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Fussball

Kimmich an Corona erkrankt - Infektionsimmunologe exklusiv: "Das wäre eine absolute Falschmeldung"

Von Tim Ursinus
Kimmich ist an Corona erkrankt.

Aufgrund von "fehlenden Langzeitstudien" verkündete Joshua Kimmich vor rund einem Monat, dass er einer Impfung skeptisch gegenüberstehe. Nun ist der 26-Jährige selbst an Corona erkrankt. Welche Folgen hat das für den Nationalspieler?

Kimmich muss nach seiner Erkrankung vorbehaltlich für 14 Tage in Quarantäne und verpasst somit auch das Topspiel am 4. Dezember gegen den BVB, sollte er sich mit einem negativen PCR-Test nicht freitesten können.

Einer Impfung in nächster Zeit steht aber trotz seiner Corona-Erkrankung nichts im Wege, wie Prof. Dr. Oliver Planz, Infektionsimmunologie von der Eberhard Karls Universität in Tübingen, im Gespräch mit SPOX und GOAL verrät.

Wann für Kimmich der Pieks in den Oberarm infrage komme, hänge vom "Krankheitsverlauf" und der "Viruslast" ab, sagt Planz und führt aus: "Das müssen seine Ärzte entscheiden."

Darüber hinaus widerspricht er etwaigen Gerüchten, dass der Mittelfeldspieler nun sechs Monate warten müsse, bis er sich einer Impfung unterziehen könne: "Dafür gibt es keine wissenschaftlich belegbaren Gründe. Wenn er keine Viren mehr im Körper hat und sein Immunsystem wieder auf einem normalen Niveau ist, spricht rein wissenschaftlich und immunologisch nichts dagegen, sich nicht schon vier Wochen nach Ende der Symptome impfen zu lassen."

Kimmich würde eine Impfung reichen

Bundestrainer Hansi Flick hatte wenige Stunden vor dem positiven PCR-Test Kimmichs erklärt, dass dieser eine "Tendenz" zeige, sich doch impfen zu lassen. Mit Jamal Musiala und Serge Gnabry hat nach Informationen von SPOX und GOAL bereits bei zwei Bayern-Stars ein Umdenken stattgefunden.

Während Musiala seine erste Impfung bekommen hat, gilt Gnabry bereits als vollständig geimpft. Der Flügelstürmer hatte sich im April mit Corona infiziert und benötigt zunächst keine weitere Impfung. Dieses Szenario würde auch bei Kimmich in Kraft treten, erklärt Planz: "Eine Infektion wirkt immunulogisch wie eine Impfung, schützt jedoch vor der Krankheit nicht. Wenn das derzeit die Vorgaben der ständigen Impfkomission sind, dann reicht auch nur eine Impfung."

Sollte sich das Virus in den kommenden Wochen und Monaten aber verändern, "dann müssen wir uns vielleicht schon nächstes Jahr im Herbst alle erneut impfen lassen", ergänzt Planz.

Kimmich: Infektion kann Langzeitfolgen bedeuten

Zudem könne die Infektion Langzeitfolgen bedeuten. "Es gibt Fälle, die belegen, dass ungeimpfte Menschen nach einer COVID-Infektion ihre Aktivitäten nicht mehr in der davorigen Leistungsstärke ausüben konnten. Beispielsweise hatte ein Hobby-Taucher nach einem milden Verlauf von COVID-19 frappierende Werte beim Lungenfunktionstest", sagt Planz.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte Kimmich bereits Anfang November, als die Impf-Debatte schon im vollen Gange war, auf eine Studie der Universität Düsseldorf hingewiesen. Diese zeige, dass an Corona erkrankte Fußballer der Bundesliga und der Serie A "sechs Monate nach Infektion noch immer fünf Prozent weniger leistungsstark im Spiel" gewesen seien. "Die fünf Prozent sind eine Größenordnung, die zutreffen könnten. Das Long-Covid-Phänomen ist gegeben. Nicht nur bei Fußballern, sondern bei jedem von uns", erklärt Planz und schiebt warnend nach: "Man darf jetzt aber keine Behauptungen aufstellen, dass das bei Kimmich auch so sein wird. Das wäre eine absolute Falschmeldung."

Lauterbach gab am Donnerstag außerdem via Twitter bekannt, dass die Inzidenz "in der Gruppe der Ungeimpften weit über 1000 liegt". Ein schlüssiger Wert, wie Planz bestätigt: "Man kann bekanntlich trotz Impfung erkranken. Es kann aber auch sein, dass man gar nicht erkrankt - und genau dieser Fakt sorgt für diese Zahl."

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