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Fussball

Kommentar zur Kritik an BVB-Kapitän Marco Reus: Man kann sich eigentlich nur an den Kopf fassen

Von Stanislav Schupp
Marco Reus von Borussia Dortmund musste zuletzt Kritik einstecken.

Marco Reus musste zuletzt scharfe Kritik einstecken. Angesichts der aktuellen Umstände beim BVB und seinem Kapitän ist diese allerdings unangebracht. Ein Kommentar von Stanislav Schupp.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass Borussia Dortmund zuletzt in der Bundesliga gegen den FC Bayern München gewann. Nach zweifachem Rückstand drehten Marco Reus und Paco Alcacer die Partie binnen fünf Minuten zugunsten der Schwarz-Gelben und verwandelten das - aus heutiger Sicht nur noch schwer vorstellbar - ausverkaufte Westfalenstadion in ein Tollhaus.

"Eines Kapitäns sowas von würdig, was er hier macht", schrie Kommentator Jan Platte nach Reus' zweitem Treffer per Direktabnahme bei der Vertonung der Highlights ins Mikrofon. Seinerzeit spielte Reus eine der besten Saisons seiner Karriere, steuerte allein in der Bundesliga 17 Tore und 12 Assists bei und verpasste seine erste Meisterschaft mit dem BVB am Ende nur denkbar knapp.

Anno 2020 ist die Situation eine andere. Marco Reus steht medial wieder einmal in der Kritik. Es geht um seine Fähigkeiten als Kapitän, seine Leistungen und - na klar - um seine Verletzungen. Da kann man sich eigentlich nur an den Kopf fassen.

Losgetreten wurde die Debatte vor knapp zwei Wochen von Dietmar Hamann, der bei Sky90 meinte, er könne es nicht verstehen, warum man Reus im Sommer nicht die Kapitänsbinde weggenommen habe. Die andere Frage sei, "ob ich sie ihm vor zwei Jahren überhaupt gegeben hätte". Außerdem sei Dortmund ja ohnehin "im Moment ohne Marco Reus besser" dran.

BVB: Reus kann immer noch den Unterschied machen

Doch ist diese These wirklich haltbar? Fakt ist, dass der BVB in der Bundesliga seit Sommer 2019 nur eines von 20 Bundesliga-Spielen verloren hat, in denen Reus in der Startaufstellung stand. Ohne den Kapitän waren es sechs von 20.

Klar ist dennoch, dass sich Reus nach bisher elf absolvierten Pflichtspielen der laufenden Saison noch lange nicht auf seinem Leistungsmaximum befindet und für seine Verhältnisse zu wenige spielerische Akzente setzt. Der 31-Jährige stand in nur fünf Partien in der Startformation, absolvierte dabei 501 von möglichen 990 Spielminuten und weist bislang drei Torbeteiligungen vor.

Klar ist aber auch, dass der Offensivstar nach einer abermals langwierigen Verletzung behutsam aufgebaut werden muss.

Ein Blick auf die Verletzungshistorie des gebürtigen Dortmunders genügt, um zu verstehen, weshalb sowohl die BVB-Bosse als auch Cheftrainer Lucien Favre zur Geduld mahnen. Allein in der vergangenen Saison fiel der Rechtsfuß insgesamt für 241 Tage aus. Reus' jüngste Muskelverletzung aus dem Februar dieses Jahres zog sich bis Ende August.

Der eng getaktete Spielplan und besonders die dabei erforderliche Belastungssteuerung werden Reus zu Einsätzen und Spielrhythmus verhelfen. Es ist aber auch ebenjener Spielplan und die damit verbundene Trainingsintensität, die gleichzeitig ein Risiko für seine Verletzungsanfälligkeit darstellen. Insofern ist es nur logisch, dass Reus seine Einsatzminuten derzeit in einer angemessenen Dosis bekommt - und mitnichten ein Grund, ihn als Kapitän abzusetzen. Zumal Reus' Wort in der BVB-Kabine nach wie vor großes Gewicht hat.

Zudem stand Reus übrigens - wenn auch sechsmal als Joker - neben Thomas Meunier, Julian Brandt und Giovanni Reyna als einer von nur vier BVB-Spielern in jedem Pflichtspiel der laufenden Saison auf dem Platz.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: "Wissen, was wir an ihm haben"

Wie wichtig er dort für die Dortmunder sein kann, hat er etwa mit dem für das 1:0 gegen den SC Freiburg (Endstand 4:0) ursächlichen Ballgewinn gegen Nicolas Höfer oder mit seinem spielentscheidenden Treffer zum 1:0-Endstand gegen Hoffenheim gezeigt.

Hinzu kommt, dass die Schwarz-Gelben sportlich aktuell ohnehin nichts überstürzen müssen. Favre verfügt dank des breiten Kaders vor allem in der Offensive über zahlreiche Möglichkeiten. So wechseln sich neben Reus Jadon Sancho, Thorgan Hazard, Reyna und Brandt auf den Positionen hinter Erling Haaland ab. Dortmund ist also inzwischen flexibel und variabel genug, um dem in den vergangenen Jahren nahezu unverzichtbaren Reus (131 Tore und 83 Assists in 277 Pflichtspielen) ausreichend Zeit zu verschaffen.

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betonte angesprochen auf die Hamann-Kritik bereits im Gespräch mit der Bild, dass man definitiv auf den Kapitän setze: "Dass Marco nach dieser langen Verletzungspause Zeit benötigt, seine Leistung zu stabilisieren, ist ja wohl einleuchtend. Wir wissen jedenfalls, was wir an ihm haben."

Damit ist eigentlich alles gesagt.

Marco Reus: Seine Bilanz bei Borussia Dortmund

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