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NFL-Defenses unter der Lupe

Der Weg des größten Widerstandes

Mittwoch, 30.09.2015 | 20:12 Uhr
Die Seahawks stellen im dritten Jahr in Folge eine der besten NFL-Defenses
© getty
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Der Blitz - ein (kalkuliertes) Risiko

Was aber, wenn eine Defense mehr Druck bringen will? In der Theorie ist die Antwort auch hier einfach: Mehr Spieler werden für den Pass Rush - den Angriff auf den Quarterback - abgestellt. Von einem "Blitz" spricht man daher im allgemeinen, wenn mehr als vier Spieler nach dem Snap die O-Line angreifen.

Somit ist unweigerlich klar, dass ein Blitz für die Defense immer ein Risiko bedeutet - immerhin steht mindestens ein (oder auch mehr, je nachdem wie viele Spieler blitzen) Spieler weniger zur Verfügung, um die gegnerischen Receiver, Tight Ends und Running Backs zu decken. Prinzipiell gilt dabei: Jeder Spieler, egal ob Linebacker, Cornerback oder Safety, kann als Blitzer eingesetzt werden.

Die Defense der Arizona Cardinals: Aus der Not eine Tugend

Das macht es für die Offensive Line schwierig einzuschätzen, wo der Pass Rush herkommen wird - und gibt der Defense einen Vorteil. Todd Bowles machte sich als Defensive Coordinator der Arizona Cardinals im Vorjahr unter anderem dadurch einen Namen, dass er kreative Blitz-Schemes ausprobierte und oftmals sechs Defensive Backs aufs Feld schickte. So konnte die Defense extrem variabel agieren (was ihm letztlich den Job als Head Coach der New York Jets verschaffte).

Der "Man Blitz": Mit und ohne doppelten Boden

Will man den Pass Rush per Blitz intensivieren, gibt es zunächst zwei grundsätzliche Möglichkeiten, was die Coverage (also das Decken der Receiver) während des Blitzes angeht: Den "Zone Blitz" und den "Man Blitz". Wie der Name bereits vermuten lässt, stehen beim Man Blitz die direkten Eins-gegen-Eins-Duelle im Vordergrund - die gute alte Manndeckung.

Bis Ende der 70er galt zumeist die Faustregel, dass ein Vier-Mann-Pass-Rush Hand in Hand mit einer Zone-Coverage geht, während ein Blitz Manndeckung nach sich zieht. Zwei Konzepte sind hierfür gang und gäbe: Cover 1 und Cover 0. Cover 1 bedeutet, dass genau ein Safety ohne direkten Gegenspieler bleibt. Sprich: Dieser Safety fungiert als letzte Absicherung, während der Rest der Secondary jeweils für einen Gegenspieler verantwortlich ist.

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Da die Offense maximal fünf potentielle Passfänger aufs Feld führen wird, ergibt die einfache Rechnung: Fünf Spieler in Manndeckung plus ein absichernder Safety (in aller Regel ein Free Safety, Seattles Earl Thomas ist hier das Paradebeispiel) - ergibt sechs. Somit stehen fünf statt vier Spieler für den Pass Rush zur Verfügung. Besitzt ein Team einen Elite-Cornerback, wie etwa Darrelle Revis, kann sich der freie Safety auf den zweitbesten gegnerischen Receiver konzentrieren und den Cornerback hier unterstützen.

Cover 0 ist die dementsprechend aggressivere Stufe: Hierbei gibt es keinen tief positionierten Verteidiger, jeder potentielle Passfänger wird in Manndeckung genommen. So können sogar sechs Spieler in Richtung Quarterback stürmen, der Pass Rush hat dadurch also den nummerischen Vorteil gegenüber der Offensive Line, die aus fünf Spielern besteht. Der QB kann im Bestfall schnell in Bedrängnis gebracht werden. Hat er den Blitz nicht vor dem Snap erkannt, feuert er einen überhasteten Wurf - oft leichte Beute für die Secondary. Colin Kaepernick passierte genau das gegen Arizona in Week 3 gleich mehrfach, mit schweren Folgen.

Der Zone Blitz und Dick LeBeau

Das logische Gegenstück zum Man Blitz ist der Zone Blitz. Statt mit einer Manndeckung, in der ein Fehler normalerweise automatisch einen komplett offenen Receiver nach sich zieht, wird das Feld hierbei in imaginäre Zonen eingeteilt. Dabei wird jedem Spieler, der nicht für den Pass Rush abgestellt ist, eine bestimmte Zone zugewiesen.

In den 80er Jahren griff Dick LeBeau in Cincinnati, die Zone-Blitz-Konzepte von Coaching-Legende Bill Arnsparger auf und machte sich daran, seine Blitze so risikoarm wie möglich zu gestalten. Vor allem wollte er seine Überraschungsangriffe so an die schneller werdenden Passing Games anzupassen. Das gelang LeBeau derart erfolgreich, dass er seit mittlerweile über 40 Jahren NFL-Defensiven fit macht.

Auch beim Zone Blitz wird im Pass-Rush zumeist mit fünf Spielern gearbeitet, die auf Quarterback-Jagd gehen. Aber: Da die restlichen Verteidiger keinem Gegenspieler, sondern einer bestimmten Zone zugeordnet sind, kann der Defensive Coordinator deutlich variabler agieren. Beispielsweise können beide Safetys direkt an der Defensive Line platziert werden - und die Offense weiß bis nach dem Snap nicht, ob beide blitzen, oder ob sie sich fallen lassen und eine Coverage-Zone übernehmen. Idealerweise wird so ein Spieler der Offensive Line getäuscht und steht plötzlich arbeitslos ohne Gegenspieler da, während aus einer anderen Richtung ein Pass Rusher ungehindert auf den Quarterback zustürmt.

Man spricht hierbei von der "Fire Zone", LeBeaus Innovation. Die Coverage Zones werden dabei häufig in zwei Bereiche eingeteilt: Drei Spieler (meist zwei Cornerbacks und ein Safety) teilen sich den weit von der Line of Scrimmage gelegenen Bereich in drei Zonen (links, Mitte, rechts) ein. Für die kurzen/mittleren Pässe gibt es dann analog dazu ebenfalls drei Zonen. Diese werden zumeist von Linebackern, Defensive Ends oder auch einem Safety übernommen.

Was ist beim eigenen Blitz besser: Man Coverage oder Zone Coverage? Ähnlich wie beim Verteidigen einer Standardsituation im Fußball gilt: Gut ist das, was funktioniert. Das hängt von der eigenen Philosophie, vom Personal - und natürlich auch vom Gegner ab.

Seite 1: 4-3 und 3-4: It all starts up Front

Seite 2: Der Blitz - ein (kalkuliertes) Risiko

Seite 3: Die Front: Mike, Will, Jack und Sam

Seite 4: Die Secondary: Seattles Blueprint

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