Mark Henry vor dem großen Triumph

Das Gardemaß eines perfekten Heels

Von Walandi Tsantiridis
Freitag, 16.09.2011 | 16:21 Uhr
Mark Henry (l.) lauert auf seine Gelegenheit gegen den Welt-Schwergewichts-Champion Randy Orton
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Mit Mark Henry steht der am besten aufgebaute Bösewicht der vergangenen Jahre im Main Event der WWE. Bei Night of Champions plant er gegen Randy Orton den größten Coup seiner Karriere.

Und so wird es ablaufen: Mark Henry zeigt den Big Splash, der Ringrichter zählt den Pinfall durch und übergibt ihm den Champion-Gürtel. Er sinkt sichtlich gerührt auf die Knie und feiert den Titelgewinn. Keine Einbildung oder Wunschvorstellung, sondern Mark Henrys bis dato größter Erfolg seiner illustren WWE-Karriere: Der Gewinn des ECW-Champion-Titels - ironischerweise bei Night of Champions 2008.

Drei Jahre später greift er bei derselben Veranstaltung nach einer unwesentlich höheren Krone - dem Welt-Schwergewichts-Titel. Nach seinem Sieg bei der Battle Royal der SmackDown!-Ausgabe am 19. August sicherte sich der World's Strongest Man das entsprechende Titelmatch.

Konsequenter Aufbau an die Spitze

Dieser Erfolg bestätigte letztendlich einen Trend, der sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet hat. Mark Henry ist der unaufhaltsame und vor allem dominierende Bösewicht im momentanen WWE-Kader.

Durch seine immense Statur und seine glaubwürdige Mimik besitzt er die notwendige Glaubhaftigkeit, um als Gefahr für den Titel von Randy Orton angesehen zu werden. Seien wir ehrlich - Henry wird nie wie ein Rey Mysterio mit seinem Kampfstil das Publikum begeistern. Dafür hat er andere viel wichtigere Stärken. Er strahlt eine fast erdrückende Dominanz aus, die andere Heels wie Alberto Del Rio und Christian nicht aufweisen können.

Der Unterschied zu Del Rio und Christian

Dazu profitiert er davon, dass er nicht wie andere Heels - wie der aktuelle WWE Champion Alberto Del Rio - als ängstlicher Feigling in den TV-Shows dargestellt wird. Leute wie Del Rio und Christian sind zwar am Mikrofon deutlich stärker als Henry. Jedoch reden Sie eher mit Vorliebe darüber, wie sie die John Cenas und Randy Ortons dieser Welt abfertigen werden, um im entscheidenden Augenblick einen Rückzieher zu machen.

Unbestritten sind beide genannten Superstars gute Heels. Jedoch sind sie vollkommen andere Typen als Mark Henry. Den World's Strongest Man fürchten förmlich Fans und Gegner gleich - und die Kommentatoren verkaufen dies glaubhaft dem TV-Zuschauer - selbst Booker "Ich hab meinen Job nicht verdient" T.

Ein Sieg für Randy Orton bei Night of Champions ist zu diesem Zeitpunkt daher nicht gewiss. Wenn die Viper dieses Hindernis dennoch überwindet, hilft dies seinem Status mehr als all dessen Siege gegen Christian in den vergangenen Wochen zusammengezählt.

Insofern ist es umso unverständlicher, dass in den letzten Jahren die Heels fast ausschließlich wie feige Großmäuler dargestellt wurden. Lediglich bei Mark Henry als Heel wurde ein anderer Weg konsequent eingeschlagen. Und prompt steht ein spannendes Match mit zwei gleichwertigen Protagonisten bei Night of Champions auf dem Programm.

Peinliche Vergangenheit als Sexual Chocolate

Und Henry insbesondere hat sich diesen Status nach seiner fünfzehnjährigen Karriere redlich verdient. Von seinem zweifelhaften Debüt-Match bei "In Your House 10 - Mind Games" mit USA-Strapelanzug als Olympiaversager von Jerry Lawler veräppelt, über ein farbloses Mitglied in The Rocks Nation bis hin zur sexbessessenen Sexual Chocolate während der Attitude-Ära hat er alle zweifelhaften Fantasien der Booker ausspielen müssen. Über die gezeugte Hand mit Mae Young hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens.

Die WWE hat in der Vergangenheit oft versucht, Henry als Monster-Heel zu etablieren. Allerdings waren diese Versuche wie 2007 gegen den Undertaker eher unglaubwürdig, als er nur Jobber abfertigte, um so als Gefahr aufgebaut zu werden.

Einen wichtigen Punkt stellt auch die häufig kurzsichtige Kritik an der Unternehmensausrichtung dar - Stichwort PG. Das jüngere Publikum nimmt die Gefahr des World's Strongest Man ernst und fördert somit die potentielle Gefahr eines Mark Henry.

Das Gesamtpaket stimmt

Ein weiterer Faktor, der die Rechtmäßigkeit seines Status' beweist. Henry hat alle Komponenten zusammen, um mit seinen Voraussetzungen zumindest kurzzeitig World Champion zu sein. Am Mikrofon ist er glaubhaft und sicher. Im Ring wirkt er nicht mehr so holprig wie in der Vergangenheit und kann venünftige Matchstorys erzählen. Zwanzigminütiges "Underground Spot Wrestling" können sich die Dauernörgler gerne in den verrauchten Independent-Ligen ansehen. Die wichtigen Qualitäten kommen selbst bei einem Koloss wie Henry zum Vorschein.

Nichtsdestotrotz ist er auf einen starken Gegner im Ring angewiesen, mit dem er gerade in der Endphase ein spannendes Match zeigen kann. Mit Randy Orton hat die WWE die richtige Entscheidung getroffen. Nicht wegen seiner ringerischen Fähigkeiten. Die hat der Superstar der dritten Generation nach seinem schweren Schlüsselbeinbruch 2008 doch arg eingeschränkt. Jedoch durch seine enorme Beliebtheit wird das Publikum am Sonntag in Buffalo um seinen Liebling bangen. Demnach wird die Spannung des Matches spürbar sein - in der Halle und am TV.

Alles in allem hat es die WWE geschafft, Mark Henry nach dem Draft langfristig so aufzubauen, dass er seine Stärken ideal aufzeigen und der Gegner seine Schwächen verschleiern kann. Nun liegt es an Mark Henry, dieses Vertrauen des Unternehmens zu rechtfertigen.

Es ist eine viel zitierte Phrase, die jedoch in diesem Fall mehr denn je passt. Sonntag bei Night of Champions steht Mark Henry vor dem Match seiner Karriere. Kann er noch einige Zeit als ernst zu nehmender Main Eventer bestreiten? Oder ist es der letzte Versuch des World's Strongest Man, an die Spitze des Unternehmens zu kommen?

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