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NBA

Bauermann: "Das Verhalten ist sehr ärgerlich"

Von Interview: Haruka Gruber
In den USA omnipräsent, im deutschen Free-TV waren die Finals mit Dirk Nowitzki nicht zu sehen
© Getty

Der Jubel um Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks hat eine Schattenseite: Bundestrainer Dirk Bauermann klagt über eine verpasste Chance für den deutschen Basketball. Für die EM plant er aber mit dem Finals-MVP - und mit einem weiteren NBA-Spieler, wie er im SPOX-Interview verrät.

SPOX: In ganz Deutschland gab es zahlreiche Mavs-vs-Heat-Partys, bei denen sich NBA- und Nowitzki-Fans zum gemeinsamen Schauen trafen. Wie haben Sie Spiel 6 verfolgt?

Dirk Bauermann: Ganz alleine, vor dem Rechner.

SPOX: Weil Sie wussten, dass Sie womöglich vor Freude gerührt sein würden wie einige der SPOX-User?

Bauermann: Nein, nein. Natürlich habe ich mich sehr gefreut und genau verfolgt, wie Dirk nach dem Abpfiff sofort in die Kabine gegangen ist, um alleine zu sein, statt mit der Mannschaft zu feiern. Und im Moment des Erfolgs ist man selbst auch ein Stück weit stolz, dass es einer aus unserer Basketball-Familie geschafft hat. Aber ich bin schon etwas älter als die meisten SPOX-User und entsprechend etwas abgeklärter.(lacht)

SPOX: Fühlten Sie sich an Nowitzkis Flucht in die Kabine erinnert, nachdem mit dem DBB-Team 2008 die Olympia-Qualifikation gelungen war?

Bauermann: Nicht nur wegen der Flucht. Damals hat er es uns regelrecht verboten zu verlieren und die Qualifikation nicht zu schaffen. Mit der gleichen unglaublichen Entschlossenheit hat er auch Dallas nicht erlaubt, den Titel aus der Hand zu geben. Und mit seiner sensationellen Leistung im vierten Viertel stellte er auch sicher, dass es nicht so kommt.

SPOX: Aber was war mit ihm in den ersten drei Vierteln los?

Bauermann: Ich habe mir keine Sorgen gemacht. Wenn der Spieler, der ein Team die ganze Saison und vor allem in den Playoffs getragen hat, sich offensiv schwer tut, und das Team trotzdem vorne liegt, weiß man eines: Es kann fast nichts passieren. Und wegen Dirk machte ich mir ohnehin keine Gedanken: Die richtig Guten stabilisieren sich, spielen ihren Stil weiter, wackeln nicht und verlieren nicht das Selbstbewusstsein. Als spätestens seine Würfe wieder fielen, war klar, dass Dallas das Spiel gewinnt.

BLOG All Eyes on Dirk - Die Meinungen der SPOX-User zum Titelgewinn

SPOX: Im vierten Viertel verwandelte er auch wieder seinen Signature Shot: den Fadeaway auf einem Fuß abspringend. Nowitzki selbst verriet, dass sein Mentor Holger Geschwindner diesen Wurf nicht unbedingt befürwortet. Was sagen Sie als Basketball-Lehrer?

Bauermann: Jeder Wurf, der sein Ziel findet, hat seine Berechtigung. Das Wichtigste bei solchen Würfen ist die Körperkontrolle, das Gleichgewicht. Über die verfügt er, und auch wenn er sich nur von einem Fuß abstößt, sind die Würfe nicht wild und außer Kontrolle. Deswegen spricht nichts dagegen. Der Fadeaway ist eine Waffe, die nicht zu verteidigen ist.

SPOX: Nowitzki wird am Wochenende 33 Jahre alt, doch man wird das Gefühl nicht los, dass er sich trotz seines Alters immer weiterentwickelt. Haben Sie ähnliches bei einem anderen Basketballer schon einmal erlebt?

Bauermann: Schwer zu sagen, vor allem, weil man bei Dirk nicht von einer plötzlichen Leistungsexplosion sprechen kann. Ich möchte es eher so veranschaulichen: Dirk hat in seiner Karriere zwei unglaublich schwer zu erreichende Ziele geschafft: die Olympia-Teilnahme und die NBA-Championship. Das ist erstens ein Ausdruck von disziplinierter, harter Arbeit. Zweitens von großer Entschlossenheit. Und drittens von hoher menschlicher Qualität. Wer sich an dieses Rezept hält, wird immer Erfolg haben, egal wie alt ein Sportler ist. Dirk hat dieses Rezept perfekt umgesetzt und wird nun dafür belohnt.

SPOX: Sie sagten nach der Lakers-Serie, dass Sie Nowitzki neben LeBron James und Kobe Bryant zu den großen Drei der NBA zählen. Ist er jetzt die alleinige Nummer eins?

Bauermann: Zumindest wirkt es nicht albern, wenn man diesen Standpunkt vertritt. Die meisten werden dem zustimmen, sogar bei den Kommentatoren der US-Sender war diese Meinung zu vernehmen. Insofern kann man sagen, dass Dirk auf dem Zenit der NBA angekommen ist.

SPOX: Mavs-Coach Rick Carlisle beharrt sogar darauf, dass Nowitzki zu den zehn besten Spielern aller Zeiten gehört.

Bauermann: Wenn Rick dieser Meinung ist, kann ich mich dem nur anschließen. In der Geschichte unserer Sportart gab es so viele großartige Basketballer, entsprechend ist es bereits sensationell, wenn man überhaupt bei einer solchen Diskussion gehandelt wird. Für mich ist es aber gar nicht so wichtig, ob Dirk als zehnt-, neunt- oder achtbester Basketballer aller Zeiten bezeichnet wird. Viel entscheidender und beeindruckender ist, wie Dirk die Sportart als Botschafter vertritt. Es gibt niemanden, der Basketball in Deutschland, aber auch auf der ganzen Welt so gut repräsentiert. Seine Wirkung geht weit über die Sportart hinaus - und das ist seine wahre Leistung.

Seite 2: Dirk Bauermann über eine vertane Chance und Dirk Nowitzki im Nationaltrikot

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