Fussball

"Hurra-Fußball? Natürlich riskant"

Von Daniel Reimann
Kevin Volland erzielte in dieser Saison zehn Treffer und bereitete zehn Tore vor
© getty

SPOX: Was ist Ihnen auf dem Platz denn lieber: Spektakel oder Langeweile?

Volland: Eine Mischung aus beidem finde ich am besten. Natürlich wollen wir erfrischenden Offensivfußball spielen und uns ist klar, dass der Gegner dann auch zu Torchancen kommt. Andererseits musst du dich auch an den Spielverlauf anpassen. Wenn du 2:0 führst, dann macht es kein Sinn, weiter für Spektakel zu sorgen. Dann musst du auch clever aus der Ordnung heraus spielen und die Zeit von der Uhr nehmen.

SPOX: Sie selbst sind ein sehr variabler Stürmertyp, kamen auf allen Offensivpositionen zum Einsatz. Welche liegt Ihnen denn am meisten?

Volland: Wir haben viele Freiheiten in der Offensive, deshalb ist es mir relativ egal, wo ich spiele. In unserer Offensive gibt es ja auch keine klassischen Außenpositionen. Der rechte Mittelfeldspieler ist ja praktisch der rechte Zehner. Und vorne drin macht es mir genauso viel Spaß. Egal, auf welcher Position man bei uns spielt: Wenn man defensiv die Aufgabe erfüllt, die einem der Trainer mitgibt, hat man offensiv viele Freiheiten. Wenn wir im Ballbesitz sind, kann ich zum Beispiel jederzeit mit Roberto Firmino tauschen. Wir können enger zusammenrücken, aber auch breit stehen. Wir können Wege in die Tiefe gehen. Das Wichtigste dabei ist nur, intuitiv die richtige Entscheidung zu treffen.

SPOX: Wie wichtig ist die Harmonie mit den Mitspielern?

Volland: Enorm wichtig. Umso mehr Trainingseinheiten und Spiele man mit seinen Kollegen absolviert, desto besser versteht man sich. Desto besser versteht man, wie die anderen ticken, desto besser antizipiert man ihre Laufwege. Gerade zum Ende hin hat es uns enorm geholfen, dass wir immer eingespielter waren. Umso wichtiger ist es, dass wir auch nächste Saison zusammenbleiben.

SPOX: Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist getan: Firmino und Sie haben Ihre Verträge verlängert. Wäre ein Wechsel zu einem größeren Klub persönlich zu früh gekommen?

Volland: Das weiß ich nicht, da ich mich für Hoffenheim entschieden habe. Das ist definitiv der richtige Schritt. Es macht Riesenspaß, hier kann ich mich bestmöglich weiterentwickeln. Die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, passt perfekt zu mir.

SPOX: Manch einer würde behaupten, auch der Dortmunder Fußball würde gut zu Ihnen passen...

Volland: Der Fußball in Dortmund ist ja ähnlich wie unserer. Beide Teams wollen schnell ins Gegenpressing kommen, Bälle früh erobern und möglichst schnell zum Torabschluss kommen. Ob Dortmunds Fußball jetzt perfekt zu mir passt, kann ich aber nicht wissen. Schließlich habe ich dort noch nie gespielt.

SPOX: Gab es denn konkrete Anfragen?

Volland: Damit habe ich mich nie beschäftigt. Das habe ich komplett ausgeblendet. Mir war wichtig, dass wir eine gute Saison spielen. Wenn man sich zu viel mit den Dingen beschäftigt, die in der Presse stehen, hat man den Kopf frei einfach nicht frei.

SPOX: Neben dem ähnlichen Fußball gibt es noch eine andere markante Parallele zu Dortmund: Den Footbonauten, den Hoffenheim als erstes Bundesliga-Team nach dem BVB nutzt. Wie oft waren Sie schon drin?

Volland: Ich war erst einmal drin, aber es hat mir Riesenspaß gemacht. Es ist ein tolles Training für Ballannahme und Reaktion. Ich habe es leider nicht öfter geschafft, zum Ende der Saison ist man froh, wenn man nach dem Training regeneriert. Daher hatten die meisten bisher nur ein- bis zweimal Zeit dafür. Aber in der Vorbereitung werden wir ihn bestimmt wieder öfter nutzen.

SPOX: Der Footbonaut ist also noch kein fixer Bestandteil des Trainingsprogramms, sondern eher eine nette Zusatzoption?

Volland: Das würde ich nicht so sagen. Wir bauen den schon öfter ins Training ein. Vor allem für die Spieler, die nicht so oft spielen. Die können sich dort richtig austoben und alles raushauen. Es ist schon ein wichtiges Element des wöchentlichen Trainings.

SPOX: Aus Ihrer subjektiven Einschätzung heraus: Was kann mit dem Footbonauten trainiert werden, was auf dem Platz mit "üblichen" Übungen nicht so effektiv verbessert werden kann?

Volland: Man kann dort so viele Sachen einstellen, das ist Wahnsinn. Man kann sich den Ball mit 100 km/h flach in den Fuß schmettern lassen, man kann ihn sich auf die Brust ballern lassen. Es gibt so viele Sachen, so viele Alternativen, die man trainieren kann und auf die man im Spiel auch vorbereitet sein muss. Am wichtigsten ist dabei die Handlungsschnelligkeit. Nach der Annahme muss man den Ball sofort in ein irgendwo aufblinkendes, leuchtendes Feld hineinschießen und weiter geht's. Das ist schon ein überragendes Training.

SPOX: Mutet die Tatsache, inmitten von Leuchtfeldern und Ballmaschinen zu stehen, nicht komisch an? Fehlt einem da nicht die "gewohnte" Fußballerumgebung wie etwa auf dem Trainingsplatz?

Volland: Dann stellt man einfach über den Ton das Stadiongeräusch an (lacht). Das geht auch. Mit dem Footbonauten geht alles. Beim ersten Mal ist es schon ein wenig spektakulär. Man kommt rein und man fühlt sich wie in einem Ufo. Aber es ist ja nicht der Zweck des Footbonauten, sich wie immer auf dem Trainingsplatz zu fühlen. Man will sich weiterentwickeln, die Ballannahme verbessern. Das geht im Footbonaut richtig gut.

SPOX: 100 km/h schnelle Bälle aus den verschiedensten Richtungen - gab es da schon mal einen schmerzhaften oder kuriosen Zwischenfall?

Volland: Ja, beim ersten Mal habe ich die Einführungsrunde nicht ganz mitbekommen. Immer bevor die Ballmaschine den Ball abschießt, ertönt ein Geräusch, ein Pfeifen. Ich dachte, das käme von der Ballmaschine, denn von denen gibt es schließlich vier. Dabei signalisiert das Pfeifen die Richtung, wo man den Ball selbst hinpassen muss. Dadurch kamen die Bälle ständig aus anderen Richtungen, als ich erwartet hatte und ich war völlig überfordert (lacht). Aber das war nur in der Einführungsrunde.

Seite 1: Volland über seine WM-Nominierung und Gisdols Veränderungen

Seite 2: Volland über die variable Offensive und Training im Footbonauten

Kevin Volland im Steckbrief

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