Dienstag, 28.02.2017

Legendenserie: Steve Smith Sr.

"Ab in die Eistonne, mein Sohn!"

Stolze 16 Jahre lang beschenkte Steve Smith Sr. die NFL und ihre Fans mit explosiven Big Plays, großen Emotionen und dem wohl feinsten Trash Talking, das die Liga jemals gesehen hat. Mit 37 Jahren sagte das pfeilschnelle Muskelpaket im Januar auf Wiedersehen und grüßt zum Karriereende trotz seiner geringen Körpergröße aus der oberen Region des Wide-Receiver-Olymps. SPOX blickt auf die Laufbahn des vielleicht besten "alten" Receivers aller Zeiten zurück. Und auf seine Trash-Talk-Highlights.

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"Es ist vorbei. Ich weiß, dass meine Zeit gekommen ist!" Nach 16 Jahren in der NFL hat Steve Smith Sr. seine Footballschuhe an den Nagel gehängt. Dieses Mal wirklich. Denn schon 2015 wollte der Wide Receiver das letzte Kapitel seiner ereignisreichen Karriere schreiben. Da allerdings beendete ein schwere Verletzung die Saison des damals 36-Jährigen schon im November vorzeitig.

Kein würdiges Ende für einen prädestinierten Hall of Famer, der während seiner Laufbahn immer wieder abgeschrieben und dem immer wieder eine aussichtslose Zukunft nachgesagt wurde. Für Smith, der hinter seinen 1,75 Metern, 88 Kilo pure Muskelmasse und der Fassade eines nicht zu bändigenden Pitbulls ein riesengroßes Kämpferherz versteckt, kam ein Abgang durch eine Verletzung auf keinen Fall in Frage.

Stattdessen trat er das Rehabilitationsprogramm an, kämpfte sich zurück zu alter Form und stand pünktlich zum Start der regulären Saison wieder auf dem heimischen Rasen im M&T Bank Stadium. Baltimores Nummer 89 stellte in 14 Spielen - die Ravens schrammten denkbar knapp an den Playoffs vorbeis - ein letztes Mal unter Beweis, dass er einer der größten Receiver aller Zeiten ist. Indem er das tat, was er schon immer machen musste: die Kritiker eines Besseren belehren.

"Wir klauen eure ganze Brotzeitbox und lassen euch mit leeren Händen zurück!"

[Über die Einstellung, mit der man als Baltimore Raven aufs Feld geht]

Noch in der High School wurde Stevonne Latrall Smith Sr. an der University High School in Los Angeles als Running Back und Defensive Back eingesetzt, bis der Trainer seines späteren Teams am Santa Monica College andere Pläne hatte. "Wir haben beim All-Star-Game gesehen, wie er mit einem langen Pass überwunden wurde", erzählte Coach Robert Taylor, "also haben wir festgestellt, dass das so nicht funktionieren wird."

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Taylor funktionierte seinen explosiven Rekruten um, aufgrund des "Talents für Big Plays" und weil er "nie Bälle fallen ließ". Auf dem kleinen kalifornischen College war Smith nun im Wide Receiving Corps zu finden. Erst seine Zeit bei den Utah Utes brachte Smith auf den Schirm der NFL-Scouts, die allerdings hatten aufgrund der Körpergröße ihre Zweifel.

In der dritten Runde wurde er 2001 schließlich von den Carolina Panthers ("Ich wusste nicht einmal, wo North Carolina lag") gezogen und verbrachte seine Rookie-Saison bei den Special Teams. Hier returnierte er den Opening-Kick-Off seines ersten NFL-Spiels zu einem Touchdown und wurde am Ende des Jahres für den Pro Bowl nominiert.

"Fragen Sie Ihn, er hat doch das Spiel nicht beendet. Ab in die Eistonne, mein Sohn!"

[Nach einem hart umkämpften Duell mit Aqib Talib, in welchem der Patriots-Cornerback die Nerven verlor und von seinem Trainer zum Spielende nicht mehr eingesetzt wurde. Smiths "Ice up, son" wurde legendär]

Bei jenem Pro Bowl in Hawaii wurde Smith, der sich selbstverständlich nicht nur als Punt und Kick Returner verstand, mit hängenden Schultern aus der Receiver-Gruppe zu seiner eigentlich vorgesehenen Trainingsgruppe abkommandiert. Glücklicherweise sollte er hier auf John Harbaugh treffen, damals Special-Teams-Coach der Philadelphia Eagles.

Harbaugh sprach Smith Mut zu und sagte ihm, dass er den Receivern zeigen solle, was in ihm steckt. Wie könne man seine Fähigkeiten schließlich besser unter Beweis stellen, als mit einem Pro-Bowl-Quarterback under Center. Ein Aufeinandertreffen, das auch auf eine spätere Entscheidung Einfluss nehmen sollte.

In seiner dritten Saison spielte Agent 89 schließlich erstmals eine ernsthafte Rolle in der Panthers Offense. Parallel konnte auch das Team endlich Erfolge einfahren, wie den Sieg über die "Greatest Show On Turf"-Rams in den Divisional Playoffs, bei dem Smith mit einem 69-Yard-Touchdown-Catch in der zweiten Verlängerung für die Entscheidung sorgte.

"Große Spieler zeigen große Aktionen in großen Spielen"

[Während seines ersten Spiels für Baltimore in Richtung seines Ex-Teams in Carolina]

Die nächste Titelchance fiel nach einem Beinbruch im folgenden Season-Opener gegen die Green Bay Packers flach. Smiths Jahr war frühzeitig beendet, eine Rückkehr zu alter Leistungsstärke wurde - bekanntlich nicht zum letzten Mal - in Frage gestellt. Doch auch dieses Mal hatte Smith die richtige Antwort.

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Eine Antwort, die es in sich hatte. Er führte die Liga 2005 in den Kategorien Receiving Yards, Receptions und Touchdowns an und dominierte folgerichtig auch die Post Season mit vier Touchdowns in drei Spielen. Im NFC Championship Game war dann jedoch Schluss.

"Ich will, dass sogar deine Mutter angepisst ist"

[Über seine Motivation im Duell mit dem Gegenspieler]

Nicht nur durch seine aggressive Spielweise, sondern auch durch seine unnachahmlichen Künste in der Kategorie Trash Talk sorgte Smith für eine Menge Aufsehen. Die Formulierungen waren dabei gerne so krass, dass selbst in die Kamera gerichtete Parolen für ein kurzes Zurückschrecken vor den TV-Geräten sorgten. Die Intensität, mit der Smith seine Gegner dabei verbal attackierte, ließ den Zuschauer rätseln: Handelte es sich nur um psychologische Spielchen? Oder meinte er das tatsächlich ernst?

So polarisierend und unangenehm, wie Smith sich regelmäßig gegenüber Gegenspielern zu verhalten wusste, ging es auch im eigenen Team zu. Schon zu College-Zeiten geriet der Hitzkopf während des Trainings ein ums andere Mal in Auseinandersetzungen, die seine Coaches zu Bestrafungen zwangen. Bei den Panthers wurden Guilian Gary, Anthony Bright und Ken Lucas zu Opfern des Heißblüters, der sich so mehrfach teaminterne Suspendierungen einhandelte.

Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, dass er für die Panthers ein guter Leader gewesen ist. Das kann der langjährige Panthers-Quarterback Jake Delhomme bestätigen, den Smith nach einer Katastrophenleistung 2008 in Arizona an der Seitenlinie mit den Worten "Du könntest 50 Interceptions werfen und ich würde immer noch zu dir stehen" tröstete.

"Ich habe mich schrecklich gefühlt. Aber als er zu mir gekommen ist, den Arm um mich gelegt hat und mir sagte, dass er zu mir steht ... das weiß ich wirklich zu schätzen", so Delhomme in der Doku Steve Smith - A Football Life.

Auch privat war und ist Smith ein anderer Mensch als in Pads. Dies betonte der vierfache Familienvater immer wieder: "Viele denken, dass ich als Footballspieler und privat die selbe Person bin. Dabei macht mich meine Familie zu dem Menschen, der ich bin." Neben dem Familienmensch Smith gibt es auch den Wohltäter: So wäscht er Obdachlosen die Füße und spendet unter anderem vor jedem Auswärtsspiel neue Sneaker an Bedürftige. Irgendwann will er davon 500.000 verschenkt haben.

Seite 1: Smiths Weg in die NFL und seine unbekannten Seiten

Seite 2: Streit mit Cam und ein letztes Hurra

Pascal De Marco
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