Seidenberg holt mit Boston den Cup!

Von Philipp Dornhegge
Donnerstag, 16.06.2011 | 06:52 Uhr
Goalie Tim Thomas wurde beim Stanley-Cup-Sieg seine Boston Bruins zum MVP gewählt
© Getty
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Die Boston Bruins sind Stanley-Cup-Champion 2011! Angeführt von den Doppeltorschützen Patrice Bergeron und Brad Marchand fuhr das Traditionsteam im entscheidenden siebten Spiel bei den Vancouver Canucks einen hoch verdienten 4:0-Sieg ein und sicherte sich den sechsten Titelgewinn der Franchise-Geschichte. Mit dabei: Dennis Seidenberg, der als zweiter Deutscher nach Uwe Krupp den Stanley-Cup holt.

Zum ersten Mal nach 1972 sind die Bruins wieder das beste Team der Liga. Gleichzeitig ist Dennis Seidenberg nach Uwe Krupp (1996) der zweite deutsche Champion der NHL. Mit zwei Assists trug der Verteidiger entscheidend zum vierten Sieg seiner Mannschaft bei.

Die Conn-Smythe-Trophy für den wertvollsten Spieler der Playoffs ging jedoch an Goalie Tim Thomas, der mit 798 Saves in der Postseason und 238 in den Finals zwei NHL-Rekorde aufstellte - und in Spiel 7 seinen dritten Shutout der Finalserie feierte.

Erfolgreichster Offensivspieler der Serie ist Mark Recchi, der im zarten Alter von 43 Jahren 7 Punkte (3 Tore, 4 Assists) sammelte, seinen insgesamt dritten Cupgewinn bejubelte und nun seine Karriere beenden wird. Seine Bruins schafften als erstes Team der NHL-Geschichte das Kunststück, drei Serien in Spiel 7 zu gewinnen.

Für Kanada geht die Leidenszeit indes weiter. Seit 1993 (Montreal Canadiens) hat kein Team aus dem Norden mehr den Titel gewinnen können, die Canucks verpassten auch ihre dritte Chance auf den ersten Titel der Franchise-Geschichte.

Mitten unter den deprimierten Spielern: Christian Ehrhoff, der zweite deutsche Verteidiger in den Stanley-Cup-Finals. Anders als Seidenberg konnte Ehrhoff, sicher auch aufgrund einer leichten Verletzung, erneut nicht überzeugen.

Nach der Niederlage kam es in Vancouver zu Krawallen auf den Straßen. Einige frustrierte Fans zündeten parkende Autos an oder warfen mit Bierflaschen auf TV-Bildschirme. Der Beginn einer sicher heißen Nacht für die Sicherheitskräfte in Vancouver. Erste Verhaftungen gab es bereits.

Reaktionen:

Henrik Sedin (Vancouver Canucks): "Diese Krawalle sind schrecklich. Diese Stadt und diese Provinz haben so viel, worauf sie stolz sein können, auf das Team und die Leute hier. Das ist einfach nur traurig."

Dennis Seidenberg (Boston Bruins): "Ich kann es noch gar nicht richtig fassen. Es ist unglaublich, ein Traum ist wahr geworden. Ich bin überglücklich."

Tim Thomas (Boston Bruins): "Auch wenn der Stanley Cup die Trophäe ist, für die wir alle gekämpft haben, ist natürlich auch die MVP-Trophäe eine große Ehre für mich. Ich hatte Angst, ganz ehrlich. Gestern und heute. Ich habe das so gut wie möglich überspielt und ich habe es bis zum Stanley Cup geschafft. Es war klar: Wenn ich den Cup irgendwann einmal gewinnen sollte, dann auf die härteste denkbare Art. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass wir dreimal in einer Playoff-Saison in Spiel 7 müssen und daraus als Sieger hervorgehen. Wir sind weiter gekommen, als ich dachte."

Mark Recchi (Boston Bruins): "Das war's für mich. Ich kann mir keinen besseren Moment für den Rücktritt vorstellen. Mit diesem Team ist es sogar noch spezieller. Ich liebe diese Jungs. Das ist es, was wir erreichen wollten, und wir haben es geschafft."

Christian Ehrhoff (Vancouver Canucks): "Die Enttäuschung ist im Moment riesengroß. Es gibt nichts Härteres, als in sieben Spielen im Finale zu verlieren."

Roberto Luongo (Vancouver Canucks): "Wir sind am Boden zerstört. Wir haben das ganze Jahr über hart gearbeitet, um an diesen Punkt zu gelangen. Dann kurz vor dem Ziel zu scheitern, ist schwer zu verkraften. Aber wir sind ein gutes Team, wir werden zurückkommen."

Alain Vigneault (Coach Vancouver Canucks): "In unserer Situation wäre sicher jeder enttäuscht, egal ob er Favorit gewesen wäre oder nicht. Wir haben hart gekämpft und hatten unsere Chance. Aber in diesem Spiel heute waren sie das bessere Team. So einfach ist das."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Nach seinem bösen Sturz in Spiel 6 kann Mason Raymond natürlich nicht mitwirken - und das wird sich in den nächsten drei Monaten auch nicht ändern. Vancouver bringt stattdessen Tambellini in die Aufstellung, ansonsten bleibt auf beiden Seiten alles beim Alten. Auch die zuletzt angeschlagenen Edler, Alberts und Seidenberg sind dabei.

4. Minute: Klasse Aktionen auf beiden Seiten! Marchand bedient Peverley, der zunächst von Luongo gestoppt wird. Doch der Goalie findet den Puck nicht - die Scheibe trudelt die Linie entlang, wird aber von keinem Bruin verwertet. Gleich im Gegenzug ist D. Sedin als Erster vorn, legt ab auf H.Sedin und sieht zu, wie sein Bruder einen Gegner aussteigen lässt und nur hauchdünn an Thomas scheitert.

16.: Tor für Boston! 0-1, Bergeron (Marchand)! Die Canucks gewinnen ein Faceoff in der eigenen Zone, setzen aber nicht entschlossen nach und lassen Marchand gewähren, der den Puck von rechts ins Zentrum spielt. Dort könnten mehrere Canucks dazwischen gehen, aber keiner stört Bergeron, der locker einschieben kann.

22.: Marchand macht sein vielleicht bestes Auswärtsspiel der Serie. Gleich zu Beginn des zweiten Drittels beschäftigt er wieder mehrere Gegner, wird trotzdem einen Schuss los - und trifft die Latte!

33.: Tor für Boston! 0-2, Marchand (Seidenberg, Recchi)! Die Vorentscheidung? Luongo bekommt den Puck nicht unter Kontrolle, Marchand dafür schon. Der Rookie geht hinter dem Tor von rechts nach links, Luongo wird beim Versuch, sich rüberzuschieben, von D. Sedin umgerammt. Das Tor ist frei, Marchand zieht den Puck herum und trifft.

38.: Tor für Boston! 0-3, Bergeron (SH/Seidenberg, Campbell)! Wenn man schon kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu. In Unterzahl springt Bergeron der Puck vor die Füße, mit einer Länge Vorsprung vor Ehrhoff sprintet er auf Luongo zu. Kurz vor dem Goalie wird Bergeron gefällt, der Kanadier rutscht mit dem Puck ins Tor, Luongo hat keine Chance auf einen Save. Der Treffer zählt trotzdem.

50.: Die Canucks warten immer noch darauf, Thomas endlich mal richtig in Bedrängnis zu bringen. Aber genau das ist das Problem: Sie warten offenbar, dass irgendwer endlich das Heft in die Hand nimmt. Nur wer? Es scheint sich keiner berufen zu fühlen. Die Fans sind längst komplett verstummt.

58.: Tor für Boston! 0-4, Marchand (Empty Net)! Das Ausrufezeichen hinter ein einseitiges Spiel 7 setzt erneut Marchand. Die Canucks nehmen drei Minuten vor Schluss ihren Goalie aus dem Tor, werden aber schon sehr bald bestraft. Bieksa konnte nichts mehr machen.

Der Star des Spiels: Patrice Bergeron. Wie immer könnte man Tim Thomas nehmen, er war ohne Frage der Star der Serie. Aber in Spiel 7 waren alle seine Saves im Prinzip Pflicht-Saves, die Canucks schafften es einfach nicht, Thomas in Bedrängnis zu bringen. Stattdessen erlebte ausgerechnet Bergeron sein Breakout-Game. Der 25-Jährige war bisher zwar gewohnt verlässlich bei Faceoffs gewesen und hatte drei Assists gesammelt, ein Tor war ihm in der Serie aber nicht gelungen. Im wichtigsten Spiel seiner bisherigen Karriere schlug er dann gleich zwei Mal zu - auch wenn er beim zweiten etwas Glück hatte.

Der Flop des Spiels: Die Sedin-Zwillinge. Wenn man in der NHL etwas gewinnen will, muss man sich in den wichtigsten Momenten auf seine Stars verlassen können. Die Sedins haben eine furiose Regular Season gespielt, waren in den Playoffs - und besonders in den Finals - aber zu oft unsichtbar. In Spiel 7 standen sie nun mehrfach im Mittelpunkt - im negativen Sinn. Beim 0:1 schaute Henrik nur zu, wie Patrice Bergeron einnetzte, beim 0:2 nahm Daniel Roberto Luongo jede Chance, das Tor gegen Marchand zuzumachen. Als Vancouver verzweifelt auf einen offensiven Schub wartete, suchte man die Sedins vergeblich. Die beiden Schweden sind den Nachweis, dass sie Winnertypen sind, schuldig geblieben.

Analyse: NHL-Finals, Spiel 7 - und das in der Rogers Arena, ohnehin eine der schönsten und lautesten Hallen des Landes. Aber was vor dem letzten Spiel der Saison 2010/2011 in der Spielstätte der Canucks los war, dürfte so ziemlich alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen.

Schon beim Spielereinmarsch war der Lärm ohrenbetäubend, die kanadische Hymne wurde dann von knapp 19.000 Zuschauern mit unfassbarer Inbrunst gesungen. Einer Inbrunst, die das verzweifelte Verlangen der Kanadier nach dem Stanley Cup treffend zusammenfasste.

Die Spieler beider Teams wussten, was sie zu tun hatten, und verhielten sich entsprechend. Das Tempo war enorm, Chancen gab es auf beiden Seiten. Den ersten Treffer erzielte der Gast, der von einem Aussetzer des Gegners profitierte und dann leichtes Spiel hatte.

Die Verunsicherung bei den Heimfans war jetzt greifbar, immerhin hatte das Team, das das erste Tor erzielte, in der Finalserie jedes Spiel gewonnen. Auch Vancouvers Spieler brauchten einen Moment, ehe sie den Schock verdaut hatten. Für Boston war es erst das dritte Tor, das in den Finals auf gegnerischem Eis erzielt wurde.

Aber es war längst nicht das letzte. Brad Marchand, seit dieser Serie sehr wahrscheinlich das neue Hassobjekt aller Canucks-Fans, legte nach und profitierte vom zweiten Aussetzer eines Sedins, als Daniel seinem Goalie in die Quere kam.

Kurz darauf sorgte Boston in Unterzahl für die Vorentscheidung. Es war bereits das dritte Shorthanded-Goal, das Vancouver gegen Boston kassiert hatte. Es lief, wie so oft in dieser Serie, nichts zusammen für den Ligaprimus. Allerdings muss sich Vancouver den Vorwurf gefallen lassen, dass es einfach nicht in der Lage war, ein Erfolgserlebnis einfach mal zu erzwingen. So wie es Boston immer wieder gelang.

Bezeichnend war ein kurzer Kommentar von Bergeron in der zweiten Drittelpause, als er trotz eines 3:0-Vorsprungs sagte: "Das ist noch nicht gut genug! Wir haben 40 Minuten hinter uns gebracht und gut gespielt. Aber wenn wir die letzten 20 Minuten nicht konzentriert bleiben, dann reicht es nicht."

Die Bruins waren, so banal es klingt, einfach bereit für den Stanley Cup. Sie zeigten am Anfang keine Nervosität, lehnten sich mit einer Führung im Rücken nicht zurück und spielten das Spiel bis zur letzten Sekunde konsequent zu Ende. Marchands Empty-Netter war das Sahnehäubchen.

NHL: Die Playoffs auf einen Blick

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