Werder Bremen: Kontinuität als leere Worthülse - Die Gründe für den Absturz

Von Stefan Rommel
Bei Werder Bremen sind viele Dinge falsch gelaufen.
© imago images

Werder steht mal wieder vor dem Fall in die Zweitklassigkeit. Ein Abstieg käme nicht nur sportlich, sondern auch finanziell einer Katastrophe gleich. Wie konnte es so weit kommen?

Anzeige
Cookie-Einstellungen

"Die Macht der Ergebnisse ist zu groß geworden", hat Marco Bode am Sonntagabend im Interview mit dem NDR Sportclub gesagt. Bode blieb damit das Schlusswort an einem Tag, der für Werder Bremen eine Zäsur bedeutet - eine Woche, bevor der sportliche Absturz erst noch erfolgen könnte. Die Demission von Florian Kohfeldt ist für Werder mehr als nur ein Trainerwechsel, es ist die Abkehr von dieser einen ganz großen Idee.

Nun steht Werder mit einem Trainer da, den sie in Bremen vor acht Jahren entlassen haben. Und direkt am Abgrund, weil auf dem Relegationsrang und mit der großen Gefahr im Nacken, am letzten Spieltag noch eine Stufe nach unten durchgereicht zu werden. Wie konnte das alles so weit kommen?

Der Werder-Weg ins Nichts

Das muss man sich erstmal trauen: Nach Viktor Skripnik und Alexander Nouri einen dritten Trainer von der U23 holen, um ihm die Bundesligamannschaft anzuvertrauen. Ohne große Reputation, weder als Trainer noch als Spieler. Aber Florian Kohfeldt schien die beste Lösung, auch wenn Sportchef Frank Baumann schon damals eigenartig lavierte und die Entscheidung für den jungen Trainer ungeschickt verkaufte. Inhaltlich schien Baumann im dritten Anlauf Recht zu behalten.

Kohfeldt löste das Versprechen anderthalb Spielzeiten lang ein, führte die Mannschaft und damit den gesamten Klub wieder in Richtung dessen, wofür Werder stehen sollte: Mut, Entschlossenheit, Offensivgeist und auch eine Portion Cleverness auf allen Ebenen.

Eine Weile schien es so, als müssten sie bei Werder Angst haben, dass ihnen dieser Trainer weggekauft wird. Dann kamen die Misserfolge und der alte Bremer Reflex: Dieser Klub unterwirft sich nicht wie andere den Mechanismen des Geschäfts.

In der Bremer Tradition stehen zwar etliche Trainerrauswürfe in den frühen Jahren der Bundesliga, verfangen haben sich aber die Epochen unter Otto Rehhagel und Thomas Schaaf. Das ist das Bild, das Werder auch heute noch nach außen darstellen will: Die viel zitierte Kontinuität steht über allem.

Thomas Schaaf (li.) übernimmt das Trainerammt von Florian Kohfeldt (re.) für das Saisonfinale.
© imago images
Thomas Schaaf (li.) übernimmt das Trainerammt von Florian Kohfeldt (re.) für das Saisonfinale.

"Kontinuität" als leere Worthülse

Rehhagel wurde damals weggekauft, Schaaf erst freigestellt, als es gar nicht mehr anders ging. Aber schon damals begann der Niedergang, die letzten Schaaf-Jahre waren überflüssig und behinderten die längst nötige Überholung des Modells.

Kohfeldt ist jetzt der vorerst letzte, der diesen Fehler von vor zehn Jahren ausbaden muss. Baumann hat als Spieler die goldene Schaaf-Ära selbst erlebt und wollte offenbar zusammen mit Kohfeldt ähnliches aufbauen. Überdies verrannte sich Werder aber in einen ungesunden Personenkult, wie das bereits bei Schaaf der Fall gewesen ist. Am Ende stand nur noch "Kontinuität" als leere Worthülse, die sportliche Entwicklung stagniert seit zwei Spielzeiten. Werder ist einem Phantom hinterhergejagt.

"Es gehört zu unserer DNA, wenn möglich an einem Trainer festzuhalten." Das hat Bode auch noch gesagt am Sonntagabend. Das ist ein lohnenswertes Ziel, wenn man zu einhundert Prozent überzeugt ist. Nur war das in Bremen schon lange nicht mehr der Fall. Die Hoffnung, dass das irgendwie schon noch einmal gutgehen wird, musste immer größer werden. In der Zwischenzeit wurde geschlampt und wichtige Entscheidungen wurden verschleppt. Und jetzt droht der Werder-Weg geradeaus ins Nichts zu führen: in die zweite Liga.