Formel 1

"McLaren nicht weit weg von Red Bull"

Von Alexander Mey
Red Bull machte bei den Testfahrten im Winter einen sehr souveränen Eindruck
© Getty

Die Sorgenkinder

Ferrari: Die Ratlosigkeit ist groß. Die Angst vor dem totalen Fehlstart ebenfalls. Keiner weiß genau, wie er mit dem F2012 umgehen soll, um ihn schnell und vor allem konstant zu machen. Das Auto liegt viel zu unruhig auf der Straße und droht dadurch große Probleme mit dem Reifenverschleiß zu bekommen. Vom geplanten Angriff auf Red Bull redet niemand mehr, der Blick geht eher nach hinten auf Teams wie Mercedes, Lotus, ja sogar Sauber und Force India. In Maranello gab es schon eine Krisensitzung.

"Es ist offensichtlich, dass wir nicht glücklich damit sein können, wie die Testfahrten verlaufen sind", sagte Teamchef Stefano Domenicali. Technikchef Pat Fry schloss Podestplätze in den ersten Rennen schon aus. Fernando Alonso sagte: "Unser neues Auto hat einige Eigenschaften, die schwer zu verstehen sind. Und vielleicht sind wir nicht da, wo wir sein wollen."

Blog: Der F2012 in der Analyse

Surer: "Es ist zu befürchten, dass von den Top-Teams nur Ferrari ernsthaft auf Zeit gefahren ist, um angesichts all ihrer Probleme die Wogen ein wenig zu glätten. Es würde mich sehr wundern, wenn Ferrari seine Probleme in der kurzen Zeit bis Melbourne noch beheben kann. Aber ich würde sie noch nicht abschreiben. Sie haben ein großes Team, die kriegen das schon hin. Die Frage ist nur wann und wie gut. Ferrari hat zwei Baustellen: Zum einen haben sie zu Beginn eine sehr extreme Auspuffvariante gewählt, die sie dann umbauen mussten. Das hat viel Zeit gekostet. Die zweite ist die Vorderradaufhängung. Dort ist die Umstellung von Druck- auf Zugstreben aufgrund der hohen Nase problematisch. Der Winkel ist einfach ungünstig und die Abstimmung dadurch extrem schwierig. Es war auf der Strecke deutlich zu sehen, dass die Fahrer Handlings-Probleme hatten. Insgesamt ist die Situation enttäuschend, denn die Formel 1 braucht ein Ferrari-Team, das an der Spitze mitfährt."

HRT: Die Spanier mussten erst die Wirren um den Umzug des Teams bewältigen und fielen dann auch noch durch den Crashtest. Das kostete jegliche Vorbereitungszeit auf die neue Saison und verspricht so gut wie nichts für den Auftakt in Melbourne.

"Wir konnten zwar keinerlei Set-Up-Arbeit machen, aber alle Systeme scheinen zumindest einwandfrei zu funktionieren", sagte Narain Karthikeyan nach dem Rollout zu Filmaufnahmen.

Marussia: Gleiches Problem wie bei HRT, nur dass es bei Marussia überraschender kam. Eigentlich konnte sich das Team voll auf die Entwicklung des neuen Autos konzentrieren und hatte dabei auch noch Unterstützung von Partner McLaren. Trotzdem wurde es nichts mit einem einzigen Testkilometer vor der Saison.

"Es war für uns alle eine lange und frustrierende Wartezeit, aber jetzt sind wir wieder in der Spur und können mit den Vorbereitungen auf Australien beginnen", sagte Teamchef John Booth.

Surer: "Es ist Wahnsinn, dass die Hinterbänkler schon vor dem ersten Rennen erneut die Hinterbänkler sind, weil sie es nicht schaffen, rechtzeitig ein Auto auf die Räder zu stellen. Bei HRT kann man es bei all den Turbulenzen um den neuen Eigentümer noch irgendwo verstehen, aber Marussia wusste schon rechtzeitig, dass man mit McLaren zusammenarbeitet. Es gibt keine Entschuldigung dafür, dass die so weit hinten dran sind. Auch andere sind durch Crashtests gefallen, na und? Zwei Tage später wurde der nachgeholt und die Sache war erledigt. Timo Glock kann einem nur leid tun."

Steckbriefe: Alle Teams und Fahrer im Überblick

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