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Fussball

Thesen zum 27. Spieltag: Er dominierte sogar Bellingham - diesen BL-Spieler muss Flick jetzt auf dem Zettel haben

Von Stefan Rommel

Herthas Co-Trainer Mark Fotheringham betreibt beste Eigenwerbung, Kölns Salih Özcan sollte bald für Deutschland spielen. Und Sven Mislintat zeigt, warum er "Diamantenauge" genannt wird. Das und noch mehr in den Thesen zum 27. Spieltag.

1. Wie Mark Fotheringam bei Hertha die Gunst der Stunde nutzt

Als Felix Magath letzte Woche auf seiner ersten Pressekonferenz den Namen Mark Fotheringham zum ersten Mal in den Ring geworfen hatte, wussten wohl exakt zwei Menschen in Herthas Presseraum, von wem der 68-Jährige da überhaupt sprach: Sportchef Fredi Bobic und Mediendirektor Max Jung.

Wobei auch diese beiden ihren neuen Co-Trainer erstmal googlen mussten. Ein paar Tage später ist Mark Fotheringham, 38 Jahre jung, so etwas wie der Inbegriff der Berliner Wiederauferstehung.

Der Zufall wollte es so, dass sein Chef ein paar Stunden vor dem ersten Spiel gegen Hoffenheim an Corona erkrankte und nun also Fotheringham die Verantwortung in diesem "lebensnotwendigen Spiel" (Bobic) übernehmen musste. Der Schotte tat dies mit dem Fokus auf die einfachen Dinge: Kampfkraft, Laufbereitschaft, Willensstärke, ein paar personellen Änderungen und drei Toren nach Standards. "Der Typ ist Wahnsinn", sagte Niklas Stark nach dem Spiel bei Sky: "Es macht echt Spaß mit ihm zu arbeiten."

Die Begeisterung, mit der Fotheringham seine Mannschaft nach vorne trieb, wirkte offenbar sehr ansteckend. Sie war der krasse Gegenentwurf zur zaghaften Zurückhaltung, die Vorgänger Tyafun Korkut noch an den Tag gelegt hatte. Und so holte sich die Hertha drei sagenhaft wichtige Punkte und hofft nun auf die Wende im Abstiegskampf.

Fotheringham hat damit exakt ein Spiel benötigt, um sich ins Rampenlicht zu coachen und interessant zu machen. Er will nicht ewig Co-Trainer bleiben, sondern irgendwann auch mal raus aus dem Schatten. Und dann werden sich womöglich einige an dieses eine Spiel als Cheftrainer erinnern.

2. Kölns Salih Özcan gehört in die Nationalmannschaft

Am Freitag hat Hansi Flick den Kader für die ersten Länderspiele der Nationalmannschaft bekanntgegeben - Salih Özcan war nicht dabei. Dabei wäre eine erste Einladung des U-21-Europameisters wohl auch eine ganz gute Idee gewesen.

Fast unbemerkt im Baumgart-Modeste-Hype in Köln hat Özcan in dieser Saison einen unglaublichen Entwicklungsschritt gemacht, in den letzten Wochen ist der 24-Jährige förmlich durch die Decke geschossen. Auch gegen den BVB bestätigte Özcan seine beeindruckende Entwicklung, dominierte im zentralen Mittelfeld als einziger Kölner Sechser gegen Gegenspieler wie Axel Witsel, Jude Bellingham oder Gio Reyna mit größter Präzision, Übersicht und körperlicher Aggressivität.

Nach einer eher schwierigen letzten Saison startet Özcan nun voll durch und könnte tatsächlich bald der nächste Kölner Nationalspieler werden. Der DFB sollte sich aber nicht mehr zu lange Zeit lassen. Auch die Türkei mit Trainer Stefan Kuntz ist hinter Özcan her. Und mit Kuntz zusammen holte der damalige Kapitän Özcan im letzten Sommer den Titel bei der U-21-EM.

3. Arminia Bielefeld wird reagieren (müssen)

Das nüchterne Desinteresse einiger Spieler am Abstiegskampf, zumindest aber beim Spiel in Mainz, sollte nun auch den Letzten in Bielefeld wachgerüttelt haben. Da steht aktuell eine Mannschaft auf dem Platz, die zurückfällt in die schlechten Muster der Hinserie - und alle Gute der Vor-Saison ganz offenbar komplett verlernt hat.

Das Hoch im Winter mit teilweise überraschenden Siegen in Leipzig, in Frankfurt oder gegen Union hat sich längst verflüchtigt, stattdessen hat das Team nun wieder massivste Probleme im Spiel mit dem Ball und derzeit keine nachhaltige Idee, wie Tore erzielt werden sollen. Und wenn die individuelle Qualität von Patrick Wimmer oder Masaya Okugawa dann auch nicht mehr greift, kommt das Offensivspiel komplett zum Erliegen.

Bielefeld zeigte sich in Mainz gegen eine Mannschaft, die davor gut zwei Wochen in Corona-Quarantäne war und kaum trainieren konnte, in einem schreckenden Zustand. Es häufen sich die Anzeichen, dass der übliche Impuls von außen nun das letzte Mittel sein könnte. Jedenfalls zeigt die Leistungs- und Ergebniskurve unter Frank Kramer steil nach unten, eine Veränderung auf dem Trainerposten scheint unausweichlich.

Das nächste Spiel ist ein Heimspiel, der Gegner ist der VfB Stuttgart, ein so genanntes Sechs-Punkte-Spiel. Und nun bleibt wegen der Länderspielpause auch etwas mehr Zeit als üblich. Es riecht förmlich nach einem Trainerwechsel in Bielefeld.

4. Nur Augsburger Anti-Fußball wird nicht reichen

Der FC Augsburg lag beim Spiel in Stuttgart am Ende bei den Fouls (13:7), den Gelben Karten (3:2) und den Aluminiumtreffern (1:0) vorne, in jeder anderen Statistik aber war der VfB zum Teil meilenweit voraus und am Ende deshalb der verdiente Sieger.

Der Tenor aller Beteiligten nach dem Spiel war einhellig, stellvertretend sei Daniel Caliguri erwähnt: "Wir haben uns nach dem 2:1 vor der Pause vorgenommen, genau so weiterzumachen und den einen oder anderen Nadelstich zu setzen. Das ist uns nicht gelungen, haben zu wenig Fußball gespielt und Stuttgart hat das stark gemacht. Nach so einer zweiten Hälfte bin ich relativ sprachlos. Das Spiel so aus der Hand zu geben, ist eine Katastrophe."

Tatsächlich schaffte der FCA drei sauber ausgespielte Angriffe in 90 Minuten und machte daraus sogar zwei Tore (und einen Lattentreffer). Diese Effizienz kann durchaus auch mal zum Sieg reichen, wie das etwa in Bielefeld der Fall war.

Aber auf Dauer werden Offensivleistungen wie in Stuttgart aber nicht reichen, um die Klasse zu halten. Augsburg lag über drei Viertel des Spiels in Führung, hat aber im Prinzip nur im tiefen Pressing verteidigt und dafür die Quittung erhalten. Vielleicht ein Fingerzeig für den Rest der Saison und an den Trainer ...

5. Mislintats Transfer ist Gold wert für den VfB

In der letzten Abstiegs-Saison versuchte es der damalige Sportchef Michael Reschke im Winter mit drei Transfers, die an den eigentlichen Problemen vorbei zielten: Der VfB benötigte dringend einen Mittelfeldspieler, holte aber Ozan Kabak, Alexander Esswein und Steven Zuber, einen Innenverteidiger und zwei Angreifer.

In diesem Winter verstärkte sich der VfB in einer ähnlich prekären Lage nur auf einer Position, mit Tiago Tomas stieß ein neuer Angreifer zu einer Mannschaft, die bis dahin ganze fünf Stürmertore erzielt hatte.

Nun steht Tomas alleine schon bei drei Treffern in sieben Bundesligaspielen und fast noch wichtiger: Der 19-Jährige ist nach wenigen Wochen eine feste Größe innerhalb der Mannschaft - und sein Einfluss auf das Stuttgarter Spiel enorm. Ballsicherheit, Tempo, Kreativität, Dribbelstärke, ein gutes Maß an Schlitzohrigkeit und diese spezielle Straßenkicker-Attitüde machen Tomas zu einer echten Waffe.

Einen solchen Spieler und dessen beim alten Klub verfahrene Situation zu erkennen und dann schnell zu handeln: Das ist der Kern jeder Sportchef-Arbeit. Sven Mislintat hat seinen Ruf mit der Tomas-Leihe jedenfalls bestätigt und in aller Stille offenbar einen Volltreffer gelandet.

Bei Gegner Augsburg wurde dagegen Ricardo Pepi mit großem Brimborium in die Liga eingeführt. In Stuttgart saß Pepi schon wieder 90 Minuten lang nur auf der Bank.

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