Fussball

Mark Uth vom FC Schalke 04 im Interview: "Jeder hat auf Mario Götze eingedroschen"

Nach seinem kurzfristigen Trainingsboykott wurde sein Charakter in Frage gestellt: Schalke-Stürmer Mark Uth.

Wie erinnern Sie sich an Ihr erstes Gespräch mit Nagelsmann?

Uth: Im ersten Spiel saß ich gegen Bremen leider nur auf der Bank. Huub Stevens hatte mich zuvor aus dem Kader gestrichen. Ich habe dann zwar nicht gespielt, Julian hat mich aber nach dem Spiel in den Arm genommen und mir gesagt: "Deine Zeit wird kommen."

Und die kam schneller als gedacht.

Uth: Tatsächlich. Andrej Kramaric hatte gegen Bremen die Gelb-Rote Karte gesehen, ich habe in der Folgewoche gut trainiert, mich aufgezwungen und Julian hat mich dann gegen Mainz reingeworfen. In dem Spiel habe ich zwei Tore gemacht, wir haben 3:2 gewonnen und damit war das Thema eigentlich durch. Unser Verhältnis war vom ersten Moment an sehr, sehr gut.

Lag es auch daran, dass Nagelsmann nicht nur ein guter Trainer, sondern auch ein guter Mensch ist?

Uth: Auf jeden Fall. Er ist gedanklich sehr jung geblieben, das hast du immer wieder gemerkt. Julian hat in den Trainingsspielen regelmäßig mitgespielt, er ist nach den Einheiten noch auf dem Platz geblieben und hat ein paar Bälle aufs Tor gebolzt. Das war schon ein großer Unterschied zu anderen Trainern.

Ist Nagelsmann taktisch so gut wie sein Ruf?

Uth: Ja. Er sagt dir genau, wie du einen Gegner bespielen musst, um zu gewinnen. Am Anfang haben wir alle gedacht: Was erzählt der denn da jetzt? Aber in der Videoanalyse danach hat er uns bewiesen, dass er mit allem Recht hatte.

Brauchen Sie als Spieler eher klare taktische Vorgaben oder viele Freiheiten?

Uth: Eher die Freiheiten. Die Flexibilität zeichnet mich als Spielertyp aus.

Mark Uth: Statistiken bei S04, Hoffenheim und Heerenveen

VereinSpieleToreTorvorlagen
FC Schalke 042943
TSG 1899 Hoffenheim863315
SC Heerenveen422112
Heracles Almelo31104
1. FC Köln II41164

Uth: "Wurde vier Tage von der Presse angegangen"

Eine Verletzung beendete Anfang April Ihre erste Saison auf Schalke. Eine Saison, die für alle enttäuschend verlief. Besonders Manager Christian Heidel geriet für seine getätigten Transfers in die Kritik. Sie waren einer der Spieler, die er geholt hatte. Wie haben Sie die Diskussionen wahrgenommen?

Uth: Ich habe nie etwas Negatives über meinen Transfer gehört oder gelesen. Mir ist bewusst, dass ich keine gute Saison gespielt habe, aber das hat niemand von uns. Ich denke, man kann bei mir nicht von einem Transferflop sprechen. Ich bin noch lange nicht fertig auf Schalke.

Einer der Tiefpunkte für Sie persönlich war in der vergangenen Saison die Suspendierung im März, nachdem Domenico Tedesco zuvor vielsagend die "Charakterfrage" gestellt hatte. Sie sprachen danach von einem Verhältnis, das "sehr belastet" war. Haben Sie das mit ihm bereinigen können?

Uth: Kurz bevor er freigestellt wurde, haben wir uns über die ganze Geschichte unterhalten und das auch ad acta gelegt. Damit war das Thema durch.

Als Reaktion darauf, dass Sie Tedesco aus dem Kader gestrichen hatte, haben Sie das Training geschwänzt. Eine menschliche, aber keine professionelle Reaktion. Danach wurden Sie medial an den Pranger gestellt. Darf man als Fußballprofi Fehler machen?

Uth: Ich wurde vier Tage lang von der Presse hart angegangen. Ich hatte übrigens nicht mal eine komplette Trainingseinheit verpasst, sondern nur einen Teil davon. In dem Moment war mir einfach danach, ich bin ein sehr emotionaler Mensch und habe in diesem Moment dementsprechend reagiert. Aber natürlich war das ein Fehler und dass die Presse das dann aufgreift, ist auch klar.

Diskutiert man unter Profis, wie Medien mit den Fußballern umgehen?

Uth: Das ist schon ein Thema. Ich fand beispielsweise den Umgang mit Mario Götze schwierig, weil jeder auf ihn eingedroschen hat. Ich persönlich habe ja nur vier Tage etwas abbekommen und das hat schon an mir gekratzt, als - überspitzt gesagt - geschrieben wurde "Uth, das Charakterschwein, kommt nicht zum Training." Das ist echt nicht ohne. Man darf nicht vergessen, dass wir auch nur Menschen sind und auch Gefühle haben.

Was hilft in solchen Situationen?

Uth: Man hat Glück, wenn man eine Familie hat, die dann zu einem hält.

Mark Uth von S04: Medien? "Diese Angst schwingt mit"

An wen haben Sie sich in diesen vier Tagen gewandt?

Uth: An meine Eltern und Freunde. Ich habe auch viel mit meinem Berater gesprochen.

Inwiefern schwingt bei Begegnungen mit Medienvertretern die Angst mit, etwas Falsches zu sagen?

Uth: Diese Angst schwingt mit. Du machst dir schon Gedanken, was du sagen kannst und was eher nicht, du haust dann aus Vorsicht manchmal vielleicht eher ein paar Floskeln raus.

Als Sie sich vor Jahren für einen Wechsel zu Heerenveen entschieden haben, haben Sie mal gesagt, wie beeindruckt Sie von dem Publikum dort waren. Der Schalker Anhang gilt als sehr emotional, aber auch als sehr kritisch. Wie haben Sie das in Ihrer ersten Saison erlebt?

Uth: Die Fans auf Schalke sind überragend und natürlich möchte man die Erwartungen der Fans nicht enttäuschen.

Wie sind Sie damit umgegangen?

Uth: Man ist demütig und nimmt es unterbewusst auf, auch wenn die Stimmung mal kippt und schlechter wird.

Gewöhnt man sich mit der Zeit daran?

Uth: Ich für meinen Teil schon. Es kann sich ja umgekehrt auch eine positive Energie entwickelt. Ich habe da das Spiel im Kopf, vor dem Rudi Assauer leider von uns gegangen ist. Das war das Pokalspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Da haben wir in einer Szene Pressing gespielt, drei Leute sind dem Ball hinterhergejagt, einer ist reingegrätscht und plötzlich springen unsere Fans auf, schreien wie am Spieß und feuern uns an. Das ist das schönste Gefühl der Welt, da hatte ich Gänsehaut am ganzen Körper. Mit unseren Fans im Rücken können wir jeden schlagen.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung