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Fussball

Der Auftrag heißt Volumen

Von Andreas Lehner
Watzke (2.v.l) hat alle Hände voll zu tun und das nicht nur wegen Lewandowski (2.v.r.)
© imago

Borussia Dortmund schließt die Akte Robert Lewandowski endgültig. Die eigentliche Arbeit hat der BVB aber noch vor sich. Watzke, Zorc und Klopp müssen ihre Aussagen nach und nach mit Leben füllen.

Robert Lewandowski steht das wichtigste Wochenende seines Lebens bevor. Am Samstag will er seine langjährige Freundin Anna in Warschau heiraten. Deshalb ließ er es bei einem Junggesellenabschied an der Cote d'Azur auch noch mal ordentlich krachen, so war zumindest zu lesen.

Ob die Stimmung auf der Hochzeitsfeier etwas gedrückter ausfällt, ist reine Spekulation, aber beruflich lief es bei Bräutigam Lewandowski schon mal besser.

Lewandowski 2014 zum FC Bayern

Der BVB hat in Person von Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc mitgeteilt, dass der Stürmer auch in der Saison 2013/14 das Trikot von Borussia Dortmund tragen werde. Lewandowski hatte zuletzt durch diverse Aussagen versucht, seinen Abschied zu erzwingen. Er will zum FC Bayern.

Die Müncher sind aber nicht bereit, 25 bis 30 Millionen Euro für einen Stürmer auszugeben, der im kommenden Sommer ablösefrei zu haben ist und der im System von Pep Guardiola vielleicht erst gar nicht benötigt wird.

Die andere Möglichkeit, Lewandowski an einen zahlungskräftigen Klub im Ausland zu verkaufen, fiel für den BVB aus, weil sich der Pole intern klar für einen Wechsel nach München positioniert hatte. Außerdem hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Lewandowskis Berater in München längst eine bindende Vereinbarung unterschrieben haben.

Wie reagieren die BVB-Fans?

Wie der Spieler und die Vereinsführung den Graben wieder zuschütten wollen, der sich in den vergangenen Tagen und Wochen zwischen Lewandowski und den Fans aufgetan hat, ist noch offen. Auf den Abgang von Mario Götze reagierten viele Fans mit Ablehnung.

Es wird interessant zu beobachten sein, wie Lewandowski vor der Südtribüne feiern wird und wie die Anhänger darauf reagieren.

Auszuschließen ist dagegen, dass Lewandowski seine Leistung schleifen lässt oder der BVB seinen Spitzenstürmer ein Jahr auf der Bank oder gar auf der Tribüne parkt. Beide Seiten werden das letzte Jahr ihrer Zusammenarbeit professionell miteinander abwickeln und sich dann trennen.

Die Hauptaufgabe des BVB

Bis dahin muss der BVB eine adäquate Lösung gefunden haben, wie er den Fixpunkt Lewandowski im Offensivspiel ersetzen will. Denn genau darin besteht eigentlich die Hauptaufgabe der Führungsriege um Watzke, Zorc und Trainer Jürgen Klopp in diesem Sommer.

Watzke hatte schon im März dieses Jahres große Investitionen angekündigt. "Wir wollen die Spitze und die Breite voluminöser machen", sagte der Geschäftsführer etwas verkopft. Der Kader hatte in der vergangenen Saison in der Tiefe nicht die Qualität, um den Bayern in der Meisterschaft folgen zu können.

Mehr Abgänge als Zugänge

"Planungsklarheit" war das Wort, das Watzke benutzte, als er die Transferposse um Lewandowski endgültig schloss. Zorc sprach von "Klarheit", die der Verein brauche, weil "wir in gut zwei Wochen mit der Vorbereitung beginnen".

Am 3. Juli, so spät wie keine andere Bundesligamannschaft, beginnt die Borussia die Saison mit einem Kurztrainingslager im österreichischen Kirchberg in den Kitzbüheler Alpen. Als Neuzugang haben die Dortmunder bisher nur Sokratis vorzuweisen, der für 9,5 Millionen Euro von Werder Bremen kommt und den zu Schalke gewechselten Felipe Santana ersetzen soll.

Dagegen stehen mit Mario Götze, Moritz Leitner und dem dauerverletzten Patrick Owomoyela drei Abgänge fest. Dem Abschied von Leonardo Bittencourt fehlt nur noch die offizielle Bestätigung. Im Winter verließen bereits Linksverteidiger-Backup Chris Löwe und Ivan Perisic den Klub.

Dazu kommt, dass die Neuzugänge der vergangenen Saison wie Julian Schieber und Oliver Kirch nicht den Schritt auf das Niveau eines Champions-League-Teilnehmers vollziehen konnten.

BVB-Kader extrem ausgedünnt

Die fehlende Substanz im Kader hat sich der BVB also auch selbst zuzuschreiben, von den Abgängen von Lucas Barrios und Shinji Kagawa ganz abgesehen.

21 Feldspieler hat die Borussia derzeit im Kader, Auffüllspieler wie Marc Hornschuh, Marvon Bakalorz und Balint Bajner dazu gezählt. Zur normalen Rotation gehören eher 15 Feldspieler, von denen Lukasz Piszczek wegen seiner Hüft-OP die komplette Hinrunde ausfallen könnte.

Der BVB braucht also dringend Spieler. Nur gestaltet sich der Vorgang nicht ganz so leicht, wie sich das Klopp nach dem verlorenen Champions-League-Finale vorgestellt hatte. "Jetzt gehen wir in den Urlaub und dann kaufen wir ein paar Spieler, weil wir ein paar Spieler brauchen", sagte der Trainer noch in London.

Watzke kritisiert "überzogene Vorstellungen"

Passiert ist wenig, weil die Dortmunder durch ihre lukrative Saison in der Champions League und den 37-Götze-Millionen des FC Bayern auf dem Transfermarkt als finanzielles Schwergewicht angesehen werden.

"Es kommt vor, dass überzogene Vorstellungen herrschen. Aber wir sind halt nicht der typische Champions-League-Finalist", versucht Watzke im "Kicker" die Branche in den Griff zu bekommen. "Und das weiß die jeweils andere Seite auch." Nur interessiert das die andere Seite herzlich wenig.

Die Dortmunder werden sowohl für Ablösesummen als auch für Gehälter tief in die Tasche greifen müssen, um die Aussagen von Watzke, Zorc und Klopp mit Leben und den selbst gestellten Auftrag nach Volumen im Kader zu erfüllen.

Eher Reus als Kirch

Insofern kam Watzkes Ankündigung über das ansteigende Gehaltsniveau nicht überraschend. Die Festlegung auf eine Zahl zwischen 67 und 68 Millionen Euro dagegen schon. Schließlich hat der BVB erst einen Spieler verpflichtet. Die Transfers der gehandelten Christian Eriksen, Bernard, Kevin de Bruyne oder Edin Dzeko gestalten sich schwierig.

Watzke sagt, es gebe in Sachen Transfers "keine Restriktionen außer der Tatsache, dass es Sinn machen und aus Eigenmitteln finanziert werden muss".

Die Taktik, Spieler aus der zweiten Reihe zu kaufen und sie beim BVB zu Stars zu formen, wird auf Dauer allein nicht reichen. Die Dortmunder denken eher in der Kategorie Marco Reus als in der Kategorie Kirch. Die Frage ist: Wann geht's richtig los?

Der Kader von Borussia Dortmund

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