Cookie-Einstellungen
Formel 1

Regengötter und lausige Pokerspieler

Von Alexander Mey
Ferrari stand beim Malaysia-GP mehrere Male im Regen
© Getty

Der Malaysia-GP brachte Gewinner und Verlierer hervor. So ist es bei jedem Formel-1-Rennen, deshalb gilt die Floskel auch immer. Diesmal sorgte der Monsunregen aber dafür, dass es ganz unterschiedliche Arten von Gewinnern und Verlierern gab. Glückliche wie Nick Heidfeld, clevere wie Timo Glock, Pechvögel wie Nico Rosberg und unkluge wie Ferrari. SPOX stellt die Kandidaten für jede Kategorie vor.

Die Cleveren

Jenson Button: Der Brawn-GP-Pilot ist der verdiente Sieger des Rennens. Erstens, weil sein Team ihm das schnellste Auto zur Verfügung gestellt hat. Zweitens, weil er trotz chaotischer Bedingungen und kritischer Rennsituationen immer die Ruhe und den Überblick behalten hat.

Erst ein schlechter Start, der ihn auf Platz vier zurückfallen ließ, dann die Aufholjagd zurück an die Spitze. Es folgten der einsetzende Regen, die falsche Reifenwahl, der erneute Wechsel von Regenreifen auf Intermediates - und zu guter Letzt das Überholmanöver gegen Timo Glock. "Was für ein verrücktes Rennen", sagte Button. "Ich habe nicht einmal eine Zielflagge gesehen."

Den zweiten Sieg für ihn und sein Team gab es trotzdem. Auch, weil sich Chefstratege Ross Brawn trotz der Wetterkapriolen keine großen Fehler leistete. Er holte Button immer rechtzeitig an die Box, um den Platz an der Spitze zu verteidigen. "Ich bin sehr zufrieden damit, wie schnell wir auf die ständig wechselnden Bedingungen reagiert haben", sagte Brawn. "Wir haben zwar nicht die optimalen Entscheidungen getroffen, aber der Sieg ist trotzdem hoch verdient. Im Trockenen hätten wir sogar noch besser ausgesehen."

Timo Glock: Der heimliche Held des Rennens. Glock war der einzige Fahrer, der bei einsetzendem Regen den Wechsel auf Intermediates riskierte anstatt auf Regenreifen. Natürlich hatte er dabei Glück, denn das hätte auch nach hinten losgehen können. Aber den goldrichtigen Riecher kann man ihm nicht absprechen. Ebenso wenig wie seine starke fahrerische Leistung danach. Denn auch mit den richtigen Reifen muss man auf rutschiger Strecke erst einmal so durch das Feld pflügen wie Glock das getan hat.

"Es ist fantastisch, wieder auf dem Podium zu sein. Ich bin für das gesamte Team wirklich glücklich", sagte Glock, gab aber auch zu, dass er sogar den Sieg im Visier hatte: "Ich wäre gerne noch weitergefahren, weil ich einen guten Lauf hatte. Wir waren im Regen superschnell und ich hätte mich gefreut, wenn ich noch hätte weiterkämpfen können."

Der Glückliche

Nick Heidfeld: Nach schwachem Qualifying und mit randvoll getanktem BMW-Sauber wäre Nick Heidfeld bei einem Trockenrennen niemals Zweiter geworden. Für ihn kam der Regen aber exakt zur richtigen Zeit. Er konnte seinen langen ersten Stint fast komplett ausfahren und direkt auf Regenreifen wechseln. Dadurch sparte er zum Beispiel gegenüber Sieger Button drei Boxenstopps.

Dank KERS gelang es ihm zudem, sich mit schwerem Auto auf den Geraden zu verteidigen. Kurz vor dem Abbruch hatte er das Glück, nicht zehn Sekunden früher an der Boxengasse vorbeizufahren.

"Wir haben mit dem Wechsel auf Regenreifen nicht die optimale Wahl getroffen. Ich wollte schon wieder auf Intermediates wechseln, doch 200 Meter vor der Boxengasse setzte dann erneut heftiger Regen ein. Deshalb bin ich draußen geblieben", erklärte Heidfeld.

Die heißesten Gridgirls aus Malaysia

Und noch zweimal war Fortuna Heidfeld gewogen. Erst, als er nach einem Dreher weiterfahren konnte, dann, als ihn Glock erst kurz nach dem Ende der Runde auf Platz drei verwies, die später als letzte Rennrunde gewertet wurde.

So viel Dusel für Heidfeld, und trotzdem muss man in so einem Rennen erst einmal Platz zwei nach Hause fahren. "Glücklich bedeutet, dass sowohl die Boxenmannschaft als auch der Fahrer unter schwierigsten Bedingungen eine fehlerfreie Leistung geboten haben. Reines Glück war das nicht", fasste BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen zusammen.

Die Unklugen

Ferrari: Die Scuderia war an diesem Wochenende ein Chaos-Verein. Erst das Qualifying, in dem sich Felipe Massa verzockte und konsterniert zusehen musste, wie er in der ersten Session herausgekickt wurde.

Dann das rätselhafte Pokerspiel der Strategen von Kimi Räikkönen. Ihn an die Box zu holen und ihm Regenreifen zu geben, obwohl die Strecke noch knochentrocken ist, kann man nur als Himmelfahrtskommando bezeichnen. Hätte es sofort angefangen zu schütten, dann wäre er der große Sieger gewesen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es noch zwei, drei Runden dauert, bis der Regen kommt, war zu diesem Zeitpunkt wesentlich höher.

Grand-Prix-Rechner: Bestimme selbst, wer 2009 Weltmeister wird!

So kam es dann auch, und die Regenreifen von Räikkönen waren bereits völlig hinüber. Beim Pokern würde man sagen: Ferrari ging All-In, und zwar mit einer Vier und einer Sieben. Das Risiko war viel zu hoch - und außerdem unnötig, denn Räikkönen lag zu der Zeit aussichtsreich auf Platz fünf.

Was hatte das Team dazu zu sagen? "Im Nachhinein ist klar, dass wir ein paar falsche Entscheidungen getroffen haben, besonders beim ersten Boxenstopp von Kimi. Die Informationen, die wir zu dieser Zeit hatten, besagten, dass der Regen in sehr kurzer Zeit anfangen sollte. Es dauerte aber noch ein paar Minuten", sagte Teamchef Stefano Domenicali. Sein Fazit: "Wir sind heute einmal mehr sehr enttäuscht und verlassen die Strecke mit leeren Händen."

Räikkönen sah die Sache etwas gelassener. Er stieg nach dem Rennabbruch einfach aus, zog sich um und schleckte genüsslich ein Eis, während seine Kollegen in den Autos auf einen möglichen Neustart warteten.

Bernie Ecclestone: Der Formel-1-Boss wollte unbedingt Europa-freundlichere Startzeiten in Australien und Asien haben, das hat er nun davon. Regen-Chaos, Rennabbruch wegen Dunkelheit, jede Menge Ärger mit Fahrern und Teams. "Entweder man fährt am Tag oder in der Nacht - dazwischen geht es nicht", sagte Ferrari-Pilot Felipe Massa. "Ich habe das schon vorher gesagt, andere auch, nur geholfen hat es nicht. Wir können es innerhalb der Fahrergewerkschaft zwar besprechen, aber lösen können wir es dort nicht."

Lösen konnten es auch die Warnungen der Teams nicht. Sie hatten zwar schon vor dem Saisonstart die Gefahren von starkem Regen und einbrechender Dunkelheit angesprochen, aber Ecclestone wollte nicht auf sie hören.

Der Pechvogel

Nico Rosberg: War das bitter! Nico Rosberg lag nach dem ersten Stint im Trockenen souverän in Führung und hatte sogar eine realistische Chance, das Rennen zu gewinnen. Doch dann kam der Regen, und bei Rosberg ging irgendwie alles schief.

"Zu Beginn des Rennens waren wir sensationell unterwegs. Danach war ich einfach immer mit den falschen Reifen unterwegs: zuerst mit den Slicks auf halbnasser Fahrbahn, dann mit den Regenreifen auf immer noch nur halbnasser Strecke und schließlich mit den Intermediates zum Schluss, als es in Strömen regnete", fasste Rosberg im TV-Interview zusammen. "Das ist natürlich nicht gut gelaufen."

Der Malaysia-GP zum Nachlesen im LIVE-TICKER

Werbung
Werbung