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Fussball

Kommentar zum Impfstatus von Bayern-Star: Kimmich wird seiner Vorbildfunktion nicht gerecht

Joshua Kimmich.

Joshua Kimmichs Impfverweigerung ist angesichts der fatalen Wirkung eben nicht nur seine Privatsache. Denn der Nationalspieler konterkariert damit sogar seine eigene Initiative und nimmt Schaden für sich, die Mitspieler, seinen Verein und die gesamte Liga unnötig in Kauf. Ein Kommentar.

"Ich habe für mich persönlich noch ein paar Bedenken, was fehlende Langzeitstudien angeht", hatte Kimmich bei Sky seine Haltung begründet.

Es war schon ziemlich absurd: Auf den voll besetzten (wenn auch nicht ausverkauften) Rängen der Allianz Arena feierten 60.000 geimpfte, genesene oder mit PCR-Test überprüfte Zuschauer, so viele wie seit März 2020 nicht mehr, ohne Masken und große Abstände eine Art Rückkehr zur Normalität.

Doch unten auf dem Platz drehte sich alles um einen Spieler, der als Fan keinen Zutritt zum Stadion bekommen hätte: Bayern-Star Joshua Kimmich outete sich nach dem 4:0 gegen Hoffenheim als Impfskeptiker, dem das Bauchgefühl wichtiger ist als wissenschaftliche Erkenntnisse.

Festzuhalten bleibt: Das Recht, die Impfung gegen Corona (vorerst) abzulehnen, steht Kimmich als Bürger dieses Landes zu. Und dennoch ist die Wirkung seiner Verweigerungshaltung verheerend für die Gesellschaft im allgemeinen und den Fußball im speziellen.

Joshua Kimmich wird seiner Vorbildfunktion nicht gerecht

Denn Kimmich wird seinem Ruf als reflektierter Profi, der über den Tellerrand hinausschaut, ebenso wenig gerecht wie seiner Vorbildfunktion als Nationalspieler und Idol für den Nachwuchs. Ein Image, dass nicht zuletzt durch die schon zu Beginn der Pandemie gemeinsam mit Leon Goretzka ins Leben gerufenen Initiative "We kick Corona" entstanden ist.

Die Organisation, die bislang Millionen an Euro eingenommen und gespendet hat, twitterte bereits Anfang September: "Corona ist dauerhaft nur in den Griff zu bekommen, wenn überall auf der Welt ausreichend Impfstoff verabreicht werden kann."

Kimmich: Nicht als Privatmensch, sondern als öffentliche Person im Fokus

Dass ausgerechnet einer der Gründer diese eigenen Empfehlungen mit seinem Handeln konterkariert, schadet nicht nur Kimmichs Glaubwürdigkeit, sondern dem gesamten Kampf um ein möglichst baldiges Ende der Einschränkungen. Das ist das große Problem an der Situation: Kimmich steht letztlich nicht als Privatmensch, sondern als öffentliche Person im Fokus, ob er will oder nicht. Dafür wird er gefeiert und reich entlohnt, sowohl vom FC Bayern als auch durch seine zahlreichen Werbeverträge.

Dieses Geld aber kommt nur in die Kassen, wenn der Weg zur Normalität schneller gegangen wird als mit der momentan in Deutschland deutlich zu niedrigen Impfquote. Ansonsten drohen in den nächsten Wochen erneut massive Einschnitte und auch die Öffnung der Stadien könnte allein aus symbolischen Gründen wieder zurückgenommen oder stark reduziert werden.

Was gravierende Folgen haben könnte: Rund 55.000 Arbeitsplätze hängen in Deutschland am Profi-Fußball und ohne Zuschauereinnahmen werden die wenigsten Klubs auf Dauer überleben.

Kimmich gefährdet nicht nur sich, sondern auch andere

Darüber hinaus gefährdet Kimmich nicht nur unnötig seine eigene Gesundheit, wie etwa das Beispiel des wegen der heftigen Corona-Auswirkungen sogar ins Krankenhaus eingelieferten Hertha-Torhüters Rune Jarstein zeigt. Vielmehr nimmt der Leistungsträger auch eine sportliche Schwächung des FC Bayern billigend in Kauf, denn bei einer Infektion könnte er sich im Gegensatz zu geimpften Kollegen nicht freitesten und müsste 14 Tage in Quarantäne.

Ganz abgesehen von der grundsätzlichen Gefahr, die durch ungeimpfte Spieler rein faktisch für die Mitspieler existiert, zumal die üblichen Schnelltests nach wie vor große Unsicherheiten aufweisen. Das gilt umso mehr für Kimmichs enge Zusammenarbeit mit Athletiktrainer Tim Lobinger, der aufgrund seiner früheren Leukämieerkrankung auch mit Impfung weiterhin zur Risikogruppe gehört.

Wasser auf die Mühlen von Leugnern und Unentschlossenen

Bedauerlich ist außerdem, dass jeder prominente Impfskeptiker wie Kimmich Wasser auf die Mühlen von Coronaleugnern, aber vor allem auch der viel zu hohen Zahl der Unentschlossenen ist. Nach dem Motto: Wenn so jemand Bedenken hat, dann wird da schon was dran sein. Also wartet man ab und sieht tatenlos zu wie die Infektionszahlen aktuell wieder in die Höhe schießen.

Immerhin hat Kimmich erklärt, dass er weder Coronaleugner noch Impfgegner ist. Dann allerdings hat er täglich genug medizinische Experten um sich herum, um sich schlau zu machen: Nämlich, dass es genauso ist, wie "We kick Corona" getwittert hat. Und dass die Sorgen vor Langzeitfolgen einer Impfung wissenschaftlich komplett unbegründet sind, weil es sie schlicht und ergreifend nicht gibt.

Kimmich gibt daher das genaue Gegenteil von dem Bild ab, dass die Öffentlichkeit bisher von ihm hatte: Ängstlich, ignorant gegenüber Fakten, verantwortungslos und egoistisch. Das ist wie schon gesagt sein gutes Recht. Aber mit der fatalen Wirkung muss er dann eben auch leben, solange er die Impfung verweigert.

Impfflicht für Profis ist möglich und wohl auch nötig

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass der FC Bayern und die Deutsche Fußball-Liga eine Mitverantwortung an diesem PR-Gau haben. Es wäre möglich und vermutlich auch nötig, eine Impfpflicht in die Arbeitsverträge der Profis zu schreiben. Man muss es eben nur wollen.

Es wirkt jedenfalls mindestens fragwürdig, öffentlich für die Impfung zu werben und in den Stadien restriktiv auf 2G und 3G plus zu setzen, gleichzeitig aber den Impfschutz der Profis für sich und vor allem alle anderen zur Privatsache zu erklären. Weil sie es eben gar nicht sein kann, denn dafür steht für den gesamten Fußball viel zu viel auf dem Spiel.

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