Die unwahrscheinliche Siegerinnen-Story von Mona Barthel in Prag

„Das ist unfassbar“

Sonntag, 07.05.2017 | 12:00 Uhr
Strahlefrau Mona Barthel - Vom Krankenbett zur Titelträgerin
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Vor einem Jahr schwer krank, jetzt Pokalgewinnerin in Prag: Mona Barthel feierte in der tschechischen Hauptstadt ihren vierten WTA-Titel nach schlimmer Leidenszeit.

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, als klar wurde, wie schlecht es der Tennisspielerin Mona Barthel immer noch ging. Es war auch der Zeitpunkt, an dem die schwer geplagte, von einer mysteriösen Viruserkrankung geplagte Barthel sich weiter nur eins ganz dringend wünschte: "Ich will wieder ein normales Leben führen." Normal war ja nichts mehr für sie, weder in den ersten Monaten der Saison 2016. Noch im April und Mai damals, als sie sich darüber freuen musste, "wieder selbst zum Einkaufen gehen zu können." Woran Barthel noch nicht zu denken wagte, was sie nicht einmal hoffen durfte, war dies: Ihre Tenniskarriere fortzusetzen, wieder auf einem der großen Centre Courts irgendwo auf der Tour zu stehen, das prickelnde Gefühl eines harten, intensiven Kopf-zu-Kopf-Duells zu erleben. "Tennis war immer mein Leben gewesen, doch dieses Leben hatte ich nicht mehr. Und es sah so aus, als würde ich es auch nicht mehr zurückkriegen", sagt Barthel.

Man muss diese Vorgeschichte wenigstens grob kennen, um zu verstehen, wie unwahrscheinlich und bewegend die Szenerie war, die sich an diesem 6. Mai 2017 im Sparta-Klub in Prag bot: Dort nämlich reckte Barthel, die ehemals so rätselhafte Patientin, den Siegerpokal in die Höhe, überwältigt von ihren Gefühlen, von der Erinnerung an die schweren Zeiten. Was sie da geschafft hatte, war vielleicht höher einzustufen als mancher Grand Slam-Sieg für einen der großen Branchenstars - ein Kraft- und Willensakt, eine Demonstration der Courage nach einem Beinahe-Karriereende. "Letztes Jahr war jeder Schritt eine Tortur für mich. Nach zehn Metern war ich völlig erschöpft, am Ende", sagte Barthel, "und jetzt stehe ich hier, als Gewinnerin. Das ist unfassbar."

Gelöste Barrieren nach Krankeits-Saga

Erst recht, weil sich Barthel bei dem Wettbewerb in Tschechiens Metropole erst einmal durch die Qualifikation ins Hauptfeld kämpfen musste, im zweiten Qualifikationsmatch gegen die Italienerin Jasmine Paolini drei Matchbälle abwehrte - und dann auch noch alle weiteren Prüfungen, oft gegen höher eingestufte Konkurrenz, meisterte. Im Endspiel lag die 26-jährige aus Neumünster mit 0:1-Sätzen im Rückstand gegen Lokalmatadorin Kristina Pliskova, setzte dann aber zu einer Aufholjagd an und gewann noch 2:6, 7:5 und 6:2. Es war der vierte Turniersieg für Barthel, der erste seit drei Jahren. Aber es war allem der schönste, anrührendste Sieg, einer, mit dem nicht mehr zu rechnen war nach den Krankheits-Wirren - nach dem jähen gesundheitlichen Absturz, nach all den Schmerzen, Ängsten und Zweifeln.

Barthel, die einstmals als größte Perspektivspielerin im deutschen Frauentennis gehandelt wurde, aber oft am eigenen und öffentlichen Erwartungsdruck scheiterte, erlebt ohnehin schon eine gute Saison 2017. Es scheint, als habe die bittere Krankheits-Saga gewisse Barrieren gelöst, Barthel nimmt ihr Tennis zwar ernst, aber nicht zu ernst, dass sie daran verkrampft. Wer überstanden hat, was Barthel überstand, kommt vielleicht besser mit den Herausforderungen klar, die sich auf einem Centre Court bieten - die Dramatik der Situation wird einfach kleiner. "Jeder Tag auf dem Court ist irgendwie ein Bonus für mich", hatte Barthel schon zu Saisonbeginn gesagt, als sie ein ähnliches Kunststückchen produzierte. Da rückte sie als Nummer 181 der Weltrangliste und als tüchtige Qualifikantin bis ins Achtelfinale der Australian Open vor, scheiterte erst an der späteren Finalistin Venus Williams. Lob galt damals, Lob gilt auch jetzt Coach Christopher Kas, dem ehemaligen Weltklasse-Doppelspieler: "Wir haben immer die richtigen Schwerpunkte im Training gesetzt, die optimale Arbeitsdosis gefunden", sagt Barthel.

"Ich bin froh, dass es vorbei ist"

Die richtige Steuerung des Lebens auf der Tennistour ist wichtig für Barthel. Sie muss sich die Kräfte gut einteilen nach der Erkrankung, die bis heute nicht aufgeklärt ist. All die Schwindelattacken, die Müdigkeit, die Erschöpfungszustände, die Kraftlosigkeit - es gibt keine Königsdiagnose, trotz aller ärztlichen Bemühungen, trotz werweißwieviel Stunden in Praxen und Krankenhäusern. "Ich bin froh, dass es vorbei ist. Ich will eigentlich nicht mehr zurückblicken, es war schlimm genug", sagt Barthel. Eine ganz normale Tennisspielerin mit ganz normalen Siegen ist sie indes nicht, diese Mona Barthel. Die Wunder-Frau des Welttennis.

Das WTA-Turnier in Prag im Überblick

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