emre Can, Julian Brand, Giovanni Reyna (v.l.).

Bereits am 2. Spieltag der neuen Bundesligasaison setzte es für die sagenhaft talentierte Mannschaft von Borussia Dortmund den ersten herben Rückschlag. Beim 0:2 gegen den FC Augsburg ging es um "Unpräzision" und eine englische Redewendung.

Die ernüchternde 0:2-Niederlage von Borussia Dortmund beim Abstiegskandidaten FC Augsburg nach dem überzeugenden 3:0-Sieg gegen den Champions-League-Aspiranten Borussia Mönchengladbach hat erstaunlich viel mit dem englischen Fußball zu tun.

Da wären die beiden sagenhaft talentierten Dortmunder Fußballer Jadon Sancho und Jude Bellingham, die bei beiden Spielen mitwirkten - beim ersten überzeugend, beim zweiten eher nicht. Vor allem wäre da aber die wunderschöne Redewendung aus ihrem Heimatland England, die den Zusammenhang zwischen diesen beiden Spielen zusammenfasst: "But can they do it on a cold rainy night in Stoke?"

Geraunt wird diese Frage in England, wenn sagenhaft talentierte Fußballer oder Mannschaften unter besten Bedingungen Sagenhaftes leisten - man aber gleichzeitig anzweifelt, ob sie selbiges auch unter widrigsten Bedingungen wiederholen können. Und die widrigste Bedingung, die man sich in England vorstellen kann, ist eben ein nasskalter Abend in Stoke.

Am Samstagnachmittag war Augsburg das deutsche Stoke: Es hatte nur ein paar Grad über dem Gefrierpunkt, es regnete, und weil dazu ein Wind wehte, flog der Regen nicht nur vertikal, sondern manchmal auch horizontal. Und dann spielte Augsburg auch noch so, wie man sich eine Stoke-Mannschaft vorstellt: mit zwei eng gestaffelten Viererketten tief stehend, körperlich robust verteidigen, schnell kontern.

Nach 90 Minuten und vier Minuten Nachspielzeit (samt zwei Augsburger Wechseln, die mindestens vier Minuten gedauert haben) lässt sich festhalten: Nein, die sagenhaft talentierte Dortmunder Mannschaft konnte es (noch) nicht an einem nasskalten Abend in Stoke. Sie verlor mit 0:2.

Borussia Dortmunds Problem hieß "Unpräzision"

Die beiden Augsburger Treffer passten dabei perfekt ins Bild: Ein Kopfball von Felix Uduokhai in Folge eines Freistoßes zum 1:0 (40.) und ein von Daniel Caligiuri abgeschlossener Konter zum 2:0 (54.). Für die zwei Tore reichten Augsburg knapp 20 Prozent Ballbesitz, während Dortmund den verbliebenen Ballbesitz kaum in gefährliche Situationen ummünzte.

"Wir haben das Spiel fast komplett dominiert, aber manchmal bringt das nichts. Die Pässe sind nicht richtig gekommen, wir haben ein bisschen zu überhastet gespielt und hatten unnötige Ballverluste", analysierte Trainer Lucien Favre danach. Und um das Problem zusammenzufassen, erfand er kurzerhand noch ein Wort: "Unpräzision." Das Mittel gegen diese abscheuliche Unpräzision kannte Favre sogar, doch seine Mannschaft setzte es nicht ein: "Wir hätten viel mehr auf die Seiten spielen und mehr Geduld haben müssen."

Auch an mangelnder Geduld der jungen Protagonisten auf dem Spielfeld lag also die Niederlage in Augsburg. Von der Geduld des Dortmunder Umfelds wird unterdessen ihr mittel- und langfristiger Erfolg abhängen. All den 17-Jährigen (Bellingham, Giovanni Reyna) und 20-Jährigen (Sancho, Erling Haaland) sollten bei ihrer ohnehin rasanten Entwicklung auch Stoke-Erfahrungen zugestanden werden. Stoke stählt schließlich.

Erling Haalands enttäuschender Auftritt

Die Ansätze des Dortmunder Spiels in Augsburg waren denen vom Gladbach-Spiel nicht unähnlich, nur bei der Finalisierung haperte es. Reyna und Bellingham spielten sich den Ball bis zum Strafraum teilweise äußerst ansehnlich zu, hatten aber keine Ideen für den finalen Pass. Sancho kam nicht in seine sonst so gefährlichen Dribblings und Neuzugang Thomas Meunier flankte von der rechten Seite wieder und wieder, tat das aber zu ungenau. Stürmer Erling Haaland fehlte an vorderster Front folgerichtig die Bindung zum Dortmunder Spiel.

252 Tage zuvor hatte Haaland bei einem Auswärtsspiel in Augsburg sein Debüt für Dortmund gefeiert. Damals wurde er beim Stand von 1:3 eingewechselt und schoss auf dem anschließenden Weg zum 5:3-Sieg drei der vier Dortmunder Tore. "Wir haben alle daraus gelernt und kennen den Spieler jetzt in und auswendig. Ich hoffe und gehe davon aus, dass uns das nie wieder passieren wird", sagte Augsburgs Rani Khedira vor dem Spiel im kicker und sollte Recht behalten.

Diesmal schloss Haaland nie gefährlich ab und berührte den Ball lediglich 19 Mal. Zum Vergleich: Jeder andere Dortmunder Feldspieler mit einer Einsatzzeit von 90 Minuten berührte den Ball mindestens 90 Mal. Ohne Ballkontakte konnte Haaland seine Torgefahr nicht ausstrahlen. Bei einem kleinen Ringkampf mit Jeffrey Gouweleeuw Mitte der ersten Halbzeit strahlte er dafür immerhin seine körperliche Gefahr aus, die ihm eine Gelbe Karte einbrachte.

Jude Bellingham war schon im echten Stoke zu Gast

Im Fokus stand Haaland erst wieder, als er nach dem Abpfiff einem der 6000 Fans im Augsburger Stadion sein Trikot schenkte - dieser hatte extra eine norwegische Fahne mitgebracht. Die übrigen 5999 Zuschauer (Auswärtsfans waren nicht zugelassen) freuten sich unterdessen über den zweiten Sieg ihres Klubs im zweiten Saisonspiel sowie die damit einhergehende zumindest vorübergehende Tabellenführung und sangen einem solchen Anlass entsprechende Lieder.

Auf "Oh, wie ist das schön" folgte "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey" und schließlich "Gegen Augsburg kann man mal verlieren". Für den sagenhaft talentierten Dortmunder Neuzugang Bellingham war es natürlich die erste Niederlage gegen das deutsche Stoke. In der vergangenen Saison spielte er bekanntlich noch für seinen Jugendklub Birmingham City in der zweitklassigen englischen Championship, war dort natürlich auch im echten Stoke zu Gast - und verlor mit 0:2.

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